Stand: 18.06.2012 20:14 Uhr

Die "Banklady" erobert die Leinwand

von Maya Ueckert, NDR.de

Dunkle Sonnenbrille, blonde Perücke, schlanke Beine - Deutschlands erste Bankräuberin war eine elegante Erscheinung. Eiskalt und abgebrüht, so beschrieb sie einst die Presse. Knallhart, wenn es darauf ankam, aber durchaus auch höflich. "Würden Sie bitte alles Geld einpacken?", war einer der berühmten Sätze von Gisela Werler.

Die Banklady - Leben und Film

Überfälle quer durch Norddeutschland

Zwei Jahre lang hielten die legendäre "Banklady" - diesen Namen bekam sie schnell verpasst - und ihr Komplize und Lebensgefährte Hermann W. das Land in Atem. 19 Banken in Norddeutschland raubten sie Mitte der 60er-Jahre aus und erbeuteten rund 400.000 Mark. Die Republik war aufgeschreckt und fasziniert - vor allem von der "femme fatale". Das traditionell geprägte Nachkriegsdeutschland sah den Platz der Frau überwiegend am Herd - und dann so was! Ein ungewohnt hohes Maß an Emanzipation. Die Presse stürzte sich auf die Bankräuberin, stilisierte sie hoch zur erotischen Gangsterin.

Spannender Filmstoff, keine Frage. Und so wird fast fünf Jahrzehnte später die Geschichte von Deutschlands erster Bankräuberin mit großem Staraufgebot über die Leinwand flimmern. Nadeshda Brennicke gibt die Banklady, Charly Hübner ihren Komplizen und Lebensgefährten. Mit von der Partie sind zudem Ken Duken, Heinz Hoenig und viele andere bekannte Gesichter. Derzeit laufen die Dreharbeiten an verschiedenen Schauplätzen in Norddeutschland - unter anderem in Hamburg, Lauenburg, Bremen, Helmstedt und auf der Insel Fehmarn. Auch der NDR ist an der Produktion beteiligt. 2013 soll der Film in die Kinos kommen.

"Eine faszinierende Frau"

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Die Hauptdarsteller Nadeshda Brennicke und Charly Hübner im Hamburger Safari-Club.

Hauptdarstellerin Nadeshda Brennicke gab den Anstoß zum Film, nachdem sie eine NDR Dokumentation über den Fall gesehen hatte. "Ich fand diese Frau großartig, die Geschichte hat mich nicht mehr losgelassen." Für sie sei es faszinierend, dass eine Frau so viele Banken überfallen konnte, und erst so spät gefasst wurde. "Es ist wohl deshalb so gewesen, weil sie nach außen ganz normal und bescheiden weitergelebt hat, nicht aufgefallen ist. Dieses Doppelleben über eine lange Zeit fand ich faszinierend", sagte die Schauspielerin.

"Als Nadeshda Brennicke mir die Geschichte erzählt hat, konnte ich gar nicht glauben, dass das alles wirklich passiert und noch nicht verfilmt ist", sagte Regisseur Christian Alvart auf einer Pressekonferenz am Set im Hamburger Safari-Club. "In Amerika wäre das schon längst geschehen." Auch Darsteller Heinz Hoenig, der im Film den Hauptkommissar Kaminski spielt, hatte die Geschichte gleich gepackt: "Ich habe das Drehbuch in einem durchgelesen, ich konnte gar nicht wieder aufhören. Ich habe mich in die Banklady verknallt."

"Femme fatale" entpuppt sich als einfache Frau

Im Dezember 1967 bei einem Coup in Bad Segeberg flogen Gisela Werler und ihr Komplize schließlich auf. Das Spiel war aus. Und im ganzen Land rieb man sich verwundert die Augen. Denn die berüchtigte "femme fatale" entpuppte sich als unscheinbare Frau aus einer Arbeiterfamilie in Hamburg-Altona. Mit der Beziehung zu dem verschuldeten Taxifahrer Hermann W., der sich damals Peter nannte, änderte sich ihr Leben. "Ich raubte nur aus Liebe", soll sie einst gesagt haben.

Wie viel Realität von dieser spektakulären Lebensgeschichte wird auf der Leinwand landen? "Natürlich entsteht hier ein Kinofilm, der packen und begeistern soll", sagte Christian Alvart. Da brauche es auch Dramaturgie und Fiktion. "Doch die Originalgeschichte ist so unglaublich stark, dass wir sehr nah an dem bleiben, was tatsächlich passiert ist." Die Produktion sei aufwendig, weil es viele Schauplätze aus den 60ern so nicht mehr gebe.

Raubzüge auf dem Kiez begossen

Drehort in Hamburg ist unter anderem der Safari-Club an der Großen Freiheit - als plüschiges Erotik-Etablissement eine perfekte Kulisse für die damalige Zeit. "Nach ihren Coups haben die Bankräuber auf dem Kiez gefeiert", sagte Drehbuchautor Kai Hafemeister. Einen realen Bezug zu dem Club gebe es nicht, aber die Banklady und ihr Lebensgefährte hätten auf St. Pauli oft auf ihre erfolgreichen Raubzüge angestoßen. "Natürlich nicht zu auffällig mit mehreren Flaschen Schampus, sondern dezent mit etwas Schnaps und einer Flasche Sekt."

Doch dann war irgendwann Schluss mit Schnaps und Sekt. Der Prozess gegen die Banklady und ihre Komplizen im Jahr 1968 war ein einziges Medienspektakel. Der Lebensgefährte von Gisela Werler wurde zu knapp 14 Jahren Gefängnis verurteilt, sie selbst zu neuneinhalb. Beide heirateten später in einer Gefängniskapelle. Gisela Werler lebte zuletzt wieder in Hamburg-Altona, ganz bescheiden. Die berühmte Banklady starb im Jahr 2003 als einfache Frau.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 26.03.2014 | 19:30 Uhr

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