Stand: 25.05.2009 14:19 Uhr

Die Schlacht bei Altenesch

von Susanne Abolins-Aufderheide
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"Kreuzzug gegen die Stedinger" - Holzstich von ca. 1870 nach einer Zeichnung von Friedrich Hottenroth.

"Lewer dod as Sklav", "lieber tot als ein Sklave", so lautet der Leitspruch der Stedinger Bauern in ihrem insgesamt zwei Jahre dauernden Freiheitskampf gegen das Erzbistum Bremen. Im Mai 1234 findet die entscheidende Schlacht des Stedingerkrieges statt. Ort des Geschehens ist Altenesch, heute ein Ortsteil der Gemeinde Lemwerder im Landkreis Wesermarsch. Dort stehen am 27. Mai etwa 2.000 Bauern unter ihren Anführern Thammo von Huntorp, Detmar tom Dyk (tom Dieke) und Bolko von Bardenfleth rund 8.000 Kreuzrittern des Bremer Erzbischofs Gerhard II. gegenüber. Die Bauern werden in diesem Kreuzzug - dem einzigen auf deutschem Boden - vernichtend geschlagen.

Bauern als Ketzer angeschwärzt

Wer waren die Stedinger? Im Jahre 1160 siedelte der Erzbischof von Bremen Bauern in der Region Stedingen westlich der Stadt an. Sie sollten das Land entwässern und eindeichen. Diese Bauern nannten sich Stedinger, Uferbewohner. Für ihre schwere Arbeit wurden ihnen finanzielle und rechtliche Zugeständnisse gemacht, und es entwickelte sich eine Art Bauernrepublik, die von Kaiser und Papst als Verbündete nicht verschmäht wurde.

Durch kriegerische Erfolge wurden die Stedinger selbstbewusst genug, dem Erzbischof zu trotzen. Denn der Bremer Erzbischof Gerhard II. wollte die wohlhabenden Marschbewohner durch höhere Steuern in Abhängigkeit bringen. Die Bauern weigerten sich jedoch, Abgaben zu zahlen. Da dies für einen Krieg nicht ausreichte, schwärzte Gerhard II. die Stedinger als Ketzer bei Papst Gregor IX. in Rom an. Er warf ihnen vor, Priester und Mönche getötet, Kirchen und Klöster beraubt und verbrannt, mit Wachsbildern heidnischen Zauber getrieben zu haben. Auf Gerhards immer neue Anschuldigungen erließ der Papst schließlich eine Kreuzzugsbulle, die es erlaubte, die Stedinger mit Gewalt von ihren religiösen Irrwegen abzubringen.

Bäuerliche Freiheiten gehen verloren

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Der Obelisk erinnert an die Toten in der Schlacht bei Altenesch.

Nutznießer der Niederlage in Altenesch waren Oldenburger Grafen, die die Höfe enteigneten und unter sich aufteilten. Die bäuerlichen Freiheiten gingen verloren.

600 Jahre lang geriet die Schlacht bei Altenesch in Vergessenheit. Auf Betreiben eines Geistlichen, Pastor Gerhard Steinfeld, wurde der schwarze Obelisk als "Stedingsehre" auf einer Anhöhe in Altenesch errichtet. Noch mal 100 Jahre später kam der bäuerliche Freiheitskampf den Nationalsozialisten gelegen. Sie nutzten 1934 den 700. Jahrestag für die Premiere einer Freilichtaufführung des Stückes "De Stedinge" von August Hinrichs. In 16 Sonderzügen angereist, sollen 20.000 Zuschauer die Vorstellung mit 300 Darstellern in einer eigens dafür gebauten Dorfkulisse bei Altenesch gesehen haben. Heute pflegt der Heimatverein Altenesch die Erinnerung an die Schlacht.

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