Stand: 19.09.2017 15:00 Uhr

Filmfest Hamburg mit Wenders und Vanessa Paradis

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Seit 2003 leitet Albert Wiederspiel das Filmfest Hamburg.

Hamburg wird bald wieder zur Kino-Metropole. Im Oktober findet zum 25. Mal das Filmfest Hamburg statt. Vom 5. bis zum 14. Oktober gibt es an zehn Tagen 130 Filme zu sehen, diesmal mit vielen starken Frauen vor und hinter der Kamera. Den Douglas-Sirk-Preis des Festivals bekommt Regisseur Wim Wenders. Ein Gespräch über den Preisträger und das diesjährige Programm mit dem Leiter Albert Wiederspiel.

Wie sind Sie auf den diesjährigen Ehren-Preisträger, den Regisseur Wim Wenders gekommen?

Albert Wiederspiel: Dessen Film "Der amerikanische Freund" hat einen sehr starken Hamburg-Bezug. Er wird dieses Jahr 40 Jahre alt. Dann gibt es ein weiteres, etwas traurigeres Jubiläum, dass Wim Wenders 2017 als Professor bei der Hamburger Hochschule für Bildende Künste aufgehört hat. Jetzt hat er auch noch einen super Film gemacht, "Submergence" -  ein wunderschöner, englischsprachiger Spielfilm mit James McAvoy und Alicia Vikander in den Hauptrollen. Es gab also drei verschiedene Gründe, ihm einen Preis zu geben. Ich finde, mit 72 Jahren ist es fällig, einen guten und großen Preis von der Hansestadt zu bekommen.

Western, Thriller und ein Ötzi beim Filmfest

Das ist sozusagen der männliche Part des kommenden Filmfest Hamburg. Ansonsten spielen viele Frauen die Hauptrollen im Programm.

Wiederspiel: Komischerweise habe ich das Gefühl, dass der Beruf des Regisseurs so langsam zu einem Frauenberuf wird. Noch vor 20 Jahren war es eine Männerdomäne, an den Filmhochschulen waren kaum Frauen. Inzwischen wendet sich das sehr. Das ist nicht nur wegen der Quote, sondern auch, weil offensichtlich Frauen zu diesem Medium einen besonderen Zugang haben. Das fühlen wir auch. Frauen machen sehr sensible Filme. Ohne das zu wollen, haben wir einen hohen Frauenanteil im Programm, sind aber auch stolz darauf.

Worauf sind Sie in diesem Vierteljahrhundert stolz?

Wiederspiel: Ich hoffe, dass es uns gelungen ist, ein in der Stadt bekanntes Festival zu werden. Wir sind ein bisschen breiter angelegt. Nicht nur das Arthouse-, sondern auch das Mainstreamkino kommt zur Geltung. Wir versuchen immer, diesen Spagat hinzubekommen. Wir haben das Gefühl, dass uns das mehr oder weniger jedes Jahr gelingt.

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Welche sind einige Höhepunkte in diesem Jahr?

Wiederspiel: Der Eröffnungsfilm "Lucky" mit Harry Dean Stanton, der vor ein paar Tagen im Alter von 91 Jahren verstorben ist, ist ein Höhepunkt - ein wirklich schöner Film über die amerikanische Provinz, aber auch über das Altwerden und über das Abschiednehmen. Das klingt alles sehr traurig, es ist aber ein lustiger Film. Die Dokumentation "Human Flow" von Ai Weiwei über die großen Migrationsströmungen ist ein extrem empathischer Film. Das hat mir gut gefallen. Wir haben 130 weitere Highlights, aber das sind meine Rosinen.

Unter dem Vielklang der vielen unterschiedlichen Filmfestivals weltweit, welche ist die Nische des Filmfest Hamburg?

Wiederspiel: Die Filmemacher sind dem Publikum nah. Man kann leicht mit ihnen in Kontakt treten, nach den Filmen diskutieren. Bei der Berlinale oder in Cannes verschwinden dieselben Menschen in einer Limousine und wir sehen die Leute gar nicht. Bei uns ist das nicht so. Nicht nur, weil wir keine schwarzen Limousinen haben, aber auch, weil die Gäste kommen, um mit dem Publikum zu reden. Das gelingt uns besonders gut.

Wer wird in diesem Jahr auf dem roten Teppich zu sehen sein?

Wiederspiel: Persönlich finde ich es eine Ehre, dass der Franzose Claude Lanzmann nach Hamburg kommt, der ist inzwischen auch 91 Jahre alt. Der ist eine Ikone im Dokumentarfilm. Es kommt aber auch das genaue Gegenteil, Vanessa Paradis. Sie kommt mit ihrem Mann Samuel Benchetrit, um ihren Film "Chien", also Hund, vorzustellen. Es kommt François Ozon, dem haben wir vor Jahren den Douglas-Sirk-Preis gegeben, mit seinem Cannes-Beitrag "L'amant double", weiter Wim Wenders und Jürgen Vogel. Es kommen sehr viele Deutsche in der Reihe "Fernsehen im Kino", weil es die einmalige Möglichkeit gibt, den Spielfilm auf großer Leinwand zu sehen. Das tun nicht nur wir gern, sondern auch die Schauspieler. Lars Eidinger als Zarelitsch darf man sich nicht entgehen lassen, der zeigt seinen russischen Film "Mathilde" persönlich. Wir zeigen den Film in Originalfassung, wir hören Eidinger also auf Russisch, das hat er für diese Rolle eigens gelernt.

Warum läuft Fatih Akins Film "Aus dem Nichts" nicht, wie ursprünglich vorgesehen, im Programm?

Wiederspiel: Das ist eine Entscheidung des Verleihs Warner Brothers. Das haben wir keine Einfluss drauf. Wenn der Verleih entscheidet, der Film kriegt keine Festivallaufführung, sind wir machtlos. Da kann, glaube ich, Fatih Akin auch nicht viel tun. Ich finde es schade, wir haben immer Fatihs Filme gezeigt.

Das Interview führten Daniel Kaiser und Patricia Batlle.

Szene aus dem Film "Suburbicon" von George Clooney mit Matt Damon und Julianne Moore © concorde-film.medianetworx.de Fotograf: Hilary Bronwyn Gayle

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 19.09.2017 | 19:00 Uhr

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