Stand: 21.03.2013 13:58 Uhr  | Archiv

D wie Dora: Buchstabieren wie die Nazis

von Anne Arend, NDR.de

D wie Dora, S wie Siegfried, N wie Nordpol. Viele buchstabieren so und tragen damit die Sprache der Nazis weiter. Vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten standen in der sogenannten Buchstabiertafel auch Namen wie David und Nathan. Sie wurden 1933 getilgt. Anlass war die Postkarte eines Joh. Schliemann. Am 22. März 1933 schrieb er an das Postamt in Rostock: "In Anbetracht des nationalen Umschwungs in Deutschland halte ich es für nicht mehr angebracht, die in der Buchstabiertabelle des Telefonbuchs aufgeführten jüdischen Namen noch länger beizubehalten."

Die Postkarte, die vor 80 Jahren abgeschickt wurde, hat der Berliner Professor Clemens Schwender im Bundesarchiv gefunden. Er ging der Sache auf den Grund und zeichnete die Korrespondenz, die die Forderung auslöste, nach. "Das ging alles ganz schnell. Sie sehen daran, wie ernst es den Verantwortlichen war zu zeigen, dass sie gute Nazis sind", sagte Schwender gegenüber NDR.de. Auch der Einwand eines Postbeamten, dass die diskutierten jüdischen Namen doch biblisch seien, half nicht. 1934 machten die Nazis einen radikalen Schnitt: D wie David, N wie Nathan, Z wie Zaccharias und weitere jüdische beziehungsweise biblische Namen verschwanden.

Die Veränderung gilt als einer der ersten Schritte, mit denen Nazis alles Jüdische aus dem öffentlichen Leben zurückdrängten.

Nach dem Krieg wurde die bereinigte Buchstabiertafel im Sprachgebrauch weitgehend beibehalten. Und auch wenn es in den Diktierregeln nach DIN 5009 wieder "Samuel" heißt, hat der "Siegfried" in der Praxis vieler Menschen überleben können.