Stand: 22.07.2008 09:00 Uhr  | Archiv

Chronologie: Die "Aktion Feuerzauber"

von Michael Lange

Die Vorgeschichte

18. Juni 1976: Klaus-Dieter Loudil dient sich selbst dem Verfassungsschutz als Verbindungsmann an. Der Maschinenschlosser hatte 1972 mit einem gestohlenen Panzer ein Auto überrollt, dessen zwei Insassen starben. Das Urteil lautete auf zehn Jahre Gefängnis.

5. März 1977: Manfred Berger wird als V-Mann verpflichtet. Er saß ebenfalls eine Haftstrafe von zehn Jahren ab, nachdem er 1969 einem Polizisten in den Rücken geschossen hatte.

22. September 1977: Berger wird aus der Haft entlassen, nachdem er zwei Drittel der Zeit abgesessen hat.

8. Dezember 1977: Niedersächsische Verfassungsschützer diskutieren mit Beamten des Bundeskriminalamts die weitere Verwendung der Verbindungspersonen Berger und Loudil.

8. Februar 1978: Bei einer Polizeikontrolle in Salzgitter stellen Beamte einen gestohlenen Mercedes sicher, in dem sie neben Munition auch einen gefälschten Ausweis mit einem Foto von Sigurd Debus finden. Der Fahrer, ein Verfassungsschutzbeamter, flüchtet unerkannt zu Fuß.

21. April 1978: Thema einer Besprechung der niedersächsischen Landesvertretung in Bonn ist die vorzeitige Entlassung Loudils. Er könne sich als V-Mann Zugang zur Terroristen-Szene verschaffen. Weitere Gespräche erfolgen in der Staatskanzlei in Wiesbaden.

16. Mai 1978: In Celle tritt Loudil einen Hafturlaub an, kehrt aber nicht zurück.

23. Mai 1978: Da Loudil ursprünglich in Hessen verurteilt wurde, begnadigt ihn der hessische Ministerpräsident Holger Börner.

14. Juni 1978: Die GSG 9 erhält Kenntnis vom bevorstehenden Einsatz.

16. Juni 1978: Ministerpräsident Ernst Albrecht gibt grünes Licht.

19. Juni 1978: Aus dem Bundesinnenministerium kommt die Genehmigung für die Beteiligung der GSG 9 bei der Aktion.

18. Juli 1978: Letzte Besprechungen finden in der Staatskanzlei Hannover statt unter Teilnahme von Ernst Albrecht sowie seiner Minister für Inneres, Egbert Möcklinghoff, und Justiz, Hans-Dieter Schwind. Das Landeskriminalamt wird ebenfalls unterrichtet.

20. Juli 1978: Paul Kühling, der Leiter der Justizvollzugsanstalt Celle, folgt einer Einladung ins Privathaus von Justizminister Hans-Dieter Schwind nach Isernhagen. Der bereitet ihn auf die "Aktion Feuerzauber" vor: "Da kommt etwas auf Sie zu, was Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden."

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