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Hotel Neptun - Stasi-Hotel am Ostseestrand

von Nils Zurawski

Verflechtungen mit KoKo und Stasi

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Der Direktor und die Führungsriege blieben dem Hotel auch nach der Wende treu.

Der ehemalige Direktor Klaus Wenzel beschreibt in der NDR Dokumentation die Zusammenarbeit mit der Stasi als normal und unausweichlich. Etwas, dass er notwendigerweise dulden musste. Er habe quasi dienstlich für die Stasi gearbeitet, wird er im Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses "KoKo" zitiert. Friederike Pohlmann hält allerdings Wenzels Aussage, dass die Bespitzelung von Gästen "die ganz normale Arbeit von Sicherheitsdiensten in Hotels auf der ganzen Welt" sei, für skandalös. Und die Verflechtungen des Hauses, seiner Führungsriege und der Stasi sind bis heute nur in Ansätzen aufgearbeitet - Buch und Film sind die bisher umfangreichsten Arbeiten zu diesem Thema.

Die Recherchen der beiden Journalisten haben genügend Hinweise zutage befördert, dass die Zusammenarbeit mit der Stasi in vielen Bereichen sehr eng und institutionalisiert war. So wurden bestimmte, vor allem ausländische Gäste in ihren Zimmern überwacht und ausspioniert, viele der Hotelangestellten waren IMs der Stasi, und die Verflechtungen mit der KoKo können als existenziell für das Hotel beschrieben werden - nicht nur, wenn es um die Versorgung mit exotischen Südfrüchten ging.

Kontinuität als Erfolgsrezept

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Was sich wirklich im "Neptun" über die Jahre abgespielt hat, blieb bisher in

Einer der Gründe für den Erfolg des Neptun dürfte in der Person seines Erfinders und langjährigen Direktors liegen. Klaus Wenzel leitete vom Anfang im Jahr 1971 bis 2007 das Hotel - er blieb über die Wendezeit hinaus im Amt, wie auch fast sein gesamtes Führungsteam. Politische Veränderungen und auch neue Besitzer hatten lange keinen Einfluss auf ihre Posten. Denn die ersten Besitzer nach der Wende waren so neu dann auch gar nicht - vielmehr handelte es sich um Firmen, die auch vorher schon Partner der HO und der KoKo gewesen sind.

Heute gehört das Hotel zur Deutschen Seereederei, früher VEB, die von einer Hamburger Investorengruppe betrieben wird. Die Kontinuität der Führungsmannschaft bis weit nach der Wende ist trotz allem eines der ungeklärten Rätsel der schicken Absteige.

Pohlmann bezeichnet Wenzel als die Besonderheit des Hotels. Sie beschreibt den umtriebigen Direktor als eine schillernde Figur, als einen Unternehmer voller Ideen und Initiativen, der Leute überzeugen und motivieren konnte und der den Sozialismus für gerechter als den Kapitalismus hielt. Und er war offensichtlich auch jemand, der sich vor seine Leute gestellt hat, die ihm gegenüber bis zum Schluss sehr loyal waren. Dass er durchaus auch andere Seiten hatte, erfuhr der NDR Journalist Hans-Jürgen Börner, damals Korrespondent in der DDR, bereits 1988, als ihm Wenzel den Eintritt in die Sky Bar des Hotels verwehrte. Zuerst freundlich mit Hinweis auf seine "Nietenhosen" (Jeans), so Börner: "Da ich mich nicht einsichtig zeigte, änderte sich der Ton, und Wenzel beendete die Diskussion mit den Worten: 'Wir können auch anders!'"