Stand: 12.07.2017 16:00 Uhr

Wim Wenders verlässt die HFBK in Hamburg

von Katja Weise

Mit viel Prominenz feiert die Hochschule für bildende Künste in Hamburg in dieser Woche ihr 250-jähriges Bestehen. Mit dabei ist auch ein Mann, dem zu verdanken ist, dass Studierende an dieser Hochschule bis heute Film studieren können: Wim Wenders. Der vielfach ausgezeichnete Regisseur konnte 2002 für einen Lehrstuhl gewonnen werden. Jetzt verabschiedet sich der 71-jährige Wenders nach 15 Jahren als Professor für narrativen Film an der HFBK. Eine Begegnung.

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Der preisgekrönte Regisseur Wim Wenders hat 15 Jahre lang an der HFBK gelehrt.

Ein letztes Mal ist Wim Wenders mit dem Zug gekommen, aus Berlin. "Diese Fahrt habe ich im Zuge meiner Professur oft gemacht", erzählt der Regisseur. Und das sehr gern. Wehmut schwingt mit in seinen Worten, die er mit Bedacht setzt. Es ist, als schaue er beim Reden nach innen, was auch daran liegen mag, dass er als erstes die Wenders-typische, dunkel umrandete Brille abnimmt und den Blick auf Brusthöhe senkt. Nun verlässt der Professor die HFBK, um in den Ruhestand zu gehen. Seine Bilanz nach 15 Jahren: "Ich hatte ein paar tolle Studenten, wir haben schöne Arbeit gemacht." Man lerne von den Studenten genauso viel wie die von einem. "Filmemachen ist ein komplizierter Prozess, wo man beim Machen viel mehr lernt als beim Beibringen und wo die Studenten am meisten voneinander lernen." Die beste Professoren seien Kommilitonen.

Regisseur Wim Wenders zu Gast in der NDR Talk Show am 20.01.2017 © NDR/Uwe Ernst Fotograf: Uwe Ernst

Regisseur Wim Wenders im Gespräch

NDR Talk Show -

Wim Wenders ist einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure und weltweit bekannt. Im Januar 2017 startete sein Film "Die schönen Tage von Aranjuez" in den deutschen Kinos.

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Aufgabe: Den Blick öffnen

Seine Aufgabe habe er deshalb vor allem darin gesehen, das Machen anzuregen und dabei den Blick zu öffnen. So unternahm Wenders als Professor mit seinen Studenten regelrechte Expeditionen: Zwei Jahre lang untersuchte man beispielsweise gemeinsam, welche Rolle Zeit und der Zeit-Sinn beim Filmemachen spielen, in einem anderen, ebenfalls zweijährigen Projekt, spürte man dem Orts-Sinn nach: "Ein Orts-Sinn ist etwas, worüber wir alle verfügen, obwohl es ein Sinn ist, der immer mehr verkommt. Sobald wir mal irgendwo einen Ort suchen, gucken wir schon aufs Telefon und lassen uns den zeigen, statt uns zu erinnern oder den mit anderen Sinnen zu finden. Orts-Sinn ist ein wichtiges Mittel, um Filme zu machen."

Fasziniert von digitaler Technik

Nicht nur die Wirklichkeit, auch viele der Mittel, mit denen Filme gemacht werden, haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Wim Wenders hat früher als andere Kollegen mit 3D gearbeitet, die digitale Technik fasziniert ihn. In dieser Hinsicht, sagt er, habe er von seinen Studenten gelernt, die im Gegensatz zu ihm damit groß geworden seien. Hinzu kommt, dass heute jeder mit seinem Handy nicht nur Orte suchen, sondern auch filmen kann. Viele dieser Filme finden sich dann später im Netz. Ein "unglaublicher Multiplikationseffekt", findet Wenders, der professionelle Filmemacher vor ganz neue Herausforderungen stelle: "Also muss man seinen eigenen Standpunkt anders definieren, als einer wie ich vor 50 Jahren." Als er angefangen habe zu studieren, gab es nur wenige, die Produktionsmittel wie Kameras in den Händen hatten. Dadurch hatte man eine Alleinstellung. "Heute hat ein Filmemacher keine Alleinstellung", ergänzt Wenders.

Insofern sei das Wichtigste, was er den angehenden Regisseurinnen und Regisseuren vermitteln könne, Haltung: "Ein Gefühl davon, dass nur das rauskommt, was man investiert. Das heißt, wenn man sehr viel Liebe investiert, kann man hoffen, dass dann auch was Liebevolles rauskommt." Es käme auch nichts Interessantes raus, wenn man nicht wirklich selbst etwas herauskriegen wolle.

Die Sache mit den politisch gemeinten Filmen

Mit der Politik hingegen sei es komplizierter. Denn am politischsten seien heute oft Filme, ergänzt Wenders, die gar nicht in erster Linie politisch sein wollen: "In meiner politischen Erfahrung sind die politischen Filme nicht unbedingt die, die den größten politischen Effekt haben. Oft genug sind persönliche Beobachtungen, gerade in Krisengebieten, viel wichtiger als eine abstrakte Abhandlung über diese Krise."

Neuer Film mit James McAvoy 2018 im Kino

Wenders neuer Film "Submergence" ist angekündigt als "romantischer Thriller". In dieser Liebesgeschichte gibt es einen direkten politischen Bezug: Ein Wasserbauingenieur, gespielt von Hollywoodstar James McAvoy, gerät in Somalia in die Fänge von Dschihadisten. Im Januar 2018 soll die Verfilmung des gleichnamigen Romans von J. M. Ledgard in Deutschland in die Kinos kommen: "Das ist wirklich ein Film über unseren Planeten heute, der so voller Hass, und auch trotzdem so voller Liebe ist", so Wenders.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 12.07.2017 | 16:20 Uhr

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