Stand: 21.09.2016 14:35 Uhr

Mittelalter: Die Hanse beherrscht den Norden

Der Seehandel führt zum Aufstieg der Hafenstädte im Mittelalter und macht die beteiligten Kaufleute reich.

Um 1280 beginnt in Norddeutschland eine wirtschaftliche Blütezeit: die Ära der Hanse. Der Städtebund entwickelt sich aus einer losen Interessengemeinschaft von Kaufleuten. Unter Führung von Lübecker Händlern entsteht daraus ein Netz von Wirtschaftsverbindungen zwischen Hafenstädten an Nord- und Ostsee sowie Handelsstädten im Binnenland. Den Begriff Hanse für den Städtebund verwenden erstmals um 1282 deutsche Kaufleute, die in England arbeiten - ein konkretes Gründungsdatum für die Hanse gibt es nicht.

Vom Kaufmannsbund zum Machtfaktor

Zu ihrer bedeutendsten Zeit gehören der Hanse etwa 200 Städte im Nord- und Ostseeraum an, darunter alle wichtigen Kaufmannsstädte: von Lübeck, Bremen, Hamburg und Rostock über Königsberg und Danzig bis zu Orten im Binnenland wie Duderstadt, Hameln und Uelzen. Die Warenströme fließen meist über die Ostsee. Holz, Felle, Getreide und andere Rohstoffe gelangen nach Westeuropa, fertige Produkte wie Wein und Tuche an die östliche Ostseeküste. Die Organisation wird zu einer wirtschaftlichen Großmacht. Das Netz der Handelswege erstreckt sich im 16. Jahrhundert von Portugal bis nach Russland, von Skandinavien bis nach Süditalien.

Koggen transportieren die Ware

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Koggen - hier ein Nachbau bei einem Hafenfest - waren einfach zu bauen, benötigten aber günstige Windverhältnisse.

Das typische Handelsschiff der Hanse ist die Kogge: bauchig, geräumig und schnell zu bauen. Ein einziger Mast mit einem Rechtecksegel treibt die Kogge an. Bis die Handelsgüter im Zielhafen angelandet werden können, kann viel Zeit vergehen. Die Schiffe segeln fast immer in Sichtweite der Küste. Die Seeleute müssen auf günstige Winde warten, denn gegen den Wind kreuzen können Koggen nicht. Die Arbeit an Bord der Koggen ist hart, dort gilt eine strenge Hierarchie. Decksknechte sind der "letzte Mann", der alles machen muss, was den gestandenen Seeleuten zu lästig ist.

Zweiklassengesellschaft: Kaufleute und Tagelöhner

Profiteure des wachsenden Fernhandels sind die Kaufleute in den Hafenstädten. Sie häufen große Reichtümer an. In den Häfen schuften unterdessen Tagelöhner, die meist unter erbärmlichen Verhältnissen in primitiven Holzbehausungen leben. Einzige Lichtquellen sind dort das offene Feuer und ein Loch im Dach. Viele Menschen müssen um jede Mahlzeit kämpfen.

Lübeck: Tor zum Ostseehandel

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Das Holstentor in Lübeck war stets auch ein Symbol für den Reichtum der Bürger und die Macht der Hanse.

Lübeck mit seinem direkten Zugang zur Ostsee ist zeitweise einer der Hauptorte der Hanse. Reeder und Seeleute der Stadt, Bürger und Kaufmänner genießen größtes Ansehen. Im Lübecker Rathaus werden von 1356 an viele Ratsversammlungen abgehalten. An diesen sogenannten Hansetagen nehmen etwa 70 Hansestädte teil. Zusätzliches Gewicht gewinnt Lübeck durch seine Zusammenarbeit mit Hamburg. Die Hamburger Warenströme für den Ostseeraum fließen über die Stadt an der Trave. Auf der Nordsee setzt Hamburg eigene Schiffe ein.

Fernhandel versorgt die Städte

Die Hansestädte verdienen durch den Handel nicht nur viel Geld. Sie lassen sich auch zunehmend vom Fernhandel versorgen. Die Schiffe und Fuhrwerke der Hanse bringen Felle und Textilien, aber auch Lebensmittel aller Art, auf die die Bevölkerung der wachsenden Städte angewiesen ist. Getreide und Fisch, Salz, Butter und Pökelfleisch gehören ebenso zur Ladung der Hansekoggen wie Wein und Bier. Tonnenweise wird die Nutzlast von Hand an Bord gebracht.

Die Piraten - Raubritter zur See

Große Gefahr auf den Meeren droht den Handelsschiffen nicht nur durch Stürme, sondern auch durch Piraten. Auf Nord- und Ostsee lauern sie, bis sie ein Hanseschiff entdecken. Und fast nie geben sie auf, bevor sie mit reicher Beute davonsegeln können. Selbst Menschenleben schonen sie nicht.

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Finsterer Pirat oder Robin Hood der Hansezeit? Klaus Störtebeker.

Seeräuber sind nicht nur Gesindel und Kriminelle. Auch verarmte Adelige finden sich in ihren Reihen. Im 14. Jahrhundert werden die Piraten sogar Kriegspartei, ausgestattet mit Kaperbriefen der Mecklenburgischen Herzöge im Thronstreit mit Dänemark. Die berühmtesten unter den Seeräubern sind die Vitalienbrüder. Man nennt sie auch Likedeeler - das bedeutet: Sie teilen alle Beute gleichmäßig unter sich auf. Im Gegensatz zu der strengen Ordnung, die sonst im Mittelalter herrscht, bilden sie eine Bruderschaft mit gleichen Rechten. Zu den Likedeelern zählt auch der legendäre Klaus Störtebeker.

Hanse geht gegen die Seeräuber vor

Die Hanse ist lange Zeit wehrlos gegen die Seeräuber, doch im April 1400 gehen die Hansestädte vereint gegen sie vor: Elf Koggen, an Bord 950 Mann unter Waffen, laufen von Hamburg aus, um die Vitalienbrüder auszuschalten - mit Erfolg. Im Jahr 1401 gelingt es den Hamburgern, auch Klaus Störtebeker gefangen zu nehmen: Er wird wenig später in Hamburg hingerichtet.

Im 17. Jahrhundert geht es bergab

In den folgenden Jahrhunderten verliert das Bündnis rasch an Bedeutung. Kaufleute aus anderen Ländern mischen erfolgreich im Handel mit, nationale Interessen stehen dem internationalen Bündnis entgegen. So geht der Hansetag des Jahres 1669 als letzter der alten Hanse in die Geschichte ein - mit nur noch neun Teilnehmern.

Eine neue Hanse entsteht

1980 gründet sich im niederländischen Zwolle die Hanse der Neuzeit: ein Städtebund, der an die Tradition der alten Hanse anknüpfen will. 2016 gehören ihm 187 Städte in 16 Ländern an, die meisten sind deutsche Städte. In jedem Jahr veranstaltet die Vereinigung einen Hansetag in einer der Mitgliedsstädte. Die neue Hanse will den Austausch zwischen den Städten auf kulturellem, wissenschaftlichem und sozialem Gebiet fördern und die Wirtschafts- und Handelskontakte der beteiligten Orte stärken.

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