Stand: 21.05.2012 12:29 Uhr

Als der "Imperator" den Atlantik eroberte

von Marc-Oliver Rehrmann
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Der "Imperator" läuft 1913 erstmals aus dem Hamburger Hafen aus.

Schon der Name des Ozeanriesens ist ungewöhnlich. Eigentlich ist es üblich, für Schiffe weibliche Namen zu wählen. Aber Kaiser Wilhelm II. zieht einen männlichen Artikel vor: So läuft am 23. Mai 1912 das neue Flaggschiff der Hamburg-Amerika-Linie, der "Imperator", vom Stapel - und der Kaiser klatscht mit seinem Gefolge begeistert Beifall, als der Riesendampfer im Elbwasser aufschwimmt. Wilhelm II. ist es auch, der das Passagierschiff kurz zuvor bei Nieselregen im Hamburger Hafen taufte. Der feierliche Akt erfolgte nur wenige Wochen, nachdem in der Nacht zum 15. April 1912 die "Titanic" auf ihrer Jungfernfahrt gesunken war.

Mehr Passagiere als die "Titanic"

Der "Imperator" ist zur damaligen Zeit das größte Schiff der Welt - mit 268 Metern Länge und 30 Metern Breite. Tausende Arbeiter auf der Vulkan-Werft im Hamburger Hafen haben den Dampfer erbaut. Nach der Taufe geht es zunächst an den weiteren Ausbau. Im April 1913 ist der "Imperator" schließlich fertiggestellt. Die Baukosten betragen 40 Millionen Mark. Rund 4.000 Passagiere können an Bord gehen. Zum Vergleich: Die "Titanic" bot nur Platz für 2.400 Passagiere, die heutige "Queen Mary 2" kann 3.090 Reisende beherbergen.

Immer wieder nach New York

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Albert Ballin will mit luxuriöser Ausstattung Passagiere für die Atlantik-Überfahrt gewinnen.

Der Vater des kühnen Schiffbaus heißt Albert Ballin (1857-1918), Generaldirektor der Hamburg-Amerikanische-Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (kurz: HAPAG). Der "Imperator" ist das erste Schiff einer neuen Schnelldampfer-Flotte, mit der eine wöchentliche Abfahrt von Europa nach Amerika garantiert werden soll. Die beiden anderen Schiffe der "Imperator-Klasse" sind die "Vaterland" (Stapellauf: 1913) und die "Bismarck" (Stapellauf: 1914). Die beiden jüngeren Dampfer werden bei der Hamburger Werft Blohm + Voss gebaut. Die Größe der drei Schiffe wird erst 1935 von dem französischen Dampfer "Normandie" übertroffen.

Marmor-Schwimmbad im Pompejischen Stil

Der "Imperator" ist nicht in erster Linie als schnelles Schiff gedacht. Ballin überlässt die Geschwindigkeits-Rekorde anderen, er setzt lieber auf Komfort. Die höchsten Ansprüche sollen erfüllt werden. Für die Passagiere gleicht die Atlantik-Überfahrt dem Aufenthalt in einem Grand-Hotel. 1.200 Mann Besatzung kümmern sich um ihr Wohlergehen. Für den kulinarischen Genuss ist das Ritz-Carlton zuständig.

So sah es auf dem "Imperator" aus

Die geschickte Anordnung der großen Schiffssäle - Restaurant, Wintergarten und Festsaal - auf einer Ebene vermittelt ein bis dato einmaliges Raumgefühl auf einem Schiff. Auch das Marmor-Hallenbad im Pompejischen Stil, das über drei Decks reicht, ist ein Novum. 908 Passagiere können die Überfahrt in der 1. Klasse verbringen. Die Bordzeitung erscheint täglich in zwei Sprachen.

Gefühle wie auf dem Eiffelturm

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Viele Zeitgenossen zeigen sich begeistert vom "Imperator".

Im Juni 1913 läuft der "Imperator" von Cuxhaven zur Jungfernfahrt nach New York aus. Einer der ersten Passagiere ist der Journalist Alfred Kerr: "Als ich das Riesendeck entlangsah, überkam mich ein Gefühl frohlockender Bewunderung, das ich im hohen Gestänge des Eiffelturms gespürt hatte. Ein Glück über technischen Mut." Der "Imperator" sei das "entwickelste Schiff der Erde, weil es nicht allein das Notwendige, sondern das Überschüssige gibt", lobt Kerr. Damals ahnt wohl niemand, welch wechselhafte Geschichte das Schiff vor sich hat.

Dann kam der Weltkrieg

Der "Imperator" fährt nur ein Jahr lang die Nordatlantik-Route, dann bricht der Erste Weltkrieg aus. Seine letzte Reise unter der HAPAG-Flagge unternimmt der "Imperator" im Juli 1914. Der Kriegsausbruchs führt zu einer Zwangspause. Mehr als vier Jahre lang liegt das Schiff im Hamburger Hafen fest. Nach Kriegsende nutzt zunächst die US-Armee den Dampfer, um insgesamt 25.000 US-Soldaten von Frankreich zurück nach Amerika zu bringen.

Neue Besitzer, neuer Name

Am 27. April 1919 verlässt der "Imperator" zum letzten Mal den Hamburger Hafen. Ein Augenzeuge schreibt damals: "Fröhliche Weisen waren bei der ersten Triumpffahrt über den Ozean erklungen, nunmehr klang der Ton der Dampfpfeifen wie ein schmerzlicher Abschiedsgruß über die Stadt, die das Schiff niemals wiedersehen sollte." 1921 wird der "Imperator" im Rahmen der Reparationszahlungen an die britische Cunard-Reederei übergeben. Mehr als 20 Jahre lang fährt der Dampfer unter seinem neuen Namen "Berengaria" über den Atlantik. Viele Millionäre, Filmstars, große Künstler, aber auch Zigtausende "einfache Leute" erleben eine der Überfahrten. Auch Kreuzfahrten in die Karibik werden später angeboten.

Ende 1938 bricht die "Berengaria" zu ihrer letzten Fahrt in den britischen Hafen von Jarrow auf. Dort beginnt die Verschrottung. Aber infolge der Kriegswirren ist das legendäre Schiff erst 1946 komplett abgewrackt.

Stichwort Imperator-Klasse

Der "Imperator" war das erste Schiff einer neuen Schnelldampfer-Flotte, mit der eine wöchentliche Abfahrt von Europa nach Amerika garantiert werden sollte. Die beiden anderen Schiffe der "Imperator-Klasse" waren die "Vaterland" (Stapellauf: 1913) und die "Bismarck" (Stapellauf: 1914). Auftraggeber war Hapag-Chef Albert Ballin. Die drei Schiffe wurden deshalb auch als Ballins "dicke Dampfer" bezeichnet.

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