Stand: 30.11.2012 15:45 Uhr  | Archiv

Robbe & Berking: Silberschmiede von Weltruf

Ob im Luxushotel, auf dem Kreuzfahrer "MS Deutschland" oder im Kreml: Wer dort isst, hält ein Silberbesteck "made in Flensburg" in den Händen. Das Tafelsilber mit der Punzierung "R&B" stammt aus der Manufaktur Robbe & Berking. Das Unternehmen von der Förde ist der weltweit größte Hersteller von Silberbesteck.

Tradition wird groß geschrieben

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Jahreslöffel sind begehrte Sammelobjekte und kleine Kunstwerke. Den Stiel ziert jedes Jahr ein neues Motiv.

Sowohl bei der Fertigung als auch bei den Produkten setzten die Flensburger auf Tradition. Alles ist Handarbeit, bis zum fertigen Besteckteil sind mehr als 40 Arbeitsgänge notwendig. Ausstanzen, walzen, schleifen, gravieren mit einem Sichel: Die Herstellung erfolgt noch genauso wie früher. "Wenn mein Ururgroßvater heute durch den Betrieb ginge, würde er das allermeiste wiedererkennen, da sieht schon vieles verdammt ähnlich aus, wie es vor 138 Jahren aussah", sagt Oliver Berking. Er führt den Familienbetrieb heute in fünfter Generation. Elf Filialen in Deutschland und Österreich unterhält das Unternehmen, neben Flensburg unter anderem in Hamburg, Kiel und Hannover. Das war nicht immer so.

Von der Kleinstwerkstatt zur Besteckfabrik

Den Grundstein für das Unternehmen legt Nikolaus Christoph Robbe 1874. Der arbeitslose Gold- und Silberschmied meldet ein Handwerk an. Zusammen mit seiner Frau Luise betreibt er in der Angelburger Straße eine Werkstatt, repariert Schmuck, macht Gravuren. Gut leben können die beiden und ihre vier Kinder davon nicht.

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1898 heiratet Robert Berking die Tochter seines Geschäftspartners - Henriette Robbe. Die beiden bekommen vier Kinder.

Das ändert sich erst gut 20 Jahre später, als ein Teilhaber ins Geschäft einsteigt: Robert Berking. Der junge Goldschmied aus Braunschweig hat sich in Robbes Tochter Henriette verliebt. Berking bringt sein Erbe in Höhe von 3.000 Mark und eine neue Geschäftsidee in die Werkstatt ein. Er stellt Besteckschmiede ein und verkauft die Silberbestecke bis nach Hamburg - mit Erfolg. 1905 arbeiten bereits elf Schmiede bei Robbe & Berking, die Werkstatt platzt aus allen Nähten. 1908 zieht die Schmiede in ein eigenes Haus in der Sophienstraße. Im selben Jahr stirbt Robert Berking bei einem tragischen Badeunfall im Alter von nur 36 Jahren. Seine Witwe und sein Schwiegervater führen das Geschäft weiter, bis Sohn Theodor - ebenfalls ein ausgebildeter Silberschmied - das Ruder übernimmt.

In den 30er-Jahren läuft das Geschäft gut. Robbe & Berking verkauft nun unter dem Namen "Nordische Silberwarenfabrik" viele Bestecke an Juweliere - sie sind ein beliebtes Hochzeitsgeschenk. Im Juni 1943 muss die Schmiede schließen - "zur Freimachung von Arbeitskräften für den kriegswichtigen Einsatz" heißt es in der Anordnung der NS-Behörden. Statt Bestecke zu schmieden stanzt die Werkstatt nun Heeresabzeichen und Verdienstkreuze. Nach Ende des Krieges erlauben die britischen Besatzer Robbe & Berking wieder zu produzieren. Doch Rohstoffe sind Mangelware und so entstehen zunächst nur Aschenbecher und Pfeifenhalter aus Aluminiumresten.

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