Stand: 21.10.2015 11:15 Uhr

"Zu wenige Visionen": Verzagt in die Zukunft

von Hanna Grimm, NDR.de
Im zweiten Teil von "Zurück in die Zukunft" reisen Marty McFly und Dr. Brown in die Zukunft und landen dort genau am 21. Oktober 2015.

Menschen sausen in fliegenden Autos durch die Luft, Schuhe binden sich selbst zu und ein Roboter geht mit dem Hund Gassi: So haben sich die Macher des Films "Zurück in die Zukunft 2" das Jahr 2015 vorgestellt. Heute, am 21. Oktober, kommt der junge Marty McFly mit dem DeLorean in unserer Welt an - so ist die Story des Hollywood-Streifens. Was ist wahr geworden von den Visionen der späten 1980er-Jahre? Und was sagen Zukunftsvisionen eigentlich über Gesellschaften aus?

"'Zurück in die Zukunft 2' ist visionär"

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Schmeink bringt seine Ideen bei der Hamburger Gesellschaft für Fantastikforschung ein.

Einer, der sich beruflich damit auseinandersetzt, ist der Wissenschaftler Lars Schmeink. Als Mitglied der Hamburger Gesellschaft für Fantastikforschung ist es sein Job, die Zukunftsvisionen anderer auszuwerten. Das, was die Autoren von "Zurück in die Zukunft 2" erdacht haben, sei visionär gewesen, sagt er. "Die Macher waren erfolgreich, weil sie sich am damaligen Stand der Forschung orientiert haben und davon ausgehend ein paar Jahre weitergedacht haben", so Schmeink. Videotelefonie, Flatscreen und Fingerabdruck-Scanner kämen zum Beispiel in dem Film vor und seien heute für uns - wenn auch in einer etwas abgewandelten Form - Realität.

Träume von fliegenden Autos

Für ihn ist der Film jedoch viel mehr als eine Zukunftsvision. "Zurück in die Zukunft 2" zeige auch, wie die Menschen damals tickten. "Amerika war Ende der 1980er-Jahre geprägt von Verkehrschaos und so gut wie ohne öffentlichen Nahverkehr. Klar, dass da die Idee eines fliegenden Autos total toll war", so der Fantastikforscher. Die Leute hätten ein möglichst angenehmes Leben haben wollen und erträumten sich die Zukunft dementsprechend. "Das klingt doch superschön: Ich brauche nie wieder Schuhe zu binden, sie gehen von alleine zu", meint Schmeink.

Angesagt in den 1960ern: Atomantrieb

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Mensch oder Maschine: Wer siegt? Das ist die zentrale Frage der "Terminator"-Filme.

Auch der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann sieht jede Zukunftsvorstellung als Spiegel der jeweiligen Zeit. "Ende der 1960er-Jahre und Anfang der 1970er-Jahre gab es zum Beispiel die Idee, dass wir den Atomantrieb für alles nutzen - auch für Flugzeuge und Autos", sagt Wippermann. "Damals glaubten wir, dass wir so uneingeschränkt Energie erzeugen könnten." Als es zu den ersten Reaktorunglücken kam, sei diese Ideologie überholt gewesen. Auch Dystopien, also düstere Zukunftsvisionen, seien in dieser Zeit angesagt gewesen, sagt Wissenschaftler Schmeink. "Damals haben sich die Menschen vorgestellt, dass sie es schaffen, die Welt kaputtzumachen." Das liege daran, dass in den 70ern und 80ern Umweltbewusstsein und die Zerstörung der Natur zentrale Themen gewesen seien. Doch auch das Phänomen Mensch gegen Maschine tauche seit den 80ern immer wieder auf. "Wir haben eben Angst davor, dass Roboter die Weltherrschaft übernehmen könnten", sagt Schmeink. Das zeige sich zum Beispiel in den "Terminator"-Filmen.

Forscher sieht Retro-Trend

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Peter Wippermann kritisiert: "Menschen heute haben kaum noch Visionen."

Doch welche Visionen haben wir heute? "Zu wenige", kritisiert Wippermann. Derzeit sei es angesagt, Altes zu bewahren. "Wir idealisieren die Vergangenheit. Der Retro-Trend ist absolut im Alltag präsent. Aber es werden keine kollektiven Zukunftsbilder mehr entwickelt." Das zeige sich derzeit im Hinblick auf die Flüchtlingskrise. "Wir haben keine Vorstellung davon, wie wir damit umgehen, obwohl wir seit Jahren wissen, dass das auf uns zukommt", prangert er an.

Auf ins Jahr 2045!

Und was, wenn wir uns wie Marty McFly in ein Auto mit Flügeltüren setzen würden und im Jahr 2045 ankämen? Welche Welt würden wir vorfinden? Trendforscher Wippermann erwartet für die Gesellschaft in 30 Jahren Widersprüche und Streit. Er glaubt, dass in der Zukunft noch mehr als jetzt die Stärksten gewinnen und die Schwächeren verlieren. Wissenschaftler Schmeink sieht eine globalisierte Welt - vielleicht mit den Vereinten Nationen als Weltregierung.

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