Stand: 16.11.2016 10:50 Uhr

Machinima - Der Film, der aus dem Spiel kam

von Tobias Nowak

Computeranimierte Trickfilme gehören inzwischen zur großen Familie der Filmkultur. Eine Besonderheit bildet das Genre "Machinima". Es ist ein verhältnismäßig junges Genre, das erst in den letzten Jahren durch die großen technischen Fortschritte der Computerspiel-Technologie entstand - und sich im Internet großer Beliebtheit erfreut.

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Ein Berglöwe auf der Jagd - eine Szene aus dem Machinima "Onto the Land" in dem Computerspiel "Grand Theft Auto 5".

Die Naturdokumentation "Onto the Land" zeigt das Leben von Hasen, Adlern, Hirschen und Berglöwen. Allerdings in der rein virtuellen Welt von "Grand Theft Auto" - einem Computerspiel, das eher bekannt ist für wilde Schießereien und Verfolgungsjagden. Der Naturfilm ist ein Machinima. Der Begriff setzt sich zusammen aus den Wörtern "Machine“ und "Cinema" - und bezeichnet Filme, die in Computerspielen gedreht sind. Die Filme sehen meist aus wie mehr oder weniger gut gemachte Animationsfilme. Aber der große Unterschied ist: Im Animationsfilm werden Figuren und Objekte mit großem Aufwand und großer Rechenkapazität Bild für Bild vorberechnet; im Machinima entstehen die Szenen mithilfe der Spiele-Grafik in Echtzeit. Die Inhalte dieser Filme sind ausgesprochen vielfältig.

Fotorealistisch anmutende Welten

Die Kunstform hat sich seit ihren Anfängen vor 20 Jahren deutlich weiterentwickelt. Die Grafik wurde so stark verbessert, dass manche Spiele heute fast fotorealistisch anmutende Welten bieten. Auch Animationen wirken heute sehr natürlich - ob es der Gang von Menschen ist, Wellenbildung im Wasser oder Lichteffekte aller Art. Manche Machinimas beziehen sich hauptsächlich auf spielerische Leistungen in Games, besonders bei Schieß- oder Auto-Spielen.

"Manche Filme sind wahnsinnig lang"

Der Humor vieler Machinimas erschließt sich vor allem denjenigen, die auch das Spiel kennen, aus dem die Aufnahmen stammen. Aber ebenso viele Machinimas wollen Geschichten erzählen, die nichts mit den Spielen zu tun haben, in denen sie "gedreht" werden. Diese Geschichten sind meist kurz und lustig, manchmal auch lang und tragisch. Mit solch langen Filmen fallen - in der ansonsten fast ausschließlich auf Englisch produzierenden Szene - besonders die deutschen Machinima-Macher auf. "Das, was ich gesehen habe, sind meistens Filme aus dem Computerspiel 'Die Sims'", sagt Matthias Löwe. Er ist Kurator für Machinimas beim renommierten Hamburger Computerspiel-Festival PLAY. "Und diese Filme sind wahnsinnig lang und energiereich. Das sind ganze Staffeln von Serien darüber, wie Leute ein Familienleben inszenieren." Besonders spannend sind neue Geschichten, die im bekannten Gewand eines populären Spiels daherkommen.

Viele Fans in der Online-Welt

Machinimas sind eine meist von Amateuren gepflegte Kunstform, die sehr viele Freunde in den Online-Communitys in aller Welt hat. Und es ist gut möglich, dass sich mit der Entwicklung von Virtual Reality als Massenphänomen ein ganz neues Publikum für Machinimas finden wird.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 16.11.2016 | 15:55 Uhr

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