Stand: 27.04.2016 14:45 Uhr

Der Hexen-Prozess

In der Zeit zwischen 1450 und 1750 wurden in West- und Mitteleuropa etwa 100.000 Menschen, in der Mehrzahl Frauen (etwa 80 Prozent), als vermeintliche Hexe hingerichtet.

Die Grundlagen

"Von peinlichen Sachen, das höchst belangend" - Das gedruckte Gebrauchswerk der Hexen-Richter war der 1487 von den Dominikaner-Inquisitoren Jacob Sprenger und Heinrich (Krämer) Institoris verfasste "Hexenhammer".

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Schon, wer eine schwarze Katze besaß, machte sich verdächtig.

In ihm wurden die genauen Anweisungen für die Prozessführung beschrieben. Rechtsunsicherheit und Rechtsbeugung, vor allem der Gebrauch der Folter, benachteiligten die Angeklagten und führten zum geduldeten Justizmord. Schwerpunkte der Hexenverfolgung gab es um 1590 und 1630. Die letzte "Hexen-Hinrichtung" auf deutschem Territorium war 1775.

Der Schadenszauber-Verdacht

Nicht nur ökonomische, sondern auch emotionale Konflikte, zum Beispiel Auseinandersetzungen zwischen Eheleuten, konnten zum Zaubereiverdacht führen. Verdächtig war zuweilen schon, wer eine schwarze Katze besaß. Auch im Kontext von Schwangerschaft und Geburt konnte es zu unglücklichen Verwicklungen kommen.

"Der Schadenszauberverdacht stand in engem Zusammenhang mit dem Konfliktpotential des frühneuzeitlichen Alltagslebens: Arbeit, Armut, Geschlechterbeziehungen und Mutterschaft bildeten den Kontext, in dem die Verdächtigungen entstanden. Die Deutung von Unglücksfällen wie Krankheit oder Tod als Schadenszauber rückte das Leiden aus dem Bereich des Zufalls und machte es dadurch leichter erträglich... Alltagskonflikte konnten also mit der gerichtlichen Verurteilung von 'Zauberinnen' enden".

(nach: Hexerei, Magie und Volksmedizin: "Schadenszauber, Hexerei und die Waffen der Justiz im frühneuzeitlichen Hamburg" von Roswitha Rogge, Bonn 1997, Seite 149 - 172)

Die Opfer

"Die Hexenforschung entwickelte eine Stadt-Land-Theorie, die besagt, dass die meisten Opfer auf dem Land zu suchen sind, jedenfalls in Frankreich (81 Prozent) und in Polen (97 Prozent). Für Deutschland wird eher das Gegenteil konstatiert. Die Städte wurden zu Verfolgungszentren, es kam zum "Treibhauseffekt", zu Auseinandersetzungen innerhalb der politischen und wirtschaftlichen Eliten der Stadt".

(aus: "... so sie angeregten Lasters verdechtig machet..." Die letzten Hexenverfolgungen in den schwedischen Herzogtümern Bremen und Verden von Joachim Woock, Geschichtswerkstatt Verden.)

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Die Opfer der Hexenverfolgung waren überwiegend Frauen.

Den lebensweltlichen Besonderheiten und sozialen Rahmenbedingungen entsprachen auch die Zielgruppen, die der Hexenverfolgung zum Opfer fielen. In den größten Städten waren es eher unterprivilegierte Witwen, Bettlerinnen und Vaganten. In den Kleinstädten kamen die Angeklagten eher aus den Schichten der wohlsituierten Bürgerschaft. Während in Schleswig-Holstein eher die arme, alte alleinstehende Frau zum Opfer der Verfolgung wurde, entstammten die Angeklagten in Mecklenburg und Vorpommern der Mitte der Gesellschaft. "Überwiegend waren die Opfer Angehörige der Unter- und Mittelschichten und entsprachen in ihrer sozialen Herkunft wohl dem Durchschnitt der Bevölkerung. In beiden Territorien waren fast 80 Prozent der Angeklagten verheiratet. Witwen waren nur in etwa zehn Prozent der Verfahren betroffen. Eine gehäufte Anklage von Witwen blieb immer eine Sonderentwicklung der größeren Städte, in denen ohnehin relativ viele verwitwete Frauen lebten. Die restlichen Anklagen entfielen auf Kinderhexenprozesse".

(nach: Artikel zur Ausstellung "Hexenwahn - Ängste der Neuzeit" im Deutschen Historischen Museum in Berlin von Katrin Moeller [2002]).

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