Stand: 24.01.2017 16:36 Uhr

Ostalgische Agenten-Posse mit Henry Hübchen

Kundschafter des Friedens
, Regie: Robert Thalheim
Vorgestellt von Walli Müller

Man könnte ja denken, Agentenkomödien seien im Kino schon in allen Varianten erzählt worden. Stimmt aber nicht, eine gibt es noch! In "Kundschafter des Friedens" lässt Regisseur Robert Thalheim drei Ex-DDR-Agenten für den BND arbeiten. Seine Hauptdarsteller sind für den Job perfekt; er konnte nämlich drei DDR-Schauspiel-Veteranen Gewinnen: Henry Hübchen, Michael Gwisdek und Thomas Thieme.

Ex-DDR-Agenten helfen dem BND

Seine Zeiten als "Zonen-James-Bond" hat er schon länger hinter sich. Jetzt ist Falk, gespielt von Henry Hübchen, ein weißhaariger Rentner in Schluffi-Klamotten, der sich am Kiosk nur eben ein Bier holen will. Da wird er von einem BND-Sturmtrupp einkassiert. So ungern es die überheblichen Wessis zugeben, sie sind auf die Hilfe des Ostrentners angewiesen. Ein BND-Mann ist in "Katschekistan" verschollen, und diese - fiktive - ehemalige Sowjetrepublik war zu DDR-Zeiten Falks Revier.

"Kundschafter des Friedens" - diesen besonders hübschen Euphemismus hatte sich der DDR-Auslands-Geheimdienst für seine Spione ausgedacht. Michael Gwisdek erinnert sich auch noch an die zugrunde liegende Denkweise: "Wir hatten ja keine Spione in dem Sinne - schlechter Ruf, ja. Sondern wir hatten Kundschafter, wo die Begründung darin liegt, dass unser Ausspionieren dem Frieden diene. Denn alles, was wir in der DDR gemacht haben, diente immer dem Frieden."

Die Komödie erinnert an 70er-Jahre-Krimis

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Good Cop, bad Cop - Jochen Falk (Henry Hübchen) und Paula Kern (Antje Traue) knöpfen sich einen katschekischen Spitzel vor.

In dieser Agenten-Posse wird nun anno 2017 auf sehr amüsante Weise der gute alte Ost-West-Konflikt wieder heraufbeschworen. Die junge BND-Frau, die mit den drei alten Haudegen ins Krisengebiet reist, kann sich nur wundern über deren ewig gestrige Methoden. Der Witz ist, dass sie zum Teil heute noch wirksam sind.

Mal verblüffend gewieft, mal grandios scheiternd - was die "Kundschafter des Friedens" hier anstellen, bleibt immer überraschend und macht auf jeden Fall großen Spaß. Michael Gwisdek und seine Kollegen hatten den schon beim Drehen.

Auf West-Seite wird die Schauspiel-Generation Ü 70 von Jürgen Prochnow vertreten. Regisseur Robert Thalheim, selbst Jahrgang 1974, beweist im Umgang mit den Alt-Stars ein glückliches Händchen. Weder inszeniert er sie zu helden- noch zu trottelhaft. Auch die optischen Anspielungen auf alte 70er-Jahre-Krimi-Reihen sind sehr charmant. Eine kleine - in gesundem Maß - ostalgische Agenten-Komödie, an der man großes Vergnügen haben kann.

Kundschafter des Friedens

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2016
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Henry Hübchen, Michael Gwisdek, Thomas Thieme
Regie:
Robert Thalheim
Länge:
93 min
FSK:
FSK ab 12 Jahren
Kinostart:
26. Januar 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 25.01.2017 | 06:40 Uhr

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