Stand: 17.11.2015 14:00 Uhr

Enttäuschendes Finale der "Panem"-Verfilmung

Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2
Vorgestellt von Walli Müller

Mit 21 holte sie ihren ersten Oscar, mit 25 ist sie die bestbezahlte Schauspielerin Hollywoods: Jennifer Lawrence, Hauptdarstellerin der umjubelten "Tribute von Panem"-Filme. Über zwei Milliarden Dollar hat die Fantasy-Reihe bisher weltweit eingespielt. Damit die Kassen weiter klingeln, wurde auch hier der letzte Teil der zugrunde liegenden Buch-Trilogie fürs Kino zweigeteilt: das finale Finale "Mockingjay Teil 2".

Es wäre ja nicht die erste Filmreihe, die gegen Ende schwächelt: "Harry Potter" erschöpfte sich in immer öderen Düster-Bildern, "Twilight" in grauenhaftem Horror-Kitsch und der dritte "Hobbit"-Teil bestand nur noch aus Showdown. Ein ähnliches Problem hat nun das "Tribute von Panem"-Finale: Alles ist im Grunde schon erzählt, bleibt nur noch ein martialisches Kriegs-Szenario.

Jennifer Lawrence als Heldin mit Haltung

Die Heldin Katniss Everdeen, die in drei Filmen vom einfachen Mädchen zur Widerstandskämpferin heranreifte und zur Symbolfigur der Revolution wurde, kämpft nun als Soldatin in der Rebellen-Armee gegen das Unrechts-Regime von Panem. Kriegs-Strategien werden diskutiert, die Erzähl-Motive wiederholen sich: Wie schon bei den Hungerspielen in den ersten beiden Teilen stellt das Regime Katniss und ihren Mitkämpfern perfide Fallen.

Jeder Schritt, jede Explosion, wird von beiden Kriegsseiten mitgefilmt - zu Propaganda-Zwecken. Die scharfe Medienkritik, der Spiegel, der uns oft voyeuristischen Zuschauern vorgehalten wurde, machte die bisherigen "Panem"-Filme so stark. Zudem warf vor allem der dritte Teil politisch und moralisch komplexe Fragen auf, die der Heldin zu schaffen machten: Ihr Aufruf zum bewaffneten Kampf kostete unzählige Menschen das Leben - das Problem jeder revolutionären Bewegung. Nun ist die Luft im Grunde raus. Katniss trägt zwar weiter schwer an ihrer Verantwortung, ist aber zu allem entschlossen.

Horror-Effekte auf Trash-Niveau

Wenig überraschend, dass auf dem Weg in den Diktatoren-Palast Katniss' Truppe Kopf für Kopf dezimiert wird. Dass dabei allerdings auch schleimige Zombies über sie herfallen, damit war dann doch nicht zu rechnen. Eine ärgerliche Zeitschinderei mit Horror-Effekten, die den anspruchsvollen Stoff auf Trash-Niveau sinken lassen.

Das passt einfach nicht zu einem Film, der schauspielerische Hochkaräter im Dutzend auffährt: Von Donald Sutherland als Diktator Snow über den verstorbenen Philip Seymour Hoffman in seiner letzten Rolle bis hin zu Oscar-Preisträgerin Julianne Moore. Sie spielt die Rebellenführerin Coin, an deren Integrität gezweifelt werden muss.

Trotz kreischender Fans am Roten Teppich bei der Premiere: Der vierte ist der schwächste Teil der Reihe. Die Macher haben nicht einmal den Mut, Widersprüche am Ende stehen zu lassen. Über eins aber kann man sich freuen: Dass so viele, vor allem junge Menschen von einer Heldin begeistert sind, die Haltung zeigt und ihren Idealen treu bleibt. Jennifer Lawrence glaubt man das auch im letzten Teil. Am Ende aber ist man froh, dass auch diese Film-Reihe "geschafft" ist.

Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2

Genre:
Science-Fiction
Produktionsjahr:
2015
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth
Regie:
Francis Lawrence
Länge:
137 min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
19. November 2015

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 18.11.2015 | 06:40 Uhr

Weitere Kinoneustarts der Woche

"Stonewall": Ambitioniert, aber langweilig

Roland Emmerich hat sich in seinem Film "Stonewall" an einem Thema verhoben, das nach feineren Erzählmitteln verlangt. Auch wenn sein Film gut gemeint ist, bleibt er leider spannungslos. mehr