Stand: 14.06.2017 11:24 Uhr

Patty Jenkins: Die "Wonder Woman" von Hollywood

von Nicole Markwald

Regisseurin Patty Jenkins hat schon als Siebenjährige davon geträumt, Wonder Woman zu sein und Streit suchenden Mitschülern mit ihren Superkräften eins auswischen zu können. Nun ist sie selbst eine Art Wonder Woman des US-Kinos geworden. Kein Film einer Regisseurin hat bisher ein so erfolgreiches Startwochenende erlebt: "Wonder Woman" mit Gal Gadot in der Hauptrolle spielte am Auftaktwochenende über 100 Millionen Dollar ein. Doch kann Jenkins mit ihrem Erfolg anderen Frauen in der Filmbranche Türen öffnen, wie es nun oft heißt?

Neun Superman-Filme und zwölf Batman-Streifen kamen ins Kino, bis Wonder Woman endlich ihr Debüt auf der großen Leinwand feiern konnte. Seit 1941 gibt es die Comic-Figur, als Gegenentwurf zum damals waffenvernarrten Batman und Übermensch-ähnlichen Superman entwickelt. Wonder Woman ist gegen Gewalt, ihre Stärken sind Liebe, Wahrheit und Schönheit.

Eine Regisseurin in der Superheldenbranche - ein Novum

Dass DC Comics und Warner, die den Film gemeinsam produziert haben, für die Regie eine Frau holten, war eine ungewöhnliche Wahl und ein Novum in der Superhelden-Industrie. Patty Jenkins hatte 2003 bei "Monster" Regie geführt und Hauptdarstellerin Charlize Theron einen Oscar beschert. Aber dann blieb sie zunächst beim Fernsehen. Sie sollte "Thor" verfilmen, sprang aber nach zwei Monaten wegen "kreativer Differenzen" ab.

"Es gibt den Glauben, Männern falle es leichter, Regie zu führen"

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Die US-Regisseurin Patty Jenkins ist die erste Frau, die eine Superhelden-Geschichte verfilmt hat. "Wonder Woman" hat einen sensationellen Kinostart hingelegt.

Nach dem Millionenerfolg wird Jenkins nun als Wonder Woman von Hollywood gehandelt. Eine surreale Erfahrung sei das, erzählt sie einem US-TV-Sender: "Ich bin erstaunt, wie oft ich gefragt werde, wie ich denn mit den vielen Actionszenen klargekommen bin. Egal, wobei man Regie führt, man ist immer für alles verantwortlich. Aber es gibt den Glauben, dass es Männern leichter fällt, Regie bei einem so großen Film zu führen. Als ob es natürlicher sei. Ich verstehe es selbst nicht."

Nur wenige Frauen bei Blockbustern im Regiestuhl

Die Zahl der Regisseurinnen ist in Hollywood notorisch niedrig. Kathryn Bigelow gewann bisher als einzige einen Oscar in der Regie-Kategorie, Sofia Coppola war vor Kurzem erst die zweite Frau, die in Cannes den Preis für die Beste Regie erhielt. Laut einer Studie des Center for the Study of Women in Television and Films saß 2016 bei lediglich sieben Prozent der 250 erfolgreichsten Filme eine Frau im Regiestuhl. Und kein Studio hat sich bislang getraut, Superhelden-Material in weibliche Hände zu geben. Jenkins hofft, dass sich das nun ändert: "Es gibt so viel Unsicherheit, was die Sommerhits angeht. Was bringt garantiert Geld? Wer geht garantiert ins Kino? Jedes Mal, wenn man althergebrachte Annahmen widerlegt, wird neuer Raum für andere Leute mit anderen Erfahrungen eröffnet, die ihrerseits erfolgreiche Filme machen können."

Ein Doppelerfolg - auch für das Studio Warner 

"Wonder Woman" ist ein Doppelerfolg: Die Geschichte um die Superheldin mit Gerechtigkeitssinn und dem Glauben, dass Liebe alles andere übertrumpfen kann, spielt nicht nur sehr viel Geld ein, sondern kommt auch bei den Kritikern äußerst gut an. Für das Studio Warner habe sich das Risiko ausgezahlt, sagt Matt Bellani vom Branchenblatt "Hollywood Reporter": "Es ist enorm wichtig, diese Filme richtig zu machen - und da geht es nicht nur um 'Wonder Woman'. Es geht darum, wie Fans der Marke DC Comics gegenüber stehen. Denn der Plan ist, ein bis zwei Filme pro Jahr in die Kinos zu bringen. Deshalb kann ein Erfolg noch in zehn Jahren Auswirkungen haben."

Fortsetzung folgt - vielleicht

Ein offizielles Statement über eine Fortsetzung von "Wonder Woman" gibt es noch nicht. Patty Jenkins verriet in einem Fernsehinterview nur so viel: "Wir sind dran."  

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