Stand: 23.08.2008 11:29 Uhr

Der Stapellauf der "Gorch Fock"

von Vivienne Schumacher, NDR.de
Ein prächtiges Schiff: Schaulustige versammeln sich 1958 zur Taufe der Gorch Fock im Hamburger Hafen.

23. August 1958: Zehntausende Gäste haben sich auf dem Werftgelände von Blohm + Voss versammelt, um das Ereignis im Hamburger Hafen mitzuerleben: den Stapellauf der "Gorch Fock". Unter Sirenengeheul der Schiffe und dem Jubel der Zuschauer rauscht die Dreimastbark der Bundesmarine um 11.16 Uhr ins Wasser, als es heißt "Stoppen los!".

Taufrede auf Plattdeutsch

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Ulli Kinau taufte die "Gorch Fock" auf den Künstlernamen ihre Onkels Johann Kinau.

Zuvor hat die 14-jährige Ulli Kinau das Schiff getauft. Mit den Worten: "Boben dat Leben steiht de Dod, aber boben den Dod steiht wedder dat Leben. Ick döp di op den Naam 'Gorch Fock'!" (Über dem Leben steht der Tod und über dem Tod steht wieder das Leben. Ich taufe dich auf den Namen "Gorch Fock") lässt sie eine Sektflasche am Bug zerschellen. Gorch Fock war der Künstlername ihres berühmten Onkels, Johann Kinau, der insbesondere durch seinen Roman "Seefahrt ist not" bekannt wurde. Kennen gelernt hat Ulli Kinau ihren Onkel allerdings nicht. 1916 ging er mit dem Kreuzer "Wiesbaden" in der Skagerrak-Schlacht unter.

Neben der Nichte Gorch Focks, den Brüdern Rudolf und Walter Blohm und Vizeadmiral Ruge steht auch Rudolf Kinau auf der in den Farben Hamburgs geschmückten Taufkanzel unter dem Bugspriet. Der Vater Ulli Kinaus hält die Taufrede und zeichnet mit plattdeutschen Worten den Lebensweg seines älteren Bruders, dem Seefahrtsdichter Gorch Fock, nach. Unter den Gästen befinden sich auch die Frau Gorch Focks, Rosa-Elisabeth Kinau, sowie seine Enkel.

Weitere Informationen

Die Taufe der "Gorch Fock"

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Die Taufe der "Gorch Fock" 1958 war für Fred Theel ein bewegender Moment. Als Mitglied der ersten Stammbesatzung erinnert er sich noch gut an den Tag. Video

Untergang der "Pamir" überschattet das Fest

Der Stapellauf des ersten Segelschulschiffs der Bundesmarine ist jedoch kein unbeschwertes Fest. Die Gäste erinnern sich an die Katastrophe knapp ein Jahr zuvor, als die "Pamir" - das Segelschulschiff der deutschen Handelsmarine - im Atlantik versank und 80 der 86 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Von dieser Katastrophe handelt auch die Rede des Inspekteurs der Bundesmarine, Vizeadmiral Ruge, der nach der Begrüßung der Gäste durch Walther Blohm das Wort ergreift. Dem kritischen Publikum versucht er darzulegen, dass die heute vom Stapel laufende "Gorch Fock" sicherer sei als die durch 'mangelnde Stabilität' gesunkene "Pamir". Tatsächlich sind die Konstruktionspläne der "Gorch Fock" nach dem "Pamir"-Untergang erneut überarbeitet worden. Noch heute gilt sie als eines der sichersten Segelschulschiffe der Welt.

Die "Gorch Fock" als Friedensbotschafterin

Auch wenn Kaiser Wilhelm II. seine Kriegsschiffe bei Blohm + Voss bauen ließ, und die Kriegsmarine des Dritten Reiches zu den größten Auftraggebern der Hamburger Werft gehörte, erweisen sich die Ängste mancher Deutscher als unbegründet. Die Befürchtung, mit der "Gorch Fock" würde erneut ein Kriegsschiff vom Stapel laufen, bestätigt sich nicht. Als "Botschafterin in Weiß" wird sie nicht als Kriegsschiff, sondern als Friedensbotschafterin wahrgenommen und in Häfen auf der agnzen Welt freudig empfangen.

Porträt

"Gorch Fock" - Schulschiff und Botschafterin

Der "weiße Schwan der Ostsee" läuft 1958 in Hamburg vom Stapel. Seither bereist die Dreimastbark mit Kadetten an Bord als Schulschiff der Bundesmarine die Weltmeere. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 18.08.2013 | 19:30 Uhr

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