Stand: 10.11.2016 14:09 Uhr

Bahlsen - ein Keks macht Weltkarriere

Rechteckig, goldgelb gebacken, 52 Zähne: Ob Jung oder Alt - den "Leibniz-Butterkeks" von Bahlsen kennt in Deutschland wohl fast jeder. Im Jahr 1889 begann die Erfolgsgeschichte des Volksgebäcks. Die Firma, die mit wenigen Mitarbeitern begann, hat sich bis heute zu einem weltweit agierenden Keksimperium entwickelt.

Bahlsen: Die Geschichte einer Keksdynastie

Ausgangspunkt ist Hannover: 1889 kehrt Hermann Bahlsen, nachdem er als Zuckerimporteur in London gearbeitet hat, in seine Heimatstadt zurück. Die Stadt ist im Aufbruch: Immer mehr Menschen kommen vom Land in die Stadt und suchen Arbeit in den Fabriken. Der 30 Jahre alte Bahlsen entscheidet sich, sein Gründerglück in Niedersachsen zu versuchen: Ein Fabrikgeschäft für englisches Gebäck steckt in Schwierigkeiten, Bahlsen übernimmt die Bäckerei mit zehn Angestellten. Er nennt seine Firma "Hannoversche Cakesfabrik H. Bahlsen" - eine deutsche Bezeichnung für "cakes" gibt es damals noch nicht. Ahnung vom Backen hat Bahlsen kaum, aber aus London kennt er Teegebäck.

Keksrezept bleibt geheim

Wie die Konkurrenz verkauft Bahlsen das lose Gebäck anfangs aus der Tonne. Die Geschäfte laufen gut. "Er hat in England Rezepte gekauft und sich Mitarbeiter gesucht, die ihm Produkte entwickelt haben", erklärt Michael Bahlsen, der heutige Firmeninhaber, den Erfolg seines Großvaters. Bis heute ist das Rezept für den berühmten Leibniz-Keks ein Geheimnis und noch immer wird auf Grundlage des Originals gebacken.

Für den legendären Butterkeks stand der berühmte Hannoveraner Gottfried Wilhelm Leibniz Pate. Der deutsche Philosoph, Wissenschaftler und Mathematiker starb 1716 in Hannover. Hermann Bahlsen wollte besondere Namen für seine Produkte. Er sagte selbst einmal: "Meine Buttercakes sollen einen Namen, eine Persönlichkeit haben." Neben dem Leibniz-Keks gibt es einen "Duve-Keks" und einen "Albert-Keks", ebenfalls in Anlehnung an deutsche Philosophen.

Goldmedaille für den Butterkeks

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Fließbänder hat Bahlsen in seiner Fabrik noch vor dem amerikanischen Automobilbauer Henry Ford.

1893 baut Bahlsen eine Fabrik, in der 100 Arbeiter für ihn tätig sind. Der Leibniz-Keks mit seinen 52 Zähnen wird zu einem Markenprodukt in Deutschland. Bei der Weltausstellung in Chicago erhält Bahlsen für seinen Keks die Goldmedaille. "Leibniz Cakes wird in ähnlicher Form von der Konkurrenz unter anderem Namen nachgemacht; der feine Butter-Geschmack ist indes nur diesem Fabrikate eigen", heißt es in der Begründung der Jury.

Hermann Bahlsen hat es als Unternehmer geschafft, doch er ist stets bemüht, sein Unternehmen weiter zu verbessern. So geht er auf Europa-Tour und knüpft Kontakte zu Biskuitfabrikanten in England und Frankreich. Und er lässt am Potsdamer Platz in Berlin eine der ersten Leuchtreklamen in der kaiserlichen Hauptstadt anbringen: Auf dem Dach der Bellevue-Apotheke macht Bahlsen Reklame für den Leibniz Cake.

Der Keks wird mobil

Aus Amerika übernimmt er die Idee der luftdichten Verpackung. So macht er seine Kekse lange haltbar. Die Kleinpackungen werden unter anderem am Bahnhof verkauft - mit dem Slogan "Was isst die Menschheit unterwegs? - Na selbstverständlich Leibniz-Keks." Die schnelle Mahlzeit für unterwegs ist geboren.

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