Stand: 22.05.2017 13:51 Uhr

Film zeigt Whitney Houstons Untergang

Whitney - Can I Be Me
, Regie: Nick Broomfield, Rudi Dolezal
Vorgestellt von Natascha Geier

Sie sieht ausgezehrt aus und weint. Die Filmaufnahmen zeigen, wie viel Kraft sie ihr Auftritt gekostet hat. Doch: The show must go on. Whitney Houston ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere - und der erste weibliche schwarze Superstar. Ihre Backgroundsängerin, Patti Howard, hat Whitney Houston hautnah miterlebt: "Damals gab es keine Beyoncés oder andere afro-amerikanische Sängerinnen in den Pop-Charts. Das hatte es vor Whitney nicht gegeben. Sie hat für uns die Geschichte verändert und dafür einen hohen Preis bezahlt."

Whitney stürmt die Charts mit weiß gewaschenem Schmusepop

Wie hoch dieser Preis war, das zeigt der bewegende Dokumentarfilm "Whitney - Can I Be Me?": Darf ich ich sein? Eine Ausnahmekünstlerin, die nämlich genau das nie sein durfte: sie selbst. Von Anfang an wird sie inszeniert, und zwar vor allem für das weiße Publikum, nämlich als brave Popprinzessin. "The Greatest Love Of All" ist 1985 ihr Durchbruch - von wegen Soul oder R'n'B. Whitney stürmt die Charts mit quasi weiß gewaschenem Schmusepop. Dabei wuchs sie in einem schwarzen Ghetto in Newark, New Jersey auf, erlebte Rassismus und nahm auch schon als Jugendliche Drogen.

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Als sie entdeckt wird, beschließen ihre Mutter und der Produzent: Um richtig Erfolg zu haben, muss sie das weiße Publikum gewinnen und ihr schwarzes Ich, ihre schwarzen Wurzeln abstreifen - ausblenden. Die beiden trimmen Whitney in diese Richtung. Und sie lässt es geschehen. Sie stürmt die weißen Charts - doch die schwarze Community findet: Whitney hat sie mit ihrem Synthie-Pop verraten. Bei den Soul Train Awards 1987 wird sie, die vielfache Preisträgerin, ausgebuht. Whitneys Saxofonist, Kirk Whalum, sagt, das sei vernichtend für sie gewesen, sie habe sich nie davon erholt. "Sie sagte: Ich mache keine solchen Songs mehr. Ich will jetzt ich sein. Das wurde ihr Lieblingssatz: Kann ich ich sein?"

Brown bringt Alkohol in die Beziehung - Whitney Drogen

Whitney Houston tut sich mit Bobby Brown zusammen - der hat ein hartes Bad Boy-Image und schwarze Street Credibility. "Wir haben was gemeinsam" singen sie - und das ist nicht nur die Herkunft, sondern auch die Sucht. Brown bringt Alkohol in die Beziehung, Whitney Drogen - doch nach außen natürlich keine Spur davon. Stattdessen zelebrieren sie sich öffentlich als glückliche Familie mit Tochter.

War Whitney lesbisch?

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Robin Crawford (rechts) war Whitneys engste Vertraute.

Der vielleicht wichtigste Mensch aber war Robyn Crawford, ihre beste Freundin und Managerin. Sie versucht, Whitney zu schützen - wird aber immer mehr von Familie und Ehemann verdrängt. Die Yellow Press macht Druck: Ist Whitney lesbisch? Mit Robyn auch zusammen? Der Film geht den Gerüchten nach - und sagt: wenn, dann war Whitney bisexuell. Aber sie traute sich nicht, das offen zu leben. Eine Freundin von Whitney, Alison Samuels, sagt, Homosexualität unter Frauen sei in der schwarzen Gemeinde tabu. Darüber würde nicht gesprochen. "Schwarze Männer - ja. Schwarze Frauen - nein."

Der Film zeigt eine im Grunde tief einsame und zerrissene Frau, die ihre Dämonen mit Drogen in Schach zu halten versucht und für ihre Familie das Geld ranschaffen muss. Whitney möchte es allen recht machen - und geht dabei vor die Hunde.

Whitney - Can I Be Me

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsland:
USA
Regie:
Nick Broomfield, Rudi Dolezal
Länge:
105 Min.
Kinostart:
8. Juni 2017

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 22.05.2017 | 22:45 Uhr

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