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Der Baader Meinhof Komplex

Kinostart: 25. September 2008

Vorgestellt von Joachim Dicks

Über den Film "Der Baader Meinhof Komplex" scheint schon alles gesagt zu sein, noch bevor er überhaupt in die Kinos kommt. Und das liegt zum einen am Stoff: Die RAF war die wohl bis heute schwierigste Bewährungsprobe für die Demokratie in der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte. Das liegt zum anderen an der prominenten Besetzung: Das Drehbuch verfassten Stefan Aust und Bernd Eichinger, Regie führte Uli Edel und das Schauspielerensemble reicht von Bruno Ganz über Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Johanna Wokalek bis zu Nadja Uhl. Der vom NDR koproduzierte "Baader Meinhof Komplex" ist nun in den Kinos angelaufen.

Ein Täter-Film

Soviel vorweg: Die Geschichte des deutschen Terrorismus muss nicht neu geschrieben werden. Dieser Film zerstört auch nicht den "Mythos RAF", wie verschiedentlich behauptet wurde. Bestenfalls ersetzt er den einen Mythos durch einen anderen, denn die Zeiten, in denen ein Andreas Baader oder eine Ulrike Meinhof wie Helden verehrt wurden, sind doch längst vorbei, oder?

Der Weg zur Gewalt ist im "Baader Meinhof Komplex" denkbar kurz. Er beginnt am 2. Juni 1967 auf der Anti-Schah-Demonstration mit der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg und endet am 18. Oktober 1977 mit der Ermordung von Hans-Martin Schleyer. Es ist ein Täter-Film, zweifelsohne; darauf verweist bereits der Titel. Die Opfer und ihre Angehörigen sind Nebenfiguren in diesem Terrorspiel. Der Staat wird repräsentiert in einer einzigen Figur, dem Leiter des BKA, Horst Herold. Bruno Ganz schafft es auf überwältigend diskrete Weise aus dieser Nebenrolle das geistige Zentrum des ganzen Films zu machen.

Der Stoff, aus dem Kinofilme entstehen

Dieser "Baader Meinhof Komplex" ist ein Action-Film. Von erklärender Psychologie, von Zeigefinger-Moral, aber auch von Reflexion ist keine Spur. Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin, Moritz Bleibtreu als Andreas Baader und am erschreckendsten Nadja Uhl als Brigitte Mohnhaupt: Sie alle machen keine psychologische Entwicklung durch, sie bleiben, was sie von Anfang an sind: brutal, rücksichtslos, eiskalt - auch mit der Waffe in der Hand. So muss Gedeck in der Rolle der Ulrike Meinhof stellvertretend die vertrackte Entwicklung nachzeichnen: von der Vorzeige-Intellektuellen der politischen Linken zur verblendeten, irre gewordenen Terroristin.

"Warum entstehen immer wieder neue Terroreinheiten? Was motiviert sie", lautet einmal die Frage eines BKA-Beamten. Die Antwort erfolgt prompt: "Ein Mythos". Es ist auch der Stoff, aus dem Kinofilme entstehen. "Der Baader-Meinhof-Komplex" setzt die bald ausufernde cineastische Auseinandersetzung mit der RAF fort, mehr nicht. Erkenntnisse, Einsichten, gar Wahrheit gibt es nicht. Aber das sollte man vom Kino auch nicht erwarten.

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