Stand: 06.11.2012 10:30 Uhr

Zeitreise: Charles und Diana in Hamburg

von Oliver Klebb

Wer Hamburg kennt, weiß: Um einen trüben Herbsttag an Alster und Elbe zu überstehen, braucht es norddeutsche Gelassenheit. Und ausgerechnet Gäste aus einem europäischen Land mit traditionell noch schlechterem Wetter sollen am 6. November 1987 ein wenig Glanz in den grauen Alltag der Hamburger bringen: Großbritanniens Kronprinz Charles und seine damalige Frau Diana. Motorendonner einer Sondermaschine kündigt die royale Stippvisite kurz vor zwölf am Vormittag auf dem Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel an.

Royaler Glanz in der Hansestadt

 

Stationen der Reise

  • Berlin (1. November 1987)
  • Bonn (2. November 1987)
  • Köln (3. November 1987)
  • München (4./5. November 1987)
  • Hamburg (6. November 1987)
  • Celle (7. November 1987)

Ein roter Teppich wird ausgerollt und setzt einen optischen Farbtupfer im nasskalten Schmuddelwetter. Die Honoratioren der Freien und Hansestadt - allen voran der Erste Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und seine Frau Christa - bilden das Begrüßungskomitee für die royalen Gäste. In feinstem Zwirn machen sie Prinzessin Diana ihre Aufwartung, sicher mit den tiefsten Dienern, die Hamburg bis dato je gesehen hat. Auf Einladung des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, war das Kronprinzenpaar bereits am 1. November 1987 zu einem mehrtägigen Besuch nach Deutschland gekommen.

Quartier im Gästehaus des Senats

Auf die Begrüßung am Flughafen folgt - wie bei solchen Staatsbesuchen üblich - ein dichtgedrängtes Besuchsprogramm. In hochglanzpolierten dunklen Mercedes-Limousinen werden die Royals zunächst in ihr Quartier gebracht. Während der Fahrt ist das Kronprinzenpaar getrennt: Diana wird gemeinsam mit Hamburgs First-Lady chauffiert, während Klaus von Dohnanyi seinem Gast Charles Gesellschaft leistet. Eine Motorrad-Eskorte der Polizei begleitet den rund 20 Fahrzeuge zählenden Auto-Tross zum Gästehaus des Senats, der weißen Villa am Feenteich.

Britische Woche im Alsterhaus

Von dort geht es weiter in Hamburgs bekanntestes Kaufhaus: das Alsterhaus. In dem exklusiven Konsum-Tempel sollen Charles und Diana die "Britische Woche" eröffnen und kräftig die Werbetrommel für Produkte von der Insel rühren. Tausende Menschen sind auf den Jungerfernstieg gekommen, um einen kurzen Blick auf die Royals zu erhaschen. Aber nur die Alsterhaus-Verkäuferinnen, die zur Feier des Tages Halstücher mit britischer Flagge tragen, haben exklusive Logenplätze. Charles bekommt als Gastgeschenk ein Mappe mit Hamburgensien, Ansichten der Hansestadt, Diana zwei Mecki-Figuren für die kleinen Prinzen daheim. Bei der Verkostung von Pralinen soll eine zärtliche Geste von Prinz Charles alle Gerüchte um eine angebliche Ehekrise Lügen strafen. Mit den Worten "For you, Di" soll er seiner Prinzessin ein Stück Schokolade gereicht haben. Neues Glück "Made in Germany" oder alles nur Show? Die mitgereisten Journalisten - darunter Vertreter vieler britischer Zeitungen - verfolgen das Paar jedenfalls gerade wegen dieser Gerüchte während des Staatsbesuchs auf Schritt und Tritt.

