Stand: 16.12.2015 09:00 Uhr

"Star Wars": Murmeltier-Tag bei den Jedi

Star Wars Episode VII - Das Erwachen der Macht
Vorgestellt von Daniel Kaiser

Alle suchen Luke Skywalker. Der letzte Jedi-Ritter ist im All verschollen. Auch der Film fahndet nach dem Geist der ersten Trilogie und geht dafür zurück zu den Wurzeln und zur Magie der ersten Episoden Ende der 70er-Jahre. Es gibt Verfolgungsjagden mit den gleichen, heute anachronistisch anmutenden Kampffliegern, es gibt brummende Lichtschwerter, die Androiden R2-D2 und C-3PO sind dabei - und ein neuer Androide rollt als kleine Kugel tapfer von Gefahr zu Gefahr und lässt es mit Piepsgeräuschen menscheln.

Auch die Helden von damals tauchen wieder auf: Harrison Ford als Han Solo und Carrie Fisher als (einst Prinzessin, jetzt) Generalin Leia. Beide sind älter geworden. Und ihr Wiedersehen ist einer der rührendsten Momente.

Die letzten drei Filme hatten die Vorgeschichte zur Saga erzählt und dabei auch Figuren wie Jar Jar Binks an Bord, die so sehr auf Kinder im Publikum abzielten, dass es viele Fans enttäuschte. Es ist so, als wolle der neue Film diese zweite Trilogie mit ihren albernen Charakteren als Irrtum abschütteln und rufen "Das hier ist 'Star Wars'!" Der Start in die neue Reihe ist ernster und wieder etwas mehr für Erwachsene.

Wieder ein Todesstern

Eigentlich war die dunkle Seite der Macht ja zerstört. Der Todesstern war explodiert. Aber plötzlich ist alles wieder wie vorher. Die Guten befinden sich schon wieder im zahlenmäßig unterlegenen Widerstand. Von wegen "Erwachen der Macht"! Es ist Murmeltiertag bei den Jedi, denn es sind wirklich die gleichen Geschichten, die nun erzählt werden.

Es ist wieder ein Todesstern, der alles bedroht - nur diesmal viel größer und viel tödlicher. Der Bösewicht hat wieder eine Maske, durch die er atmet und spricht - eine Hommage an Darth Vader, dessen verkohlten Helm und Schädel der Nachwuchs-Bösewicht als Reliquie beschwört. Wieder ist da im Zentrum ein Vater-Sohn Konflikt - es sind aber auch wirklich komplizierte Familienverhältnisse! Und die Bösen stehen wieder in Reih' und Glied mit den gleichen Uniformen, Fahnen und erhobenen Armen und einem kreischenden Anführer wie auf einem Nazi-Parteitag.

Szenen aus "Star Wars: Das Erwachen der Macht"

Alte Ideen - neuer Look

Natürlich geschieht jetzt alles mit einem ungeheuren Tempo und den fantastischen Special Effects, die heute möglich sind. Aber eigentlich, wenn man ehrlich ist, ist der Film nur ein Aufguss. Er ist mutlos. Er hat nichts Überraschendes. Sogar der neue Super-Ober-Bösewicht, der sich immer wieder als Hologramm in die Handlung schaltet, sitzt auf einem Riesenthron wie der alte Imperator. Nur diesmal ist der ultimative Böse eine Art verschrumpelter Alien.

Im Prinzip ist da keine neue Idee. Die alten Ideen sehen jetzt einfach noch ein bisschen besser aus. Und beim gefühlt fünften Showdown an einem wirklich tiefen Abgrund, der sich plötzlich auftut, schaut man im Kino doch schon mal dezent auf die Uhr.

"Star Wars"-Gottesdienst mit alter Band

"Das Erwachen der Macht" wirkt wie eine aufgebrezelte Version der ersten Trilogie. Deshalb wird der Film viele alte Fans freuen, weil er bei ihnen die richtigen Knöpfe drückt. Bei den Verfolgungsjagden durch Wüstenlandschaften rauschen die Flieger an zerstörten Raumschiffen vorbei. Da kennt jeder Fan zu jedem Wrack eine Geschichte. Der Film funktioniert vor allem, wenn er sich auf die alten Filme bezieht. Man freut sich als Zuschauer, wenn man Anspielungen erkennt und mitlachen kann. Die "Star Wars"-Ikonographie wird bedient. Es ist eine Art "Star Wars"-Gottesdienst, bei dem auch die Alien-Band aus der Kneipe wieder aufspielt.

Stormtrooper mit Gewissen

Alles ist wie immer - mit einer Ausnahme: Ein Stormtrooper (das sind die mit den weißen Plastikuniformen) aus der Armee der Bösen desertiert. Er sieht einen Kameraden sterben und flieht. Ein Soldat des Imperiums mit Gewissen - das ist neu und spannend. Der Mann, der eben noch eine Nummer in einer gesichtslosen Armee war, wird ein Individuum, bekommt einen Namen - Finn und eine wichtige Rolle. Es ist der aufregendste Twist des Films und macht aus ihm immerhin noch ein geeignetes Warming up für eine neue Trilogie.

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Star Wars Episode VII - Das Erwachen der Macht

Genre:
Science Fiction
Produktionsjahr:
2015
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Harrison Ford
Regie:
J.J. Abrams
Länge:
135 min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
17. Dezember 2015

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 16.12.2015 | 09:00 Uhr

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