Stand: 18.10.2017 10:20 Uhr

Kieler Matrosenaufstand wird zum Filmstoff

von Christine Pilger

Im November 1918 wird Kiel zum Mittelpunkt des Deutschen Reiches - und geht mit dem "Kieler Matrosenaufstand" in die Geschichtsbücher ein. Schon länger gibt es in der Landeshauptstadt spezielle Führungen entlang der historischen Orte. Im nächsten Jahr wollen auch die Museen zum 100. Jahrestag ausgiebig an den Matrosenaufstand erinnern. Außerdem wird in ganz Schleswig-Holstein aktuell ein Doku-Drama von NDR und Arte zum Kieler Matrosenaufstand gedreht: "Novembersturm". Am Montag war Drehbeginn in Schönberg im Kreis Plön.

Matrosen aus Novembersturm proben.

Drehstart für Doku über Kieler Matrosenaufstand

Schleswig-Holstein Magazin -

Mit ihm begann die Revolution und endete die Monarchie: 2018 jährt sich der Kieler Matrosenaufstand zum 100. Mal. Im Doku-Drama "Novembersturm" wird die Geschichte lebendig.

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Originalgetreue Kostüme und Straßenbahnen

Zurück ins Jahr 1918 - in Schönberg? Funktioniert! Die Kulisse am Museumsbahnhof Schönberger Strand ist dafür perfekt. Eine beige-grüne Straßenbahn erinnert an die Zeit, als in Kiel noch Schienen durch die Straßen gingen. Auch eine alte Pferdekutsche steht für die nächste Szene bereit.

Die Kostüme der Schauspieler sind ebenfalls originalgetreu: Hauptdarsteller Lucas Prisor trägt eine marineblaue Matrosenuniform mit goldenen Knöpfen. Der Hannoveraner spielt die Rolle des Arbeiterführers Karl Artelt. Das Kostüm hilft ihm dabei, die Bedeutung dieser historischen Person nachzuempfinden: "Wenn man ein Kostüm anhat oder besondere Schuhe oder so eine Matrosenuniform, das macht schon sehr viel aus. Ich habe mir auch extra einen Schnäuzer schneiden lassen", sagt er.

In Kiel beginnt die Novemberrevolution

Kurz zur historischen Einordnung: Der Film spielt im Deutschen Kaiserreich, Ende Oktober 1918. Der Erste Weltkrieg war quasi verloren. Die Marineleitung forderte ihre Matrosen aber trotzdem auf, in eine letzte entscheidende Schlacht gegen Großbritannien zu ziehen. Die Hochseeflotte in Wilhelmshaven weigerte sich, die meuternden Matrosen werden unter anderem in Kiel inhaftiert.

Aber auch hier waren Matrosen, Soldaten, Arbeiter kriegsmüde und solidarisierten sich mit den Gefangenen. Jetzt war es nicht mehr nur eine Meuterei, sondern ein großer Aufstand. Über eine Woche gab es jede Menge Kundgebungen in Kiel - bis zum 9. November die Weimarer Republik ausgerufen wird. Die Novemberrevolution 1918 begann also mit dem Matrosenaufstand in Kiel.

Karl Artelt: Bereit, alles zu opfern

Blick auf demonstrierende Matrosen in Kiel im Oktober 1918, die den Befehl der Admiralität, trotz des Ersuchens um Friedensverhandlungen der neuen Regierung Max von Baden doch noch zu einer letzten Schlacht gegen Großbritannien auszulaufen, verweigern. © dpa - Bildarchiv

1918: Rote Fahnen über Kiel

NDR Info -

Der Kieler Matrosenaufstand markierte 1918 den Anfang vom Ende des deutschen Kaiserreiches. In Archivaufnahmen aus dem Jahr 1976 erinnern sich Zeitzeugen an die Ereignisse.

Und mittendrin: Karl Artelt von der Torpedo-Division, SPD-Mitglied. Durch ihn wurde der Aufstand politisch. Er gründete auch den ersten Soldatenrat. "Er opfert eigentlich alles, inklusive seines Lebens", sagt Artelt-Darsteller Lucas Prisor: "Er ist theoretisch auch bereit seine Liebe zu opfern, obwohl sie ihn total unterstützt. Es gibt eine Szene, wo er die Revolution anführt - also einen Streik, der dann ziemlich bösartig endet. Anstatt seine Verlobte zu beschützen, führt er seine Priorität weiter, diesen Trupp anzuführen."

Die Schauspielerin Henriette Confurius spielt in Novembersturm die Verlobte des Arbeiterführers, Helene Hartung. Eine fiktive Rolle. Sie übernimmt Botengänge, klaut Waffen für die Aufständischen. Confurius selbst freut sich über diese starke Frauen-Rolle und ist froh, Teil des Doku-Dramas von Regisseur Jens Becker zu sein.

Schwierige Suche nach Zeitzeugen

Der Kieler Matrosenaufstand im November 1918 ist alles andere als dröger Geschichtsstoff - da sind sich die Darsteller einig. Schwierig gestaltete sich allerdings die Suche nach Quellen und Erinnerungsstücken vorab. Viele der beteiligten Soldaten und Arbeiter des Matrosenaufstandes verließen Kiel im November 1918 wieder, so blieben kaum Zeitzeugen und Dokumente übrig.

Für die Realisierung von "Novembersturm" war das eine Herausforderung, erzählt die verantwortliche NDR Redakteurin Ulrike Dotzer: "Wir haben große Unterstützung gekriegt, aus Kiel vom Stadtarchiv, auch von der Universität Kiel. Regisseur Jens Becker hat viele getroffen, hat versucht all die Materialien auch zu sammeln. Hat sogar alte Fotos selber noch ersteigert."

Im November 2018 soll das Doku-Drama von Jens Becker im NDR- Fernsehen ausgestrahlt werden - passend zum 100. Jahrestag. Dafür wird in diesen Tagen unter anderem noch in Kiel, Geesthacht und Wentorf bei Hamburg gedreht.

Geschichte
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 17.10.2017 | 20:00 Uhr

Rückblick

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