Stand: 08.11.2015 18:18 Uhr

Als der erste A380 in Hamburg landete

von Dirk Hempel, NDR.de

8. November 2005: Etwa 8.000 Schaulustige haben sich mit mit Fotoapparaten und Ferngläsern auf dem Elbdeich und am Rand des Werksflughafens in Hamburg-Finkenwerder eingefunden. Sie warten auf die erste Landung eines A380 in der Hansestadt. Am Nachmittag schwebt das Riesenflugzeug über der Elbe ein und landet auf dem Airbus-Gelände. Die dritte je gebaute Maschine dieses Typs ist zweieinhalb Stunden zuvor in Toulouse gestartet, wo die französischen Airbus-Kollegen das Flugzeug montiert haben, und vor der Landung eine weite Schleife über Norddeutschland geflogen. Die Hamburger sollen nun Sitzplätze für knapp 500 Passagiere einbauen und die Maschine lackieren.

Airbus A380: Das größte Passagierflugzeug der Welt

Europäische Konkurrenz für den Jumbo-Jet

Der A380 ist eine europäische Gemeinschaftsproduktion, an der auch Werke in Großbritannien und Spanien beteiligt sind. Gut 72 Meter ist er lang und verfügt über knapp 80 Meter Spannweite, deutlich mehr als die amerikanische Boeing 747, der Jumbo-Jet, dem die Europäer nun Konkurrenz machen wollen. Entwickelt wurde der Super-Airbus seit der Jahrtausendwende, nachdem Fachleute einen steigenden Bedarf an Großraumflugzeugen prognostiziert hatten.

Im April 2005 ist der erste A380 in Toulouse zum Jungfernflug gestartet. Trotz des hohen Preises von offiziell rund 240 Millionen Euro sind damals bereits 50 Flugzeuge bestellt. Hauptkunden sind die arabische Fluggesellschaft Emirates und die Lufthansa. Der erste A380 wird jedoch 2007 nach Singapore geliefert. Für das größte Verkehrsflugzeug der Welt wird man bald Flughäfen in der ganzen Welt erweitern, Landebahnen und Gates anpassen, riesige Wartungshallen bauen.

Finkenwerder bereitet dem Megajet einen begeisterten Empfang

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Airbus-Mitarbeiter umringen den A380 am 8. November 2005. Sie versprechen sich von dem neuen Jet sichere Arbeitsplätze.

In Hamburg ist dieser 8. November ein Tag der Giganten. Denn am selben Tag läuft auch das größte Passagierschiff der Welt, die "Queen Mary 2" die Hansestadt an, wo sie auf der Werft von Blohm + Voss gewartet werden soll. "Für viele, auch für mich, ist heute ein Traum wahr geworden", sagt Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) auf dem Airbus-Gelände, wo Tausende Mitarbeiter in Blaumann oder Anzug die Maschine mit Beifall empfangen haben und sie nun neugierig umringen.

In den kommenden Monaten werden sie die Innenraumausstattung einbauen, mehr als 60 Tonnen Material, werden die Flügel lackieren, die beinahe so lang sind wie ein Fußballfeld, und den Rumpf, der noch ein Muster aus grauen und grünen Einzelteilen zeigt.

Die Zuschauer auf dem Deich sind ebenfalls von den Dimensionen des vierstrahligen Riesen-Fliegers beeindruckt, auch von dem geringen Fluggeräusch. "Wir sind um vier Dezibel leiser als das bisher leiseste Großraumflugzeug Airbus A340-600", erläutert  der deutsche Testpilot Wolfgang Absmeier, der den Airbus von Toulouse überführt hat, was eine Reduzierung des sogenannten Lärmteppichs um 50 Prozent bedeute. 15.000 Kilometer kann die Maschine ohne Zwischenstopp zurücklegen, problemlos zwischen den großen Flughäfen in Europa, Asien und Amerika pendeln.

Der A380 bringt Arbeitsplätze für Norddeutschland

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Für die Anwohner - hier ein A380 im Flug über Neuenfelde - ist die Erweiterung eine Belastung.

Die Arbeiter in Finkenwerder haben den A380 mit einem Transparent empfangen, auf dem in großen Lettern steht: "Wir begrüßen unsere Zukunft". Sie sollen auch Rumpfteile für den Megajet produzieren und nach Toulouse liefern. Von Hamburg aus werden die fertigen Maschinen dann an Kunden in Europa und den Nahen Osten ausgeliefert. Das A380-Programm bedeutet vor allem Arbeitsplätze für die Region: Allein im November 2005 werden 300 Fachkräfte gesucht.

Prozesse halten die Airbus-Erweiterung nicht auf

Allerdings muss das Airbus-Gelände für den A380 erweitert werden und das sorgt für Streit. Jahrelang prozessieren Anwohner, Bauern, die benachbarte Kirchengemeinde und Umweltverbände gegen den Ausbau, die Enteignung von Grundstücken und die Teilzuschüttung des Mühlenberger Lochs, des größten zusammenhängenden Süßwasserwatts in Europa. Sie haben jedoch keinen Erfolg.

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Damit der A380 in Finkenwerder landen kann, musste das Gelände erweitert und das Mühlenberger Loch zugeschüttet werden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mahnt immer wieder die Erfüllung von EU-Richtlinien zur Schaffung von Ausgleichsflächen an. "Die Airbus-Erweiterung hat ein einmaliges Schutzgebiet weitgehend zerstört, der Eingriff ist auch fünfzehn Jahre nach der Baugenehmigung nicht ausgeglichen und Hunderte von Steuermillionen sind für ein auf Dauer defizitäres Flugzeug vergeudet worden", sagt Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg im November 2015.

Erwartungen nicht erfüllt

Inzwischen ist der A380 auch in wirtschaftlicher Hinsicht umstritten. Die Erwartungen, die bei seiner Erstlandung in Finkenwerder geweckt wurden, hat er bislang nicht erfüllt. So gab es trotz hoher Produktionskosten jahrelang Lieferschwierigkeiten, sogar Mängel bei aktiven Maschinen wie Haarrisse in den Flügeln, undichte Türen und angeschmorte Stromkabel.

Neuerdings droht Konkurrenz durch modernere und vor allem kostengünstigere Langstreckenflugzeuge von Boeing, mit dem Airbus A 350 sogar aus dem eigenen Haus. Die Verkaufszahlen hinken den Annahmen von damals noch immer hinterher, haben mit etwa 350 Maschinen nur einen kleinen Teil des erwarteten Bedarfs erreicht.

Die Zukunft des A380 scheint ungewiss

Deshalb wurden im Dezember 2014 bei Airbus Zweifel an einer Zukunft des A380 über das Jahr 2018 hinaus laut, auch wenn der Flugzeugbauer kurz darauf zurückruderte. In Hamburg, der drittgrößten Flugzeugfabrik der Welt, arbeiten inzwischen 18.000 Menschen, mehr als 2.000 davon am A380. Dazu kommen noch einige Tausend Arbeitsplätze bei Zulieferbetrieben im Großraum Hamburg und in ganz Deutschland.

Da weckt die jüngste Ankündigung der Fluggesellschaft Emirates, in den kommenden Jahren bis zu 200 weitere Maschinen zu bestellen, große Hoffnungen. Voraussetzung sei allerdings, so Emirates, eine Modernisierung des Riesenfliegers, der innerhalb kürzester Zeit in die Jahre gekommen zu sein scheint.

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