Stand: 14.02.2017 10:30 Uhr

"T2 Trainspotting" - gelungene Fortsetzung

T2 Trainspotting
, Regie: Danny Boyle
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Der Film "Trainspotting" von 1996 traf den damaligen Zeitgeist und avancierte schnell zum Kultstreifen. Nach langem Zögern inszenierte nun derselbe Regisseur, Dany Boyle, mit denselben Darstellern von damals, darunter Ewan McGregor, "T2 Trainspotting".

Danny Boyle im Interview

Neuer "Trainspotting"-Film: Gealterte Helden

Kulturjournal -

Warum ein zweiter Teil des Kultfilms? Das lässt sich Julia Westlake von Danny Boyle auf der Berlinale persönlich erklären.

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Kultfilm in neuem Look

Bei Fortsetzungen stellt sich automatisch die Frage nach deren Daseinsberechtigung. Besonders wenn ein Film doch so etwas wie perfekt war - so wie "Trainspotting". Er schaffte, was viele seither versuchten und selten erreichten: Er hatte eine neue Geschichte, neue Gesichter, einen neuen Look und einen genialen Soundtrack. Ein atemloser Drogentrip von vier abgefuckten Typen in Edinburgh.

Am Ende war Mark Renton, damals wie heute grandios dargestellt von Ewan McGregor, nach einem gelungenen Coup mit der Kohle aller seiner Kumpel abgehauen. Denn damals wie heute gilt: "Zuerst kommt die Gelegenheit, dann kommt der Verrat … Mark hat mich bestohlen, seinen besten Freund." Marks bester Freund war und ist Simon (Jonny Lee Miller), alias "Sick Boy", der die Nase immer noch nicht vom Koksen voll hat und den Mark in der abgewrackten Kneipe seiner Großmutter aufsucht, als er 20 Jahre später nach Edinburgh zurückkehrt.

Die Loser von damals haben sich kaum geändert

Zunächst einmal verspürt Sick Boy das dringende Bedürfnis, Mark zu verprügeln. Der ewige Junkie Spud (Ewen Bremner) hingegen, der immer noch an der Nadel hängt und gerade versucht hat sich umzubringen, freut sich darüber, dass Mark wieder da ist. So treffen wir auf dieselben Loser von damals, deren Leben heute auch nicht viel besser ist.

Filmszene aus "Trainspotting 2" - Mark Renton (Ewan McGregor) und Simon (Jonny Lee Miller) © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

Filmtrailer: "T2 Trainspotting"

Regisseur Danny Boyle ist sich bewusst, welchen Einfluss "Trainspotting" in den 90ern auf die gesamte Popkultur hatte. Mit "T2 Trainspotting" will er Erinnerungen beim Zuschauer auslösen.

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"Sag Ja zum Leben" war ein Zitat aus einem Antidrogenspot der 1990er-Jahre, den die Jungs damals persiflierten. Jetzt machen sie sich verzweifelt über etwas anderes lustig: "Sag Ja zu Facebook, Twitter, Snapshot, Instagram und zu 1.000 anderen Wegen, Menschen, die dir nie begegnet sind, mit deinem Scheiß zu belästigen. Sag Ja zu deinem neuen Profil. Teile der Welt mit, was du gefrühstückt hast. Und hoffe drauf, dass es irgendwo irgendwen interessiert."

Rückblick auf die 90er-Jahre

Interessant ist, wie "T2 Trainspotting" es schafft, kein reines, upgedatetes Abziehbild des Originals zu sein. Das gelingt durch verschiedene Selbstreferenzen, musikalisch mit Remixen der Klassiker und auch bildlichen Anspielungen. Der Regisseur Danny Boyle ist sich bewusst, welchen Einfluss "Trainspotting" in den 90ern auf die gesamte Popkultur hatte. Nun will er Triggerpunkte beim Publikum aktivieren, die Erinnerungen auslösen.

Das funktioniert, auch für den Schauspieler Ewan McGregor: "Es ist ein unglaublich romantischer Rückblick auf die Zeit unserer Jugend. So empfinden es zumindest die Charaktere im Film, aber gleichzeitig auch wir, die Schauspieler. Das ist sehr nostalgisch."

Blöd nur, wenn die Vergangenheit rückblickend irgendwie nicht mehr so klasse aussieht, die Gegenwart gleichermaßen beschissen und man nicht weiß, was man in der Zukunft eigentlich anfangen soll. Als Geschichte ist das ziemlich dünn. Einmal sagt Sick Boy zu Renton, er sei nur aus nostalgischen Gründen zurückgekommen. Er wäre ein "Tourist in seiner eigenen Jugend" - und das gilt wohl auch für die Zuschauer.

T2 Trainspotting

Genre:
Dramödie
Produktionsjahr:
2016
Produktionsland:
Großbritannien
Zusatzinfo:
mit Ewan McGregor, Jonny Lee Miller, Ewen Bremner, Robert Carlyle
Regie:
Danny Boyle
Länge:
117 Min.
FSK:
FSK ab 16 Jahre
Kinostart:
16. Februar 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 15.02.2017 | 06:40 Uhr

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