Stand: 19.02.2017 09:09 Uhr

Filmmuseum erinnert an "Heide-Hollywood"

von Kerstin Geisel

Es liegt ganz nah am Ortszentrum und wirkt doch abgelegen und verwunschen: das Filmgelände von Bendestorf im Landkreis Harburg. Nur eine schmale Stichstraße führt auf das baumgesäumte Gelände mit seinen seit Jahren brachliegenden Produktionshallen, deren Putz Patina angesetzt hat. Es braucht Phantasie, um sich vorzustellen, dass das Studio Bendestorf in der Nachkriegszeit einer der wichtigsten Standorte der westdeutschen Filmproduktion war. Im Ort wimmelte es damals von Stars wie Hildegard Knef, Johannes Heesters und Zarah Leander. An diese Zeiten erinnert das Bendestorfer Filmmuseum, das heute auf dem Studiogelände neu eröffnet wird.

Alte Autogrammkarten von Hollywood-Schauspielern.

Hollywood kehrt zurück nach Bendestorf

Hallo Niedersachsen -

Nach dem Krieg war das Studio Bendestorf in der Lüneburger Heide einer der wichtigsten Standorte der westdeutschen Filmproduktion. Nun sind die Türen des Filmmuseums wieder geöffnet.

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 "Endlich dort, wo es hingehört"

"Damit ist das Filmmuseum endlich dort untergebracht, wo es hingehört", freut sich Walfried Malleskat, vom Verein "Freundeskreis Filmmuseum Bendestorf", der das Museum betreibt. Der alte Standort war nicht optimal: im Dachgeschoss von Makens Huus, einem alten Niedersachsenhaus, in dem auch die Gemeindeverwaltung untergebracht ist. Es war dort eng und dunkel und hatte so gar nichts von Film-Glamour. Umgezogen ist das Museum nun in das frühere Wirtschaftsgebäude des Filmstudios, das auch für Synchronisationen und für Korrekturen an den gedrehten Filmen genutzt wurde. Es bietet mehr Platz für die Schätze des Museums - alte und neue.

Ein Hauch von Hollywood in Bendestorf

Originaldrehbuch von Knef-Film

Einen Ehrenplatz bekommt natürlich wieder das Originaldrehbuch des Knef-Films "Die Sünderin", der 1951 einen riesigen Skandal auslöste: Hildegard Knef spielte eine Prostituierte - unerhört in der konservativen jungen Bundesrepublik. Auch der weinrote Bademantel mit Einschussloch von Anthony Perkins wird wieder ausgestellt. Der US-Schauspieler trug ihn 1991 in "Der Mann nebenan". Es war einer der letzten abendfüllenden Filme, die in Bendestorf gedreht wurden.

Dreidimensionale Hildegard Knef

Neu am künftigen Museumsstandort: eine dreidimensionale Hildegard Knef, die sich durch den Raum zu bewegen scheint. Eine komplizierte 3-D-Holografietechnik macht es möglich. In Endlosschleife werden zudem Film-Dokumentationen wie "Bendestorfer Diven" gezeigt. Erinnert wird darin nicht nur an die Knef und Zarah Leander, sondern auch an Marika Roekk oder Winnie Markus. Außerdem wurde die Filmtechnik-Sammlung um seltene alte Kameras, Schneidetische und Projektoren erweitert.

Einmal die Woche kommunales Kino

Herzstück des Museums - und größter Stolz der Bendestorfer Museumsmacher - ist das wieder hergerichtete Produzentenkino mit seiner Holzvertäfelung aus den 50ern. Nicht original, aber trotzdem besonders sind die blauen und roten Kinosessel: Sie stammen aus den legendären Hamburger Kinos "Streit's" und "Savoy". Der Kinosaal, in dem die Produzenten erste Fassungen ihrer Filme anschauten, solle wieder genutzt werden, sagt Walfried Malleskat: "Wir streben an, dass es künftig einmal in der Woche in Bendestorf kommunales Kino gibt. Mit sehenswerten Bendestorf-Produktionen, aber auch mit ganz neuen Filmen."

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Film-Workshops für Jugendliche geplant

Mit der Neueröffnung des Museums ist allerdings erst ein Etappenziel geschafft. Denn in Betrieb ist bisher nur das Obergeschoss. Das Erdgeschoss liegt noch brach. Dort plant der Museumsverein Film-Workshops für Jugendliche - in Kooperation mit den Schulen. Doch um die Räume herzurichten, fehlen rund 100.000 Euro. "Wir sind dabei, weitere Anträge auf öffentliche Förderung zu stellen", sagt Malleskat.

Produktionshalle droht der Abriss

Das Gebäude mit dem Filmmuseum ist das einzige, das auf dem Studiogelände stehen bleiben soll. Der eigentlichen Produktionshalle droht dagegen der Abriss. Eigentlich hätte er längst stattfinden sollen, verzögerte sich aber durch das komplexe Baugenehmigungsverfahren. "Voraussichtlich im Herbst wird der Abriss nun stattfinden", sagt Projektentwickler Friedrich W. Lohmann aus Winsen/Aller, der auf dem Gelände 30 Luxus-Wohnungen plant. Walfried Malleskat vom Museumsverein hätte gern wenigstens die Halle A 1 erhalten - als historisches Zeugnis und um sie für Veranstaltungen zu nutzen. Doch der Gemeinderat entschied sich dagegen.

Erinnerung an das einstige "Heide-Hollywood"

"Neben dem Filmmuseum noch ein weiteres Gebäude zu bespielen, hätten wir den Anwohnern nicht zumuten können", sagt Bürgermeister Hans-Peter Brink. Und die marode Halle einfach so stehen zu lassen, das gehe - bei aller Liebe zur Bendestorfer Film-Ära - auch nicht. So wird künftig nur noch das Museum an das einstige "Heide-Hollywood" erinnern - neben den edlen Restaurants und den vielen Villen im Ort. Die es ohne die Bendestorfer Film-Ära wohl nie gegeben hätte.

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