Stand: 07.07.2009 11:54 Uhr

Als das Baden im Meer Mode wurde

von Stefanie Grossmann, NDR.de

Bereits 1793 fragt der Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg im Göttinger Taschen Calender: "Warum hat Deutschland noch kein öffentliches Seebad?" Dabei sind Mediziner wie der Travemünder Arzt Johann Georg Walbaum schon damals überzeugt, dass sich Seebäder positiv auf die Gesundheit auswirken. In England tauchen bereits seit 1751 Fürsten auf Anraten ihrer Hofärzte ins Meer.

Wo Uropa mit Uroma an Nord- und Ostsee baden ging

Baden im Meer als Vergnügen des Adels

Das gleicht einer Sensation, denn bis dahin hatten die Menschen nur die Badefreuden der Römer und Griechen in eigens dafür errichteten Bädern gekannt. Das Meer galt als unheimlich und unkultiviert, also nicht zur körperlichen Erbauung geeignet. Doch die Empfehlungen der Mediziner setzen sich allmählich durch, und während sie Meeresbäder vor allem als Gesundbrunnen für die Industriearbeiter empfehlen, trifft sich der Adel aus gesellschaftlichem Anlass in den neu entstehenden Seebädern. Denn nur die Oberschicht kann sich diese Sommerreisen auch leisten.

Doberan - erstes deutsches Seebad

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Bis zum 18. Jahrhundert galt es als unkultiviert, im Meer zu baden. Dann entdeckten Mediziner die positive Wirkung des Badens auf den Körper.

Die Einrichtung eines Seebades lässt sich jedoch ohne Genehmigung der Obrigkeit und ohne Gönner sowie Geldgeber nicht bewerkstelligen. So ist es der Adel, der in Norddeutschland das erste Seebad gründet. In Doberan - auf dem Heiligen Damm - steigt im Sommer 1793 Friedrich Franz I., Herzog von Mecklenburg-Schwerin, auf Anraten seines Leibarztes Professor Samuel Gottlieb Vogel mit seinem Gefolge in die Fluten. Was mit einem Zelt und einem Wagenschuppen 1794 beginnt, wird in wenigen Jahren zum sommerlichen Treffpunkt der adligen Prominenz aus dem In- und Ausland. Sie lässt ihr Geld im Kasino und auf der Rennbahn des jungen Seebads und beschert dem Landesvater reichen Gewinn.

Was an der mecklenburgischen Ostsee so gut funktioniert, wollen andere auch: Immer mehr Küstenorte an Nord- und Ostsee planen Seebäder. 1797 entsteht auf der ostfriesischen Insel Norderney das zweite Seebad, 1802 folgt Travemünde in der Lübecker Bucht, 1816 Cuxhaven.

Wyk auf Föhr verspricht "reine Gesundheit"

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Um 1900 gab es in Wyk auf Föhr bereits regen Badebetrieb am Strand.

Das erste nordfriesische Seebad wird 1819 in Wyk auf Föhr errichtet. Die Gründung erfolgt auch aus wirtschaftlicher Not, denn die gewinnbringenden Walfangzeiten sind vorbei, und die Napoleonische Seehandelsblockade hat der Insel zusätzlich geschadet.

Ab 1842 beginnt mit der "Königszeit", in der Dänemarks König Christian VIII. alljährlich mit seinem Hofstaat auf die Insel kommt, Wyks glanzvollste Ära. In seinem Gefolge strömt per Schiff jeder herbei, der dazugehören will. In Wyk entsteht eine Residenz mit Königshaus und -garten.

Dieses Thema im Programm:

19.04.2017 | 13:15 Uhr

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