Stand: 11.12.2016 09:54 Uhr

Flugzeugabsturz 1986: Tödliche Klassenfahrt

Als Ursache für die Katastrophe im Dezember 1986 gilt ein Pilotenfehler.

Der 12. Dezember 1986 ist ein nebliger Tag. Dichte Wolken ziehen tief über den Südosten Berlins. Gegen 17 Uhr wird die Ruhe in einem kleinen Waldstück bei Bohnsdorf, nahe des Flughafens Berlin Schönefeld, von einer donnernden Explosion durchbrochen. Soeben ist ein Flugzeug abgestürzt. Die Tupolew 134 der sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot hatte zunächst die Baumwipfel gestreift. Nach dem Absturz geht sie sofort in Flammen auf. 72 der 82 Insassen finden bei einer der schwersten deutschen Flugzeugkatastrophen den Tod.

Nur sieben Schüler überleben

Unter den Opfern ist eine Schulklasse der Schweriner Ernst-Schneller-Oberschule, die heute Nils-Holgersson-Schule heißt. Sie waren auf dem Rückweg von einer Abschlussfahrt in die weißrussische Hauptstadt Minsk. Nur sieben Schüler überlebten. 20 Schüler, eine Lehrerin und zwei Betreuer starben.

Pilot verstand kein Englisch

Als Absturzursache gilt ein Pilotenfehler. Es hieß, der russische Pilot habe kein Englisch verstanden und die falsche Landebahn angesteuert. Aber es halten sich auch Gerüchte, wonach ein technischer Defekt den Absturz ausgelöst habe. Aus Rücksicht auf den "großen Bruder" Sowjetunion war nach der Katastrophe viel Geheimniskrämerei um die Unfallursache betrieben worden. Auch der teils unwürdige Umgang staatlicher Stellen mit den Familien der Opfer löste Unmut aus. So durften zur zentralen Trauerfeier nur handverlesene Gäste erscheinen. Die Eltern der überlebenden Jugendlichen durften erst daran teilnehmen, nachdem sie sich beschwert hatten.

Bernhard Kadziochs Sohn kam nicht zurück

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Bernhard Kadzioch aus Schwerin verlor seinen Sohn bei dem Absturz.

Unter den Opfern war auch der 16 Jahre alte Torsten Kadzioch. Sein Vater Bernhard aus Schwerin hat den Unglückstag noch klar vor Augen: Zusammen mit seiner Frau machte er sich am 12. Dezember, einem Freitag, auf zum Bahnhof, um seinen Sohn abzuholen. Er hätte eigentlich einige Stunden zuvor in Berlin landen sollen. Aber es war eine Zeit ohne Handys, ohne Internet. Eine Zeit, in der sich nicht jede Nachricht minutenschnell weltweit verbreitete.

Schmerzvolle Erinnerungen

"Wir sind zum Bahnhof gegangen und wollten den Jungen abholen. Als wir dann auf dem Bahnhof standen, war schon eine Lehrerin da. Als sie merkte, dass wir nun so völlig hilflos dastanden und suchten und mitkriegten, es passiert nichts, es kommt kein Torsten wieder, es kommt keiner wieder von den Jungs, da kam die Lehrerin auf uns zu. Sie sagte, das Flugzeug sei abgestürzt, die Kinder werden wohl nicht kommen." Die letzten Worten des Satzes spricht Bernhard Kadzioch ganz leise, fast lautlos.

Gedenktafel am Unglücksort

Auf dem Schweriner Waldfriedhof erinnert seit 2012 ein Gedenkstein an die Kinder und ihre Begleiter, die bei dem Absturz im Dezember 1986 starben. Eine zentrale Trauerstätte befindet sich in dem Waldstück bei Bohnsdorf. In den Jahren nach der Katastrophe hatte die Natur die Unglücksstelle nach und nach zurückerobert. Bis zum Aufstellen der Gedenktafel lieferte lediglich das unterschiedliche Alter der Kiefern einen dezenten Hinweis auf den Unglücksort.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.12.2016 | 10:00 Uhr

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