Stand: 25.12.2015 17:39 Uhr

Richard Gruner: Das große G vom G + J -Verlag

von Irene Altenmüller, NDR.de
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Das Führungstrio (von links): Gerd Bucerius, Richard Gruner und John Jahr gründen 1969 einen der größten deutschen Verlage.

Eines der heute größten europäischen Verlagshäuser entsteht an einem schönen Frühsommertag 1965 ganz unspektakulär bei Erdbeerkuchen mit Sahne. Im Schatten eines Apfelbaumes kommen Richard Gruner, John Jahr und Gerd Bucerius im Garten der Familie Jahr an der Hamburger Alsterkrugchaussee zusammen und unterschreiben den Vertrag, mit dem der Verlag Gruner + Jahr gegründet wird. Zwar sind alle drei geschäftsführende Gesellschafter, trotzdem werden nur zwei der Nachnamen in den Verlagstitel übernommen: Man sei sich einig gewesen, dass drei Namen einfach nicht gut geklungen hätten, und so verzichtet Bucerius auf seine Nennung, erinnert sich Jahrs Sohn John 2005 in einem Interview.

Konkurrenz für den Springer-Verlag

Das Vertragswerk soll ein Unternehmen schaffen, das ein Gegengewicht zum dominierenden Axel Spinger-Verlag bildet. Und so entsteht eines der größten Verlagshäuser des Landes mit damals 4.100 Mitarbeitern. Neben der Wochenzeitung "Die Zeit" verlegt Gruner + Jahr vor allem Zeitschriften, darunter "Brigitte", "Schöner Wohnen" und vor allem das mit einer Auflage von fast zwei Millionen höchst erfolgreiche Magazin "Stern".

Die Anfänge: Gruner druckt den "Stern"

Mit dem "Stern" war für Richard Gruner bereits früh auch der eigene unternehmerische Erfolg verbunden: Schon seit 1948 lässt der Publizist und Verleger Henri Nannen sein Magazin von Gruner drucken. Richard Gruner, der am 25. Dezember 1925 in Hamburg geboren wurde, hatte schon im Alter von 21 Jahren die Druckerei seines Vaters in Itzehoe übernommen, der 1946 bei einem Unfall gestorben war.

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Die Druckerei seines Vaters mit sieben Mitarbeitern baut Gruner ab 1946 zu einem der größten Druckhäuser des Landes aus.

1950 übernimmt Richard Gruner einen Anteil von 12,5-Prozent an Nannens Verlag. Dabei wird der Publizist und "Zeit"-Gründer Gerd Bucerius, der weitere Anteile kauft, sein Geschäftspartner, Henri Nannen bleibt Chefredakteur des Magazins. Später kommt auch John Jahr, der mit dem Magazin "Constanze" die erste Frauenzeitschrift der jungen Bundesrepublik und mit "Schöner Wohnen" eine weitere beliebte Publikumszeitschrift auf den Markt bringt, als Kunde hinzu. Konsequent baut Gruner sein Unternehmen in den Folgejahren zu einem der führenden deutschen Druckhäuser aus.

Auseinandersetzungen mit Rudolf Augstein

1961 steigt Gruner als Gesellschafter mit einem 25-Prozent-Anteil beim Spiegel-Verlag ein und wird Geschäftsführer. Nach der Gründung des Gruner + Jahr-Verlags 1965 will ihn Spiegel-Chef Rudolf Augstein von diesem Posten abberufen lassen - er befürchtet, dass die Interessen beider Verlage kollidieren. Die Sache landet vor Gericht, schließlich verkauft Gruner im Februar 1969 seine Spiegel-Anteile für 42 Millionen D-Mark an Augstein.

Zugleich hadert Gruner sowohl mit der strategischen als auch politischen Ausrichtung des eigenen Verlagshauses. So ist er gegen den Kauf des Münchner Verlags Kindler & Schiermeyer, kann sich aber mit seiner Ansicht nicht durchsetzen. Zudem sind dem Unternehmer manche Magazine des eigenen Hauses zu links. So sei etwa der "Stern" auf bestem Wege, "die erste westdeutsche Redaktionskommune zu werden", schimpft er 1969. Innerhalb des Führungstrios Gruner - Jahr - Bucerius kriselt es.

Ausstieg aus dem eigenen Verlag

Auch die politischen Entwicklungen in der Bundesrepublik wie die 68er-Bewegung und die neue sozial-liberale Regierung unter Willy Brandt bereiten ihm tiefes Unbehagen. Gruner zieht für sich die Konsequenz: Wenige Wochen nach dem Verkauf seiner "Spiegel"-Anteile verkauft Gruner auch seine G + J-Anteile für geschätzt rund 180 Millionen D-Mark. Sie werden von dem Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann übernommen. Damit ist der Einstieg Bertelsmanns bei Gruner + Jahr besiegelt. 1973 wir auch Bucerius seine Verlagsanteile an den Güterloher Konzern verkaufen.

Rückzug nach Liechtenstein

2006 ist Gruner noch einmal in Hamburg, als dort der Henri-Nannen-Preis verliehen wird.

Nicht nur beruflich, sondern auch privat zieht sich Gruner aus der Bundesrepublik zurück. Nachdem er bereits 1968 seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegt hat, zieht er 1969 mit seiner Ehefrau Flora Freiin von Langen, die er 1959 geheiratet hat, nach Liechtenstein. Mehrfach versucht er außerdem, seinen Namen aus dem Verlagstitel zu tilgen. Von Liechtenstein aus betätigt er sich fortan als Investor - und zeigt erneut einen guten Sinn für lukrative Geschäfte. So kauft sich Gruner, der selbst begeisterter Hobby-Pilot ist, in den 70er-Jahren bei einer US-Fluggesellschaft ein. Sein bereits beträchtliches Vermögen mehrt sich weiter, im Jahr 2002 wird es auf rund eine Milliarde D-Mark geschätzt.

In den Medien wird über den Mann, der bis zu seinem Tod zu den reichsten Bürgern Liechtensteins und der Schweiz zählt, kaum noch etwas bekannt. Nach Hamburg kehrt er 2006 einmal zurück - zur Verleihung des Henri-Nannen-Preises. Richard Gruner, geboren am 25. Dezember 1925, stirbt am 15. Januar 2010 im Alter von 84 Jahren in Liechtenstein. Sein Name aber bleibt weiter präsent: als das große G im Verlag Gruner + Jahr.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 05.07.2015 | 19:30 Uhr

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