Stand: 16.06.2017 15:45 Uhr

17. Juni 1953: Aufstand gegen das DDR-Regime

Anfang der 1950er-Jahre erlebt die Bundesrepublik ein Wirtschaftswunder, der Wohlstand in der Bevölkerung wächst. In der DDR dagegen ist vier Jahre nach ihrer Gründung die wirtschaftliche Lage schlecht. Es droht eine Versorgungskatastrophe. Um diese abzuwenden, beschließt das SED-Regime am 28. Mai 1953, die Arbeitsnormen um 10,3 Prozent zu erhöhen. Für die Arbeiter bedeutet das: mehr Arbeit bei gleichem Lohn. Am 16. Juni kommt es in Berlin zu ersten Protesten. Rund 10.000 Menschen fordern die Regierung auf, die Normenerhöhung zurückzunehmen und rufen zum Generalstreik am nächsten Tag auf.

17. Juni 1953: Aufstand gegen das DDR-Regime

Ein Volk steht auf gegen seine Führung

Am 17. Juni bricht ein Volksaufstand aus, der die gesamte DDR ergreift. Ohne zentrale Koordination versammeln sich in 701 Städten und Gemeinden der DDR über eine Million Menschen, zahlreiche Betriebe werden bestreikt. Die Forderungen der Demonstranten gehen bald weit über die Zurücknahme der Arbeitsnormen hinaus: Sie verlangen unter anderem freie Wahlen, den Rücktritt der SED-Regierung, den Abzug der Sowjet-Truppen und die Wiedervereinigung. In Berlin und anderen Städten, vor allem im industriellen Süden der DDR, kommt es zu schweren Auseinandersetzungen: Aufgebrachte Menschenmengen stürmen Parteihäuser, Stadtverwaltungen und Gefängnisse. SED-Chef Walter Ulbricht und DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl fliehen in das Hauptquartier der Sowjets nach Berlin-Karlshorst.

Proteste auch im Nordosten der DDR

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Proteste auch in Mecklenburg: In Warnemünde fordern Arbeiter der Warnow-Werft freie Wahlen.

Auch im Nordosten streiken die Arbeiter. In Wismar sind es rund 1.400 Menschen, in Stralsund am 18. Juni mehr als 2.000. Auf der Warnow-Werft in Warnemünde versammeln sich die Arbeiter und fordern neben der Rücknahme der Arbeitsnormen freie Wahlen und die deutsche Einheit. Ein Polizeibericht vom 18. Juni 1953 belegt, dass auch in Rostock fast alle Arbeiter die Arbeit niederlegen. Darin heißt es: "Um 1.55 Uhr arbeiteten nur noch zwei Prozent der Belegschaft."

Regime und Sowjetunion gehen mit Gewalt gegen Aufständische vor

SED-Führung und sowjetische Besatzungsmacht schlagen mit aller Härte gegen die Aufständischen zurück. Gegen 13 Uhr verhängen die Sowjets in Berlin und weiten Teilen des Landes das Kriegsrecht. Panzer rollen auf, der Aufstand wird blutig niedergeschlagen. Etwa 120 Menschen sterben, allein 18 Demonstranten werden standrechtlich erschossen. Mehrere Hundert Menschen werden verletzt, rund 6.000 verhaftet. Bis Januar 1954 ergehen allein durch DDR-Gerichte 1.524 Zuchthausurteile und zwei Todesstrafen. Die Zahl der Urteile durch das sowjetische Militärtribunal ist noch höher. Genaue Zahlen sind bis heute nicht bekannt.

Ein Demonstrant schlägt am 17. Juni 1953 in Ostberlin mit einem Knüppel auf einen sowjetischen Panzer ein. © picture-alliance / akg-images

Der 17. Juni 1953 in Ost-Berlin

Ursprünglich forderte man die Rücknahme der Arbeitsnormerhöhung, später freie Wahlen. Am Ende wurden am Potsdamer Platz Sowjetpanzer eingesetzt. Es gab Verletzte und Tote.

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17. Juni wird zum "Tag der deutschen Einheit"

Während die DDR-Führung den Volksaufstand vom 17. Juni zu einem "kontrarevolutionären Putsch" umdeutet, wird er in der westlichen Welt zum Symbol für den Freiheitswillen der DDR-Bevölkerung. Schon wenige Tage nach dem Aufstand wird er in der Bundesrepublik zum Gedenktag erklärt und ab 1954 als "Tag der deutschen Einheit" bis zur Wiedervereinigung 1990 als gesetzlicher Feiertag begangen.

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Der Volksaufstand in der DDR

NDR Info

Am 17. Juni 1953 demonstrierten DDR-Bürger gegen höhere Arbeitsnormen, aber auch für politische Freiheit. Audio (14:37 min)

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 17.06.2015 | 19:30 Uhr

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