Stand: 14.10.2017 15:30 Uhr

"The Square" - sind wir nur Affen in Anzügen?

The Square
, Regie: Ruben Östlund
Vorgestellt von Edith Beßling
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Kurator Christian Nielsen (Claes Bang) scheitert im Privatleben an seinen moralischen Ansprüchen.

Christian Nielsen, gespielt von Claes Bang, steht im Mittelpunkt der Tragikomödie "The Square" vom schwedischen Regisseur Ruben Östlund. Er ist Kurator eines bedeutenden Museums für moderne Kunst und organisiert eine Kunstperformance mit einem Affendarsteller, doch die läuft total aus dem Ruder. Der Film will wissen: Wie dünn ist eigentlich die Schicht der Zivilisation, wie ist es um unsere Moral bestellt, wann helfen wir anderen, wann schauen wir nur zu?

Wie eine Laborratte in einem Experiment

Schauspieler Claes Bang sagt: "Sind wir eigentlich nur ganz primitiv und nur Affen in Anzügen? Ich glaube nicht." Auch wenn er etwas affig ist, so hält sich Kurator Nielsen doch für einen guten Menschen. Der nur leider von einer blöden Situation in die nächste stolpert. Manchmal sei es fast so, sagt Bang, als ob er eine Laborratte sei in einem Experiment. Regisseur Östlund sagt, wir würden doch ständig mit unseren Erwartungen an uns selbst kämpfen. "Permanent unterdrücken wir unsere Instinkte in unserer zivilisierten Kultur. Und in diesem Aufeinandertreffen von Prinzipien und unbewussten Bedürfnissen, da spielen sich die interessantesten Szenen ab. Ich liebe es, genau diesen Zusammenprall zu erforschen."

Filmszene aus "The Square" von Ruben Östlund mit Hauptdarsteller Claes Bang und Elisabeth Moss © Alamode Film

Gesellschaftssatire: Der Spielfilm "The Square"

Kulturjournal -

Eine Kunstaktion gerät aus dem Ruder und der zuständige Kurator verliert seine politische Korrektheit. Der Film "The Square" fragt: Wie ist es um unsere Moral bestellt?

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Kunstaktion "The Square": Empathie statt Eigennutz

In einem Gerangel auf der Straße wird Nielsen sein Handy geraubt, per Ortungsdienst findet er es in einem Hochhaus, aber er weiß nicht, in welcher Etage, also verteilt er überall Drohbriefe und bringt damit Unschuldige in Bedrängnis. Christian scheitert im echten Leben an seinen moralischen Ansprüchen, übernimmt keine Verantwortung, aber im Museum hat er Großes vor: Mit einem weißen Quadrat auf dem Boden des Museums - The Square - fordert er Empathie statt Eigennutz. Besucher können sich in das Quadrat stellen und um Hilfe bitten - die Vorbeikommenden sind verpflichtet, ihnen zu helfen.

"In den 50ern gab es noch eine Art sozialen Vertrag"

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Regisseur Ruben Östlund mit der Goldenen Palme auf dem Filmfest in Hamburg: "Permanent unterdrücken wir unsere Instinkte".

Regisseur Östlund sagt, sein Vater sei als Sechsjähriger in den 50ern mit Adresszettel um den Hals zum Spielen rausgeschickt worden, ganz allein, in Stockholm. "Meine Großeltern vertrauten noch ganz selbstverständlich auf die Hilfsbereitschaft anderer Erwachsener. In den 50ern gab es noch eine Art sozialen Vertrag, dass man sich auch für fremde Kinder verantwortlich fühlte."

Schauspieler Bang fragt: "Was ist passiert mit Werten wie Vertrauen, Mitgefühl und Einstehen füreinander? Wollen wir einander helfen, sind wir da füreinander oder bauen wir Europa wie ein Fort, wie ein Square: Hier drinnen können wir uns helfen, euch draußen nicht."

Video
02:19

Der Trailer zur Gesellschaftssatire "The Square"

Ein Museumskurator hat an eine Kunstaktion die höchsten gesellschaftlichen Ansprüche, verliert aber selbst seine Moral - der Filmtrailer zu "The Square". Video (02:19 min)

Eine Bestandsaufnahme der Widersprüche

Es macht einen Heidenspaß, dabei zuzusehen, wie sich der eitle Nielsen immer weiter in selbst gemachte Not bringt. Eine PR-Aktion fliegt ihm um die Ohren. Dabei wollte er mit einem zynischen Film doch nur humanistische Ideale unter die Menschen bringen. "The Square", der mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet wurde, ist eine Bestandsaufnahme der Widersprüche des modernen Menschen.

Bang sagt, so sehe es im Westen im Moment aus. "So leben wir jetzt hier, wollen wir das, oder, wenn nicht, was wollen wir verändern?" "The Square" ist ein Film, in dem alles passieren kann. Ein Film über einen, der am Ende ziemlich viel verloren hat. Ein Film über Werte, über Vertrauen und Verantwortung und gleichzeitig kluge Unterhaltung. Das muss man erst mal schaffen.

Deutschlandpremiere von "The Square"

NDR Nachwuchspreis geht an Eliza Hittman

Das Filmfest Hamburg ist am Samstagabend zu Ende gegangen. Der NDR Nachwuchspreis ging an die New Yorker Regisseurin Eliza Hittman. Anschließend präsentierte Ruben Östlund seinen Cannes-Siegerfilm "The Square". mehr

The Square

Genre:
Tragikomödie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Schweden, Deutschland, Dänemark, Frankreich
Zusatzinfo:
mit Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West
Regie:
Ruben Östlund
Länge:
151 Min.
FSK:
FSK ab 12 Jahren
Kinostart:
19. Oktober 2017

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 16.10.2017 | 22:45 Uhr

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