Stand: 06.01.2016 08:42 Uhr

Wer waren die Heiligen Drei Könige?

von Daniel Kaiser
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Caspar, Balthasar und Melchior heißen die Heiligen Drei Könige. In der Bibel steht davon jedoch nichts.

Der 6. Januar erinnert an die Heiligen Drei Könige. Es sind die Männer, die laut Bibel dem Jesuskind Geschenke brachten. Aber wie blaublütig waren sie wirklich?

Das könnte manchem Sternsinger einen Zacken aus der Krone brechen: Von Königen steht in der Bibel nämlich nichts. Das Matthäus-Evangelium nennt die Männer, die dem Stern in Richtung Bethlehem folgen, "Magier" aus dem Osten, nach dem griechischen Wort "magoi". Der Evangelist hatte dabei aber weniger Siegfried und Roy mit einer Kamelnummer vor Augen als die umfassend gebildete und intellektuelle Oberschicht der damaligen Zeit, für die die Beobachtung der Sterne eine Art wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Welt bedeutete. Martin Luthers Übersetzung "Weise" trifft es also ganz gut. Die ausländische Elite kommt zum Jesuskind - das sollte die Botschaft sein.

Drei Geschenke – aber wie viele Weise?

Dass es drei an der Zahl gewesen sein sollen, sei auch nur eine Hypothese, erklärt der Hamburger Hauptpastor an St. Michaelis, Alexander Röder. "Die Männer bringen mit Gold, Weihrauch und Myrrhe zwar drei Geschenke - aber auch fünf Leute können drei Geschenke bringen." Auf ganz alten Wandmalereien sind zwei, auf anderen vier Männer zu sehen. Erst im Mittelalter sind die Weisen plötzlich drei Könige. Sie heißen Caspar, Melchior und Balthasar, und einer hat eine dunkle Hautfarbe.

Vom König zum Kasper

Ob es sie wirklich gegeben hat, ist unklar. Das Matthäus-Evangelium zitiert häufig alte Prophezeiungen aus der hebräischen Bibel und nutzt sie als Beleg dafür, dass Jesus wirklich der Messias ist. Die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland wirkt wie eine Collage mehrerer Voraussagen. Dennoch wurde das jetzt blaublütige Trio zu den Stars bei den Krippenspielen im Mittelalter. Vor allem der dunkelhäutige Caspar war beliebt und überlebt bis heute als Kasperle im Puppentheater.

Königsknochen als Kriegsbeute

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Die Gebeine der Könige liegen im Dreikönigsschrein im Kölner Dom.

Wer die "Könige" heute besuchen will, muss gar nicht so weit fahren. Nach katholischer Überlieferung liegen ihre Gebeine in einem goldenen Schrein im Kölner Dom, erklärt der Kölner Kunsthistoriker Rolf Lauer. "Es gibt an der Vorderseite eine Goldschmiedeplatte. Dahinter liegen die Schädel der Heiligen Drei Könige. Diese Platte wird immer am 6. Januar abgenommen. Dann können die Leute vorbeigehen und einen Blick auf die Schädel der Heiligen Drei Könige werfen."

Die Knochen gehörten zu den wertvollsten Reliquien des Mittelalters. Sie lagen zunächst im Mailänder Dom. Als Kaiser Friedrich Barbarossa 1162 die Stadt eroberte, schenkte er seinem Verbündeten Rainald von Dassel, dem Erzbischof von Köln, diesen Schatz als Kriegsbeute.

Anonym aber alt

"Ein Bonner Anatom hat die Knochen 1864 untersucht und festgestellt, dass es Knochen von drei verschiedenaltrigen Männern sind", erklärt Lauer.  Das heißt erst mal gar nichts. Aber bei den Knochen lag auch ein syrischer Stoff-Fetzen aus dem 2. Jahrhundert. "Das heißt, dass diese Gebeine relativ früh als Reliquien verehrt worden sind, und damit handelt es sich um fast die frühesten nachweisbaren Reliquien des Christentums."

Kleine Könige mit Kreidebotschaft

Könige oder nicht: Die Legende inspiriert jedes Jahr Tausende Kinder, sich zu verkleiden und auf den Spuren der Männer singend von Haus zu Haus zu ziehen und Geld für gute Zwecke zu sammeln. Mit Kreide kritzeln sie die aktuelle Jahreszahl und die Initialen der Könige an die Türen: 20+C+M+B+16. Das steht für "Christus mansionem benedicat" - "Christus segne dieses Haus".

Der vielerorts folkloristische Gedenktag der Könige überdeckt heute eines der ältesten Feste der Christenheit: Epiphanias - der Tag der Erscheinung des Herrn. Dahinter verbirgt sich das archaische Weihnachtsfest der ersten Christen, das noch ohne Krippenromantik auskommt und eher die Lichtmetaphorik aufnimmt. Die ersten Christen hatten diesen Feiertag mit dem Datum möglicherweise von anderen Religionen oder dem Kaiserkult übernommen und umgedeutet.  Der 25. Dezember wurde erst im Römischen Reich zum christlichen Weihnachtsfeiertag, als die Kirche das populäre Fest des unbesiegten Sonnengottes ("Sol invictus") samt Symbolik übernahm.

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Heutzutage liegen die ersten abgeschmückten Weihnachtsbäume bereits vor Silvester an den Straßen.
Schonfrist für Weihnachtsbäume

Auch im Norden war der 6. Januar noch lange ein wichtiger Feiertag. "Zu meiner Kindheit fing die Schule nach den Winterferien nie vor dem 6. Januar an", erinnert sich Hauptpastor Röder. "Es lag auch nie ein abgeschmückter Weihnachtsbaum an der Straße. Die Leute wussten sehr wohl: Weihnachten dauert mindestens bis zum 6. Januar."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 06.01.2016 | 19:00 Uhr