Stand: 08.02.2017 09:40 Uhr

"Fifty Shades": Cinderella mit Gleitmittel

von Bettina Peulecke

Die Romantrilogie "Fifty Shades of Grey" der britischen Autorin E. L. James hat sich auf der britischen Insel als Taschenbuch sogar noch besser verkauft als die Harry-Potter-Romane. Klar, dass die Vermarktung auf der Leinwand also weitergeht - mit allem Brimborium wie Weltpremiere, Europa-Premiere, rotem Teppich, Blitzlicht und kreischenden Fans. Genau dies - Teppich, Licht, Fans - gab es in Hamburg neben dem Bahnhof Dammtor zu erleben. Dort, im Cinemaxx, wurde die Europa-Premiere von "Fifty Shades of Grey, Teil 2" gefeiert.

Kein Porno, sondern ganz normal?

Die weiblichen Fans waren eindeutig in der Überzahl. Jamie Dornan alias Christian Grey erspähte allerdings auch ein paar männliche Fans in der Masse - und fand es, so oder so, ziemlich verrückt.

Einige waren sogar extra angereist, so wie Wiebke aus München. Die 35-Jährige stand von 8 Uhr morgens an den ganzen Tag bei Minusgraden vor dem Hamburger Cinemaxx-Kino, um auf der Leinwand das zu sehen, was oft und gern auf den rein sexuellen Aspekt der Geschichte reduziert wird. "Ich kann es nicht mehr hören, wenn in den Medien das Wort Porno benutzt wird für den Film. Die machen ganz normale Sachen", meint sie.

Die Frage nach dem Frauenbild

Weitere Informationen

"Fifty Shades Of Grey 2": Die Story geht weiter

Das Buch" Fifty Shades of Grey" war ein Überraschungserfolg. Es folgten weitere Bücher - und nun auch ein weiterer Film. Am Abend hat Teil 2 in Hamburg Premiere. Autorin E.L. James kommt auch. Bildergalerie

Also: kein Porno. Und in der Tat ist der zweite Teil noch weniger explizit als der erste. Vielmehr ist die Geschichte zwischen der jungen Anastasia Steele und dem sadomasochistischen Christian Grey für viele Fans eine große Liebesgeschichte - auch wenn Mr. Grey dabei der Herr im Haus bleibt. "Er bleibt zwar immer der Kontrollfreak, aber er ändert sich", findet Wiebke. "Er ändert die Art und Weise, wie er die Liebe sieht. Er hat halt seine Vorlieben, was er gern macht. Das macht sie dann halt mit. Aber es geht hauptsächlich um die beiden."

Sie macht das halt so mit - nachdem Anastasia zunächst jedoch nach einem schmerzhaften sexuellen Erlebnis von Christian genug hatte, kommen die beiden im zweiten Teil nun wieder zusammen. Was für ein Frauenbild wird da projiziert? Ein rückständiges, unterwürfiges? Weit gefehlt - sagt zumindest E. L. James. Für sie ist ihr Roman definitiv ein feministisches Buch. Und: Sie sieht den Charakter der Anastasia Steele als sehr zeitgemäß. Zwar ein etwas schüchterner Bücherwurm, ja, aber sehr stark - denn das muss sie sein, um jemanden wie Christian zu ändern.

Um Rettung also geht es. Nur dass Anastasia ihren Prinzen retten will. "Fifty Shades of Grey" ist so gesehen auf der Leinwand nichts anderes als Cinderella mit Gleitmittel.

Weitere Informationen
24 Bilder

Erotische Skandale in Film und Fernsehen

Ein Kuss auf der Leinwand sorgte 1896 für einen Filmskandal. In den 1970ern waren es Sadomaso-Szenen, die Pier Paolo Pasolini berühmt machten. Heute schockiert Sex im Film dagegen kaum noch. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 08.02.2017 | 07:56 Uhr

Mehr Kultur

02:22

Porträt: Die Fotografin Anna Zuidema

20.08.2017 20:15 Uhr
Landpartie - Im Norden unterwegs
25:15

Das Gespräch mit Viet Thanh Nguyen

19.08.2017 18:00 Uhr
NDR Kultur
43:38

Als die Nackten an die Ostsee kamen

19.08.2017 11:30 Uhr
Unsere Geschichte