Barkassenfahrt mit Zwischenfall

Mit einem Besuch der anglikanischen Kirche am Zeughausmarkt setzt das Paar den Besuch fort - die britische Gemeinde feiert im Jahr 1987 ihr 375-jähriges Bestehen. Bei einem Besuch der Hansestadt darf natürlich eine Hafenrundfahrt nicht fehlen. Sind Royals zum Sight-Seeing eingeladen, tuckert aber nicht ein schnöder HADAG-Dampfer über die Fluten der Elbe, sondern die stolze, luxuriöse, blau-weiße Senats-Barkasse "Hamburg". Die königliche Mini-Kreuzfahrt im Hafen nutzen linke Aktivisten aus der Hafenstraße als Podium für politische Parolen: Sie enthüllen ein Banner mit der Aufschrift "Zerstört die Hochsicherheitstrakte - Sieg für die IRA" und feuern Leuchtkugeln auf die Polizei. Die britische Presse wertet die Aktion später als Angriff auf das Kronprinzen-Paar und attestiert den deutschen Behörden ein Sicherheitsproblem. Statt für Entspannung der deutsch-britischen Beziehungen sorgt der royale Besuch zumindest medial für neuen Zündstoff.

Besuch in den Lokstedter NDR Studios

Harmonisch und friedlich hingegen läuft der Besuch des Paares in den Lokstedter NDR Studios ab. Das Prinzenpaar soll eine Institution mit deutsch-britischer Geschichte kennenlernen. Im Auftrag der Besatzer hatte der britische Journalist Hugh Greene im September 1945 den Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) gegründet, um den Rundfunk in der britischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg zu reorganisieren.

Interview

Erinnerungen an Charles und Diana

Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert kann sich noch gut an den Besuch von Charles und Diana in Hamburg erinnern. Er war damals Fernsehdirektor des NDR und durfte das Paar 1987 in Lokstedt begrüßen. mehr

Zu den Männern der ersten Stunde gehörte die Reporter-Legende Peter von Zahn, den Charles und Diana in den NDR Studios treffen. Er berichtet ihnen von seinen guten Erfahrungen mit den Briten. Der Kinderchor der Finkwarder Speeldeel sorgt für norddeutsche Folklore und Heiterkeit bei der ehemaligen Erzieherin Diana. Die Studios sind mit allerlei britischer Symbolik zu Ehren der Gäste geschmückt. Die Tagesschau-Crew, der damalige NDR Fernsehchef Rolf Seelmann-Eggebert und die NDR Intendanz erweisen dem hohen Besuch ihre Ehre.

Empfang mit Gala-Dinner im Rathaus

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Mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und einem Gala-Dinner mit 400 Gästen im Rathaus geht der Besuch in Hamburg zu Ende.

Am Abend wird es dann festlich: Prinz Charles und Diana sind ins Hamburger Rathaus geladen. Die mehr als 400 Gäste bekommen die britische Prinzessin, die schon damals als Mode-Ikone gilt, in einem glamourösen Outfit zu sehen. Sie trägt ein schulterfreies, schwarzes Spitzenabendkleid zu dem eine weiße, lange Perlenkette einen dezenten Kontrast setzt. Die Gäste tragen sich ins Goldene Buch der Stadt ein, bevor das Festessen beginnt. Unter der prunkvollen Kassettendecke des Festsaals wird ein opulentes Mahl serviert: Es gibt unter anderem frisch geschossenes Rebhuhn im Speckmantel gegart und Erdbeeren aus den Vierlanden, die mit marinierten grünen Mandeln verfeinert sind. Als Hommage an die Gäste wird - der Überlieferung zufolge - als Tischwein ein Tropfen von der Mosel serviert, den Charles und Diana bei ihrer Hochzeit im Jahr 1981 getrunken haben sollen. In Reden tauschen Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und der Prince of Wales gegenseitig Freundlichkeiten aus. Am folgenden Tag verlässt das Kronprinzenpaar Hamburg wieder. Rund zehn Jahre später ist Diana tot. Die "Prinzessin der Herzen" kommt 1997 bei einem tragischen Autounfall in Paris ums Leben.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 04.11.2012 | 19:30 Uhr

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