Stand: 08.12.2014 16:58 Uhr  | Archiv

"In Gottes Namen drauf" - Der Deutsch-Dänische Krieg 1864

von Carina Werner

Während Hans Christian Andersen befürchtet, dass ganz Dänemark unter deutsche Herrschaft gerät, feiert Theodor Fontane die gewonnenen Schlachten seiner deutschen Landsleute: Am 1. Februar 1864 marschieren preußische und österreichische Truppen in Schleswig ein. Um die staatliche Zugehörigkeit der Region Schleswig-Holstein entbrennt ein Krieg, dessen Spuren bis heute sichtbar sind.

Schleswig-Holstein, der ewige "Zankapfel"

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Die strategisch wichtige Lage zwischen Nord- und Ostsee sorgte immer wieder für Kriege um Schleswig und Holstein.

Die Geschichte von Schleswig-Holstein ist wechselvoll - um nicht zu sagen, kompliziert. Unter anderem ist es die strategisch günstige Lage zwischen Nord- und Ostsee, die diese Region zum ewigen "Zankapfel" macht. 1815 erklärt der Wiener Kongress das Herzogtum Holstein, das auch schon Teil des 1806 beendeten Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation war, zum Glied des neu gegründeten Deutschen Bundes, nicht aber das Herzogtum Holstein. Beide Herzogtümer werden allerdings weiter vom dänischen König in Personalunion regiert, gehören wie schon seit Jahrhunderten zum dänischen Gesamtstaat. Nach 1815 versucht Dänemark, Schleswig wieder enger mit Dänemark zu binden, was eine stärkere Trennung von Holstein bedeutet. Die Gegenseite fordert jedoch die Aufnahme eines vereinten Schleswig-Holsteins in den Deutschen Bund.

Die Fronten verhärten sich, bis 1848 der "Schleswig-Holsteinische Krieg" ausbricht. Zahlreiche Staaten des Deutschen Bundes kämpfen an der Seite der Schleswig-Holsteiner gegen die Dänen. Als sich die Truppen des Deutschen Bundes zurückziehen, gewinnt Dänemark 1851 den Krieg und behält die Hoheit über Schleswig, Holstein und Lauenburg. Jedoch wird Dänemark nach dem Londoner Protokoll von 1852 dazu verpflichtet, die Herzogtümer als selbstständige Staaten innerhalb des Gesamtstaates anzuerkennen. Ausdrücklich wird dort verboten, Schleswig dem Königreich einzuverleiben.

November 1863: Die Lage spitzt sich zu

Doch die Spannungen halten an. Wie soll man auch, insbesondere in Schleswig, allen Parteien gerecht werden: Im Norden siedeln überwiegend Dänen, im Süden Deutsche. Die dänischen "Nationalliberalen" wollen das Herzogtum in den dänischen Nationalstaat integrieren, die Deutschen fordern eine freie Verfassung sowie die Einbindung in ein künftiges Deutsches Reich an der Seite von Holstein, das komplett deutschsprachig ist. Am 18. November 1863 unterzeichnet der dänische König Christian IX. die sogenannte Novemberverfassung, die die Herzogtümer Holstein und Lauenburg aus der Gesamtstaatsverfassung ausschließt, was faktisch einer Verschmelzung des übrig bleibenden Schleswigs mit dem Königreich Dänemark bedeutet, und so mit dem "Londoner Protokoll" bricht.

Preußen kommt das nicht ganz ungelegen: Otto von Bismarck, damals preußischer Ministerpräsident, nutzt die Empörung der Deutschen und gewinnt Österreich als Partner im Konflikt mit Dänemark. Anfang Dezember 1863 sprechen die beiden Großmächte gemeinsam eine "Bundesexekution" gegen Dänemark aus, was rechtlich bedeutet, dass der Deutsche Bund nun gegen Dänemark militärisch vorgehen darf, da es gegen die Regeln des Bundes verstößt. Vom 23. bis 31. Dezember marschieren deutsche Truppen in Lauenburg und Holstein ein und rücken bis zur Eider-Linie auf der Höhe von Kiel vor. Am 16. Januar 1864 stellen Österreich und Preußen Dänemark ein 48-stündiges Ultimatum, die Novemberverfassung aufzuheben, aber Dänemark geht nicht darauf ein.

Am 1. Februar 1864 bricht der Krieg aus

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Die Erstürmung der Düppeler Schanzen durch preußische Truppen am 18. April 1864 gilt als entscheidendes Gefecht.

"In Gottes Namen drauf" - so lautet die Order des Generalfeldmarschalls Friedrich von Wrangel am Abend des 31. Januar. Am 1. Februar überschreiten preußische und österreichische Truppen die Eider, marschieren in Schleswig ein. Sie ziehen in verschiedene Richtungen: Die Preußen sollen die Schlei bei Missunde überschreiten, was zunächst misslingt, die Österreicher sollen auf das "Danewerk" (dänisch: Danevirke) zumarschieren. Diese riesige, mittelalterliche Festung gilt den Dänen bislang als unüberwindbar. Die dänische Armee zieht sich im Danewerk vor den Österreichern zurück. Doch aufgrund von Schnee und Eis müssen die Dänen ihre Stellung aufgeben und nach Düppel weiterziehen - das Danewerk geben sie kampflos auf. Viele Dänen sind schockiert.