Stand: 04.05.2012 13:00 Uhr  | Archiv

1842: Der "Große Brand" wütet in Hamburg

5. Mai 1842: Gegen ein Uhr nachts bemerkt ein Nachtwächter, dass in der Hamburger Deichstraße 44 in einem Speicher ein Feuer ausgebrochen ist. Rasch ist die Feuerwehr alarmiert, doch die Flammen greifen rasend schnell um sich. In vielen der umliegenden Speicher lagern leicht entzündliche Waren. Es ist seit Wochen sehr trocken, und so brennt das Holz der Fachwerkhäuser wie Zunder. Zu allem Unglück heizt ein frischer Wind die Flammen weiter an und in den tideabhängigen Fleeten, aus denen die Feuerwehr ihr Löschwasser pumpt, befindet sich gerade nur wenig Wasser.

Der große Brand von Hamburg 1842 mit Blick vom Grimm auf das Rathaus und die alte Börse. Lithografie von Peter Suhr (1788-1857). © picture-alliance / akg-images

Der Kampf gegen die Flammen

Hamburg Journal -

Wie kämpften die Feuerwehrleute 1842 gegen den Brand? Wie sah ihre Ausrüstung aus? Heutige Feuerwehrleute berichten.

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Flammen zerstören das Nikolaiviertel

So breitet sich das Feuer in der eng bebauten Altstadt schnell aus. Am Morgen steht bereits ein großer Teil des Nikolaiviertels in Flammen, am Abend ist die Nikolaikirche verloren. Um den Brand zu stoppen, will die Feuerwehr Schneisen in das Häusergewirr schlagen, doch der Senat lehnt die Sprengungen zunächst ab. So wandert das Feuer am 6. Mai weiter, erreicht das alte Rathaus an der Trostbrücke. Jetzt stimmt der Senat doch zu und lässt das Rathaus sprengen, um eine Schneise zu legen. Doch die Aktion kann den Brand nicht aufhalten.

Zehn Männer retten die Börse

Schon droht das Feuer, die neue Börse zu erfassen. Sie ist erst wenige Monate zuvor feierlich eingeweiht worden und der ganze Stolz der Hamburger Kaufleute. Viele Menschen haben sich vor den Flammen in das Gebäude geflüchtet, weil es aus Stein gebaut und von einem weiten Platz umgeben ist. Doch das flache Kupferdach droht durch die Hitze und die umherfliegende Glut zu schmelzen, durch die Öffnungen im Dach fällt Glutasche in das Innere. Der zuständige Leutnant der Bürgergarde will das Gebäude räumen lassen, ehe die Flammen es gänzlich einschließen.

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Das neue Börsengebäude ist erst wenige Monate alt, als der Große Brand es zu zerstören drohte.

Doch der Hamburger Kaufmann Theodor Dill will die Börse nicht kampflos den Flammen überlassen: Er und neun weitere Freiwillige bringen alles Brennbare nach draußen und löschen mit dem wenigen Wasser, das sie noch finden, tröpfchenweise die Brandherde. Zeitweise ist der Bau von allen Seiten vom Feuer umschlossen. Nach 24 Stunden hissen die Männer eine weiße Fahne und läuten die Börsenglocke: das Gebäude ist gerettet.

Vier Tage wüten die Flammen

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Lodernde Flammen: So wird der Große Brand auf einem kleinen Bild in der St. Johannis Kirche in Curslack dargestellt.

Die mutige Aktion bleibt zunächst weitgehend unbemerkt. Noch immer breitet sich das Feuer aus. Am 7. Mai fällt die Petrikirche trotz verzweifelter Rettungsversuche den Flammen zum Opfer. Erst Binnenalster und Glockengießerwall bieten als natürliche Barrieren dem Feuer Einhalt. Heute markiert die Straße mit dem Namen Brandsende diese Stelle. Am Morgen des 8. Mai wird an der Straße Kurze Mühren das letzte brennende Haus gelöscht. Vier Tage lang haben die Flammen in der Hansestadt gewütet.

Zehn Prozent der Hamburger werden obdachlos

Der Brand ist bis heute eine der großen Katastrophen in der Geschichte Hamburgs. Insgesamt sterben mehr als 51 Menschen in den Flammen, fast 20.000 werden obdachlos - das enstpricht zehn Prozent der damaligen Bevölkerung. Ein Viertel der Stadt ist niedergebrannt. Mehr als 4.000 Wohnungen und Speicher sind zerstört, außerdem drei Kirchen, das Rathaus und das Stadtarchiv.

Eine neue Innenstadt entsteht

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Die spätklassizistischen Alsterarkaden ersetzen niedergebrannte Gebäude an der Kleinen Alster und prägen bis heute das Stadtbild.

Die Hamburger machen aus der Not eine Tugend und beauftragen die Architekten und Ingenieure William Lindley, Alexis de Chateauneuf und Gottfried Semper, das Zentrum der Stadt neu aufzubauen. Die Planer lassen Straßen begradigen und schaffen neue architektonische Attraktionen wie die Alsterarkaden und die spätklassizistischen Bauten an der Kleinen Alster und der Binnenalster. So prägen sie das heutige Stadtbild entscheidend mit.

Die Deichstraße - Relikt des "alten" Hamburgs

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Die Deichstraße überstand nicht nur den Großen Brand, sondern auch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs und diverse Abrisspläne.

In der Deichstraße - dort, wo das Feuer 1842 ausbrach - befinden sich heute die einzigen Häuser des "alten" Hamburgs. Da der Brand am nördlichen Ende der Straße begann, blieben die südlich gelegenen Häuser von den Flammen veschont. Heute sind die schönen alten Fachwerkhäuser aus dem frühen 18. Jahrhundert liebevoll restauriert. An einem der Häuser hängt eine Gedenktafel: Sie erinnert an die Heldentat Thomas Dills, dem Retter der Börse, der in der Deichstraße sein Kontor und seine Privatwohnung hatte.

Karte: Der Brand von Hamburg 1842