Stand: 03.12.2015 07:00 Uhr

Schwedischer Gute-Laune-Film

Wie auf Erden
Vorgestellt von Hartwig Tegeler

An Weihnachten wird es auch in diesem Jahr im Kino wieder ganz viel Schönes und Besinnliches geben. Versprochen! Damit wenden wir uns einer Weihnachtsgeschichte zu, die - auch wenn sie nicht zu Weihnachten spielt - doch unbedingt das Potential zu einer solchen hätte. Weil sie von der Kraft der Musik, im Besonderen von der des "Messias" von Händel, erzählt: "Wie auf Erden".

 Wo die Welt nicht in Ordnung ist

Am Ende des Vorgängerfilms "Wie im Himmel", da starb Daniel. Der Geigenvirtuose, gespielt von Michael Nyqvist, hatte nach einem ersten Herzinfarkt in seinem Heimatdorf zu sich gefunden, indem er mit einem Provinz-Chor mit der Musik die Herzen der Menschen berührte. Dann der zweite Infarkt. Abspann. Ende!

Jetzt, in der Fortsetzung, steht Lena - wieder gespielt von Frida Hallgren - im Mittelpunkt, Mutter von Daniels Kind, das am Anfang von "Wie auf Erden" unter dramatischen Umständen auf die Welt kommt. Dabei ist die Welt im kleinen schwedischen Dorf nicht gerade in Ordnung. Die Kirche aus dem ersten Teil, wo so jubilierend gesungen wurde, ist wieder leer; keiner interessiert sich für die Predigten des versoffenen Pfarrers.

Betrunkener Pastor hat eine Idee

Eines Tages liegt der trunken in der Küche, Lena findet ihn und trotz Suffs hat er eine Idee: Lena soll den Chor leiten. Und so zaubert Regisseur Kay Pollak Händel, genauer den "Messias", aus dem Hut. Lena nämlich motiviert die Dörfler, im Chor zu singen. Natürlich liegt das an der Kraft des Händelschen "Hallelujah", erzählt uns Pollak in "Wie auf Erden" - und zwar gebetsmühlenartig.

Dabei kann Lena nicht einmal Noten lesen, aber sie hat Elan, Dampf, Power, kann mitreißen. Mit all ihrer sprühenden Energie reißt sie sich quasi die "Messias"-Aufführung in der Kirche gegen alte Feinde, Geliebte und Widersacher unter den Nagel.

Probleme werden weggelacht

Zwar ist die Kirche am Ende voll, der Laienchor gibt das "Hallelujah" aus dem "Messias" leidlich, in jedem Fall besser als erwartet, aber leider ist es gerade Lena alias Frida Hallgren, die uns von dieser Geschichte von Heilung und Genesung nicht überzeugt. Diese Lena lacht mit ihrer unbändigen Energie alle Probleme weg. Sie verströmt unfassbar gute Laune und Lebensfreude, so dass es einfach nicht auszuhalten ist.

"Wie auf Erden" wird so sehr in eine "Feel-Good"-Soße getaucht, dass der Film darin schlicht ersäuft und damit auch seine Botschaft, dass nämlich Musik eine heilende Wirkung hat und eine kommunikative und eine verbindende. Mit anderen Worten, all das lebensfrohe Dauer-Lachen, Dauer-Lächeln und Dauer-Grinsen geht fürchterlich auf die Nerven, weil es gekünstelt wirkt und schlecht gespielt ist. "Wie auf Erden" ist mit seinen zwei Stunden und zehn Minuten nicht nur unglaublich lang, sondern auch ebenso ärgerlich.

Wie auf Erden

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2015
Produktionsland:
Schweden
Zusatzinfo:
mit Frida Hallgren, Jakob Oftebro, Lennart Jähkel
Regie:
Kay Pollak
Länge:
135 min.
FSK:
FSK ab 6 Jahre
Kinostart:
3. Dezember 2015

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 03.12.2015 | 07:20 Uhr

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