Stand: 14.08.2017 10:09 Uhr

Die Mädchenvariante von "Tschick"

Tigermilch
, Regie: Ute Wieland
Vorgestellt von Anna Wollner

2014 war der Jugendroman "Tigermilch" von Stefanie de Valesco für den deutschen Jugendbuchpreis nominiert, jetzt, drei Jahre später kommt die gleichnamige Verfilmung ins Kino.

"Jameelah und ich sind beste Freunde seit ich denken kann. Unzertrennlich und zusammen unbesiegbar. Und damals dachten wir auch, es würde immer so bleiben..." Filmzitat

Vielleicht ist es die jugendliche Naivität, die Nini sympathisch wirken lässt. Vielleicht aber auch das Unbedarfte, das Rotzfreche, der Drang Grenzen auszuloten und auch zu überschreiten. Wie sollte es auch anders sein, bei zwei 14-jährigen Protagonistinnen, die auf den harten Straßen West-Berlins groß werden - und frei nach Berliner Schnauze - kein Blatt vor den Mund nehmen.

"Wir wollten noch gar nicht erwachsen werden. Zumindest nicht ganz. Gerade genug, dass wir in alle Clubs reinkommen und die Typen nicht denken, sie gehen nicht in den Knast wenn sie was mit uns anfangen. Nora sagt, wir sind im Wachstum. Wir brauchen Kalzium. Das ist in der Milch. Aber Milch ist für Kinder. Jameelah und ich, wir trinken Tigermilch." Leseprobe

Ein Getränk mit "Coolheitsfaktor"

Tigermilch ist eine Mischung aus Milch, Maracujasaft und Mariacron. Milch fürs Wachstum, Saft für die Farbe und der Weinbrand für den Coolheitsfaktor, und auf den legen die beiden Wert. Street Credibility, wie sie selbst sagen würden.

Sechs Wochen Freiheit

Vor Nini und Jameelah liegen sechs Wochen Sommerferien, sechs Wochen Freiheit pur. Mal klauen sie Strumpfhosen, mal zocken sie ahnungslose Freier auf dem Straßenstrich ab, mal hängen sie einfach nur im Freibad rum. Ihr Großprojekt für die Ferien: die Entjungferung. Der Film von Ute Weilandt erzählt dabei aus Sicht der Jugendlichen, nimmt ihre Perspektive ein und nähert sich ihren Problemen auf Augenhöhe.

Bei aller Leichtfüßigkeit von Ton und Tempo - Probleme gibt es in "Tigermilch" viele. Es geht um Ehrenmord, um Ausbürgerung und Abschiebung - das ist viel. Zu viel fast schon. Aber dennoch, das große Glück des Films sind die beiden Hauptdarstellerinnen Flora Li Thiemann und Emily Kusche. Sie stehen das erste Mal vor einer Kamera und bringen die nötige Spielfreude mit. "Tigermilch" ist ein Film voller Energie, getrieben von der Musik und dem Drang der beiden Hauptfiguren, den Sommer ihres Lebens zu erleben.

Die Mädchenvariante von Tschick. Nur eben rotzfrech und weiblich.

Tigermilch

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Flora Li Thiemann, Emily Kusche, David Ali Rashed, Narges Rashidi, Gisa Flake, Heiko Pinkowski, Anna Büttner, Luna Zimic Mijovic
Regie:
Ute Wieland
Länge:
106 min
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
17. August 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Neue Filme | 16.08.2017 | 06:40 Uhr

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