Stand: 19.10.2017 11:11 Uhr

Salomon Heine: Der Mann, der Hamburg rettete

von Daniel Kaiser

Nach dem großen Brand von 1842 sicherte Salomon Heine die Zukunft Hamburgs. Heine war damals der reichste Mann der Hansestadt - ein großer Stifter und Mäzen. Auch seinen Neffen, den Dichter Heinrich Heine, finanzierte er. Vor jetzt 250 Jahren wurde Salomon Heine geboren - einer der wichtigsten Männer der Hamburger Stadtgeschichte.

Salomon Heine - Hamburgs Mäzen und Wohltäter

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Sie nannten ihn den "Rothschild von Hamburg". So unfassbar reich war er. Als junger Mann kam Salomon Heine noch völlig mittellos aus Hannover. "Das war auch ein Teil seiner Lebensgeschichte, die er gern erzählte. Vom Tellerwäscher zum Millionär - das musste sich später jeder Essensgast bei ihm anhören. Dass er aber einen soliden Familien-Background von erfolgreichen Kaufleuten hatte, das hat er lieber nicht erzählt", verrät Susanne Wiborg.

Wiborg hat über Salomon Heine geforscht und ein Buch geschrieben. Sie beschreibt seinen beispiellosen Aufstieg. In der Franzosenzeit, als Napoleon mit der Kontinentalsperre versuchte, England zu isolieren, machte er sein Vermögen.

"Nichts ist verloren, solange wir die Elbe noch haben"

Heine wurde zum Wohltäter und Stifter. Er baute auch das Israelitische Krankenhaus auf St. Pauli, in dem heute das Ortsamt sitzt. Heine gab mit vollen Händen. "Es hat niemals in der Geschichte Hamburgs - nicht vorher und nicht hinterher - ein einzelner Mann mehr für diese Stadt getan", sagt Wiborg.

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04:07

Der "Große Brand" 1842 in Hamburg

07.05.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Zwischen dem 5. und 8. Mai 1842 verwüstete der "Große Brand" mehr als ein Viertel des damaligen Stadtgebietes. Zahlreiche Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben. Video (04:07 min)

Salomon Heines große Stunde schlug nach dem Brand 1842. Die halbe Stadt lag in Schutt und Asche. Der Senat war in Panik untergetaucht. Chaos auch an der Börse. Die Kaufmannschaft wollte gerade um Zahlungsaufschub bitten. Das wäre das geschäftliche Todesurteil gewesen. "Und da ist Salomon Heine dann - klein, dick und 75 Jahre alt - auf eine Bank gestiegen, hat ganz laut gesagt, sein Haus, das die größte Bank Hamburgs war, biete Geld zu unveränderten Konditionen. In dem Moment war die Krise vom Tisch. Und dann hat er noch gerufen: 'Was ist denn verloren? Ist die Elbe abgebrannt? Es ist doch nichts verloren, solange wir die Elbe noch haben'", erzählt Wiborg.

Zinsfreies Darlehen für den Wiederaufbau

Heine pumpte eine halbe Million in die Stadtkasse. Ohne Sicherheit und zinsfrei, für den Wiederaufbau. Dass Hamburg diese Krise überlebt habe, sei der Verdienst von Salomon Heine gewesen, ist sich Susanne Wiborg sicher.

Und wie haben es ihm die Hamburger gedankt? Als Jude durfte Heine nicht einmal ein Haus in der Stadt kaufen. Von einem Bürgerrecht war keine Rede - ganz zu schweigen von einer Ehrenbürgerwürde. Die große Anerkennung habe es erst nach seinem Tod gegeben, sagt Wiborg: "Dann haben sich alle in allen Straßen, als der Sarg nach Ottensen getragen wurde, Juden wie Christen zu Tausenden dem Zug angeschlossen und haben ihn zu Fuß zum Friedhof gebracht - eine Demonstration, die es sonst in Hamburgs Stadtgeschichte nie gegeben hat."

Heinrich Heine: Soll der Alte doch zahlen!

Auch der große Dichter Heinrich Heine wäre ohne seinen reichen Onkel wahrscheinlich untergegangen. Salomon finanzierte Heinrich und gab ihm immer wieder neue Jobs, erzählt Susanne Wiborg: "Er hat ihm sogar eine Tuchhandlung in bester City-Lage eingerichtet. Nur hatte Heinrich überhaupt keine Lust. Der sah sich als europäischer Dichter und nicht als Hamburger Krämer. Als er pleiteging, weil er nur am Jungfernstieg Kuchen aß, hat Salomon ihn nicht rausgeschmissen, sondern er hat ihm ein Jurastudium finanziert. Was Heinrich als völlig selbstverständlich ansah. Er hat immer gesagt: 'Ich bin der große Dichter, soll der Alte doch zahlen!'"

  • Buchtipps: Zum Leben und Wirken von Salomon Heine

    Beate Borowka-Clausberg (Hrsg.)
    Salomon Heine in Hamburg - Geschäft und Gemeinsinn
    Wallstein Verlag
    254 Seiten
    19,90 €
    ISBN: 978-3-8353-1199-2

  • Buchtipps: Zum Leben und Wirken von Salomon Heine

    Susanne und Jan Peter Wiborg
    Hamburger Köpfe: Salomon Heine
    Herausgegeben von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
    Ellert & Richter Verlag
    184 Seiten
    14,90 €
    ISBN: 978-3-8319-0466-2

  • Buchtipps: Zum Leben und Wirken von Salomon Heine

    Sylvia Steckmest
    Salomon Heine - Bankier, Mäzen und Menschenfreund
    CEP Europäische Verlagsanstalt / Die Hanse
    343 Seiten
    28,00 €
    ISBN: 978-3-86393-077-6

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Ausschnitt eines Bildnisses von Salomon Heine, Ölgemälde eines unbekannten Künstlers um 1835 im Hamburger Rathaus. © Heine-Haus e.V. Fotograf: Irrgang / Walford

Salomon Heine - der "Rothschild von Hamburg"

NDR 90,3 - Abendjournal Spezial -

Mittellos kam er nach Hamburg und machte dann als Bankier ein Vermögen: Salomon Heine, der Onkel des berühmten Dichters Heinrich Heine. Zeit seines Lebens tat er viel Gutes für Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 19.10.2017 | 20:00 Uhr

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