Stand: 25.06.2014 11:00 Uhr  | Archiv

Sylt: Sehnsuchtsinsel der Promis

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Thomas Mann besuchte Sylt in den 20er-Jahren mehrmals. Angeblich ließ er sich von der Insel für seinen Roman "Der Zauberberg" inspirieren.

Emil Nolde und Hermann Hesse, Marlene Dietrich und Stefan Zweig: Schon in den 20er-Jahren übt die Insel Sylt auf Maler, Schriftsteller, Schauspieler und andere Prominente eine magische Anziehungskraft aus. Tanzdiva Gret Palucca tanzt nackt in den Dünen der Insel und Thomas Mann notiert 1928 im Gästebuch der legendären Künstlerpension "Kliffende" in Kampen: "An diesem erschütternden Meere habe ich tief gelebt." Der kleine Bauernort mausert sich zur regelrechten Künstlerkolonie und zieht Kreative, Intellektuelle und Lebenskünstler aus der ganzen Weimarer Republik an.

Mit Gunter Sachs kommen die Reichen und Schönen

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Gunter Sachs - hier mit seiner Frau Mirja - entdeckte Sylt für sich und zog zahlreiche andere Prominente auf die Insel.

"Seltsame Gestalten" sind den Einheimischen also nicht fremd, als Gunter Sachs die Insel Ende der 60er-Jahre aus ihrem Dornröschenschlaf holt, in den sie in der Nachkriegszeit gefallen war. Der Unternehmens-Erbe feiert wilde Partys auf dem bis dahin beschaulichen Eiland. Mit seiner damaligen Ehefrau Brigitte Bardot und anderen Promis aalt sich der millionenschwere Playboy am legendären Strandabschnitt Buhne 16 bei Kampen - und wird dabei mitunter von neugierigen Blicken verfolgt: "Ich lag auf Sylt an Buhne 16, dem Strand für alle sonnenhungrigen Nackten der Republik. Trotz der Transparente 'Badehose runter - Gunter' behielt ich meinen Lendenschurz an", erinnerte sich Sachs im Jahr 2005 in seinen Memoiren.

"In jeder Welle ein nackter Arsch"

Andere sind da weniger zimperlich. FKK-Baden und hüllenloses Volleyballspielen gehört an der Buhne 16 für viele prominente Gäste fast schon zum guten Ton. Nicht allen gefällt das: "In jeder Welle hängt ein nackter Arsch", klagt etwa Schauspielerin Romy Schneider - und kommt nur einmal nach Sylt.

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Herbert Rossmann, legendärer Parkwächter an der Buhne 16, tanzte mit Romy Schneider Walzer.

Doch die meisten zieht es immer wieder auf die Nordseeinsel. Vom Habenichts bis zum Millionär, auf dem riesigen Parkplatz vorm Strandzugang an der Buhne 16 reihen sich einfache Käfer an Nobelkarossen. Von dort geht es, ausgestattet nur mit dem Nötigsten, direkt zum Strand: "Die ließen die Hüllen im Wagen, hüpften über die Düne und hatten nur noch ihr Kofferradio an", erinnert sich Hans-Dieter Tölke, damals Taxifahrer auf der Insel.

Durchtanzte Nächte im Pony Club

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Beim Benefizspiel des Promi-Teams "Pony Kampen" stand Gunter Sachs (2. v. r.) im Tor. Auch dabei: Schauspieler Günter Pfitzmann (l.).

Der kleine Ort Kampen wird zum Saint-Tropez des Nordens. Nach dem Sonnenbaden geht es zum Feiern in den "Pony Club". In der Nobel-Discothek am Kampener Strönwai, vielen besser bekannt als "Whiskymeile", tanzt der Jet-Set oft bis zum Morgengrauen. Die Schauspieler Heinz Rühmann und Curd Jürgens sind ebenso regelmäßige Gäste wie die persische Ex-Kaiserin Soraya und der Verleger Axel Springer.

Mit den Reichen und Berühmten kommt auch das große Geld auf die Insel. Urlaub auf Sylt ist schwer angesagt. Viele Einheimische vermieten im Sommer ihre Häuser an die Sommerfrischler: "Wir haben den Stall saubergemacht und dort geschlafen. Die Zimmer im Haus haben wir vermietet", erinnert sich Claas Johannsen, der in den 60er-Jahren den Bauernhof seiner Eltern übernimmt.

Luxusferienorte ohne Einheimische

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Den Klenderhof in Kampen kaufte Axel Springer in den 50er-Jahren. Heute gehört das Anwesen einem Schweizer Unternehmer.

Die Nachfrage nach Ferienquartieren ist riesig - für viele Original-Insulaner nicht nur ein Segen. Wohnraum wird knapp, die Preise schnellen in die Höhe. Häufig wollen die prominenten Feriengäste nicht nur mieten, sondern am besten gleich eines der reetgedeckten Häuser als Wochenend- und Urlaubsdomizil kaufen. Die Folge: Ganze Ortschaften wandeln sich zu Geisterstädten, in denen nur noch im Sommer und an den Wochenenden Betrieb herrscht. Normale Geschäfte jenseits der Luxusmarken gibt es kaum noch in den Promisiedlungen.

Kampen: Nirgendwo in Deutschland ist Wohnen teurer

Die Nachfrage nach Immobilien ist bis heute ungebrochen. Einheimische können sich die teuren Häuser schon lange nicht mehr leisten. Zwei Drittel aller Häuser in Kampen sind mittlerweile Ferienvillen. Der Ort hat die höchsten Immobilienpreise Deutschlands: Bis zu 35.000 Euro kostet der Quadratmeter.

Die Promis kommen immer noch

Ob reich oder weniger betucht, Sylt ist bis heute Sehnsuchtsort und beliebtes Urlaubsziel geblieben. Fast sieben Millionen Übernachtungen zählt die Insel pro Jahr. Auch die Prominenten sind immer noch da. Joachim Löw, Sabine Christiansen, Wolfgang Schäuble oder Günther Jauch: Die Liste derer, die sich auf der Insel erholen, ist lang. Doch wohnen sie mittlerweile eher zurückgezogen, sind in der Öffentlichkeit nicht mehr so präsent wie einst Gunter Sachs und Gefolge. Die wilden 60er und 70er mit Glanz und Glamour sind passé.

Karte: Nordseeinsel Sylt
Porträt

Sylt: Insel-Traum nicht nur für Promis

Partys feiern, Sport treiben, baden oder die Natur im Watt und in den Dünen genießen: Sylt bietet für jeden Urlaubertyp etwas. Selbst Camping-Freunde kommen auf ihre Kosten. mehr

Dieses Thema im Programm:

Unsere Geschichte | 02.07.2014 | 21:00 Uhr