Stand: 24.05.2013 15:14 Uhr

1938: Die Nazis bauen sich eine Autofabrik

von Malte Krebs

"Fünf Mark die Woche musst Du sparen - willst Du im eignen Wagen fahren!" Diesem Slogan folgten bis Ende der 1930er-Jahre mehr als 300.000 Sparer im Deutschen Reich. Das Finanzierungsmodell versprach schier Unglaubliches: einen für alle erschwinglichen "Volkswagen", den Adolf Hitler seinen "Volksgenossen" schon 1934 angekündigt hatte.

Und die Deutschen sparten - Woche für Woche klebten sie ihre Marken in die Sparkarte, in der Hoffnung auf ein eigenes Auto. Das Problem dabei: Das angepriesene Auto gab es gar nicht. Noch nicht einmal die Fabrik, in der es hätte gebaut werden können. So hatten bereits Hunderttausende einen Sparvertrag abgeschlossen, als am 26. Mai 1938 in der Nähe des niedersächsischen Städtchens Fallersleben der Grundstein für das Volkswagenwerk gelegt wurde.

26. Mai 1938: Die Gründung des VW-Werks

Doch der sogenannte Kraft-durch-Freude-Wagen wurde nie gebaut. Mit Kriegsbeginn wurde die Produktion auf Rüstungsgüter umgestellt. Privatautos blieben auch weiterhin einer kleinen, privilegierten Schicht vorbehalten.

Motorisierung der Massen?

Deutschland war damals im europäischen Vergleich untermotorisiert. 1930 gab es nur etwa 500.000 registrierte Kraftfahrzeuge. Damit lag das Reich weit abgeschlagen hinter Nachbarn wie Frankreich oder Großbritannien, wo bereits mehr als 1,5 Millionen Autos über die Straßen rollten. Noch krasser der Unterschied zu den USA: Hier hatte mit gut 26 Millionen Fahrzeugen die Massenmotorisierung längst begonnen.

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Der Entwurf für den "Kraft-durch-Freude-Wagen" stammte von Ferdinand Porsche.

Deutschland sollte nach dem Willen der Nazis nachziehen. Schon bald nach der Machtübernahme verkündete Adolf Hitler das ehrgeizige Ziel: 100 Stundenkilometer Spitze, Platz für vier Personen, günstig in der Anschaffung und sparsam im Verbrauch - so sollte der "Volkswagen" aussehen. Mit der Konstruktion wurde Autobauer Ferdinand Porsche (1875-1951) beauftragt. Sein Mitte der 30er-Jahre entwickelter kugelförmiger Wagen hieß allerdings noch nicht "Käfer", sondern "Kraft-durch-Freude-Wagen". Fraglich, ob er mit diesem Namen zu einem weltweiten Verkaufsschlager hätte werden können.

Die nationalsozialistische Auto-Mobilmachung

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Zur Automobil-Ausstellung 1939 zierte ein Volkswagen eine Briefmarke.

Fortschritt, Technik, Geschwindigkeit: Obwohl er selbst keinen Führerschein hatte, wusste Hitler um die Faszination des Automobils und nutzte sie zu Propagandazwecken. Wie schon bei den Autobahnen, die als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wenig zusammenhängend quer durch Deutschland gebaut wurden und angesichts der geringen Motorisierung zweifelhaft waren, galt auch hier: Der propagandistische Effekt war wichtiger als der reale Nutzen. Denn damit einher ging das vage Versprechen, dass das Auto bald nicht mehr Privileg der Oberschicht, sondern ein Vergnügen für jedermann sein sollte. Entsprechend wurde die Motorisierung der Massen mit großem Aufwand in Szene gesetzt.

Federführend bei diesem Projekt war die nationalsozialistische Massenorganisation "Kraft durch Freude" (KdF): Sie sollte die Freizeit der deutschen "Volksgenossen" gestalten, sollte sie überwachen und mit scheinbar harmlosen Vergnügungen für das Regime gewinnen. Sie organisierte Urlaubsreisen und Wanderausflüge, veranstaltete Kegelturniere und Nähkurse. Und unter der Leitung von KdF sollte auch das Auto für die Massen produziert werden. Doch dafür brauchte man zunächst eine Fabrik.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 26.05.2004 | 11:20 Uhr

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