Stand: 21.03.2016 16:22 Uhr

Darboven feiert 150. Kaffee-Jubiläum

von Sabine Leipertz

Mit dem richtigen Riecher und einer gehörigen Portion Pioniergeist gründet ein junger Kaufmann Mitte des 19. Jahrhunderts eine Firma, die heute zu den ältesten deutschen Familienunternehmen zählt. Vor 150 Jahren, am 21. März 1866, eröffnet Johann Joachim Darboven in Hamburg seinen Laden, in dem er Milch, Brot, Kolonialwaren und zunächst ungeröstete Kaffeebohnen verkauft.

Albert Darboven.

Senatsempfang für Darboven

Hamburg Journal -

Das Kaffeeunternehmen Darboven feiert 150-jähriges Jubiläum. Bei einem Senatsempfang ihm zu Ehren nahm der heutige Chef Albert Darboven in Hamburg Glückwünsche entgegen.

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Von Amts wegen als "Gewürzhandel" tituliert, revolutioniert Darboven mit seinem Geschäft wenig später den Kaffeehandel. Seine Idee: Haushalte in Hamburg und Umgebung mit geröstetem und in Tüten verpacktem Kaffee per Versand zu beliefern. Außerdem zerschneidet er Zuckerhüte in Würfel und liefert diese direkt mit. Seine Rechnung geht auf. Die hanseatischen Hausfrauen nehmen diesen neuen Service per Post mit Begeisterung auf. Bereits drei Jahre später hat die Firma J.J.Darboven 144 verschiedene Kaffeesorten im Angebot. Ausgestellt 1869 auf der ersten Internationalen Gartenbauausstellung in Hamburg, erhält er für sein umfangreiches Sortiment die silberne Medaille.

Mit "Muckefuck" durch die Kriegsjahre

Nach dem Tod des Firmengründers 1909 leiten seine Söhne Arthur und Cäsar das Unternehmen J.J.Darboven weiter. Der Erste Weltkrieg wird zur Bewährungsprobe für den Erfindergeist der Familie. Rohkaffee ist Mangelware, doch die Kunden sollen nicht auf ihren gewohnten Kaffeegenuss verzichten müssen. Ein Gemisch aus Zichorien, Getreide, Zuckerrübenschnitzeln, Milokorn und gerösteten Feigen wird zur schmackhaften Lösung des Problems. Sprichwörtlich der Name: Muckefuck.

Die Hamburger Kaffee-Könige

Das Geheimnis des Erfolges: Magenfreundlichkeit

Ende der 20er-Jahre beschert eine neue Erfindung J.J.Darboven den endgültigen Durchbruch auf dem Kaffeemarkt. Arthur Darboven und Professor Karl Lendrich vom Hygienischen Institut in Hamburg haben nach unzähligen Versuchen im Labor ein patentreifes Verfahren entwickelt, das den Kaffee magenfreundlich macht, ohne ihm das anregende Koffein zu entziehen. Aus dem bereits 1915 geborenen Markenzeichen "Idee" wird nun der neue "Idee"-Kaffee.

Er entwickelt sich so schnell zum Verkaufsschlager, dass das Unternehmen seine Produktionsstätte vergrößern muss. Auch die Gastronomie wird zu dieser Zeit mit Kaffee beliefert, es gilt als modern, sich auf einen Kaffee zu treffen. Fast jedes zweite Hamburger Lokal serviert Kaffee von Darboven. Es entsteht die Tochterfirma Kaffee Darboven, die ausschließlich für den Gastronomiebereich zuständig ist.

Koff ersetzt "Idee"-Kaffee

Doch der Zweite Weltkrieg stürzt die Firma erneut in eine Krise. In der Nacht des 28. Juli 1943 wird der Stadtteil Hammerbrook nahezu komplett zerstört, die Gebäude auf dem Darboven-Gelände brennen aus. Das Archiv und die gesamte Kundenkartei gehen in Flammen auf. Für die Firma, die für ihren Versand von den Kundendaten abhängig ist, eine Katastrophe. Zudem ist auch während dieser Kriegsjahre der Rohstoff Kaffee kostbar und kaum zu beschaffen.

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Während des Zweiten Weltkrieges ist Kaffee Mangelware.

Die Erfahrungen mit der Kaffee-Ersatzmischung aus dem Ersten Weltkrieg sind nun überlebenswichtig für J.J.Darboven. Aus der Not wird eine Tugend. Mit dem Werbespruch "Solang Idee-Kaffee dir fehlt, nimm' Koff, dann hast du gut gewählt" sollen die Kunden weiterhin an das Unternehmen gebunden werden. Und das funktioniert, der Kafferöster kann sich so durch die Kriegsjahre manövrieren. Nach der Währungsreform 1948 ist der Kaffee-Import wieder möglich und J.J.Darboven liefert die bekannten Sorten.