Stand: 20.09.2017 14:00 Uhr

"Körper und Seele": Ein traumhafter Liebesfilm

Körper und Seele
, Regie: Ildiko Enyedi
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Auf der vergangenen Berlinale wurde der ungarische Film "On body and soul" von der Regisseurin Ildikó Enyedi von Publikum und Kritik gefeiert - und gewann den Hauptpreis der Festivals, den Goldenen Bären. Nun kommt er unter dem Titel "Körper und Seele" bei uns in die Kinos.

Um es gleich zu sagen: "Körper und Seele" von der ungarischen Regisseurin Ildikó Enyedi ist der Liebesfilm des Jahres. Schauplatz ist ein Schlachthaus. Und, dieser Kalauer muss sein, er wird keineswegs ausgeschlachtet. Vielmehr ist der Ort Hintergrund für eine Liebesgeschichte von geheimnisvoller Schönheit.

Szene aus dem Film "Körper und Seele" © © Alamode Film 2017

Filmtrailer: "Körper und Seele"

Ildikó Enyedis "Körper und Seele" ist ein Film über das Wunder der Liebe, über zwei Seelen, die sich gefunden haben und doch lernen müssen, sich immer wieder aufs Neue aufeinander zuzubewegen.

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Sprachlose Verbundenheit

Allein durch ihre Blicke wirken die beiden Hauptfiguren schon bei der allerersten Begegnung in der Kantine des Schlachthofes so, als gebe es zwischen ihnen eine Verbindung. Endre ist der etwa 50-jährige Finanzdirektor. Er hat einen gelähmten Arm und erwartet vom Leben nicht mehr viel. Mária ist die neue Fleischkontrolleurin. Sie wirkt seltsam verschlossen und offenbar kann sie gar nicht anders, als immer die Wahrheit zu sagen.

Schon nach kurzer Konversation haben sich Mária und Endre nichts mehr zu sagen. Worte, Sätze, Pausen liegen wie unsichtbare Trümmerhaufen zwischen den beiden. Sie, jung, blond, ernsthaft, mit durchgedrücktem Rücken, hat Angst vor Berührungen. Er hat sich - wohl nach früheren Liebesverletzungen - in sich selbst verbarrikadiert. Was die beiden nicht wissen: Sie haben jede Nacht dieselben Träume von einem Hirschen und einer Hirschkuh, die durch einen winterlichen Wald ziehen, Futter suchen, einander beschnuppern. Durch Zufall stellt sich dies durch Sitzungen bei der Betriebspsychologin heraus.

Szenenbilder aus dem Film "Körper und Seele"

Gleichklang der Gefühle

Es ist wunderbar zu sehen, wie diese beiden Figuren erschüttert, verunsichert, irritiert sind. Durch ihren mysteriösen nächtlichen Gleichklang. Durch einen Gefühlsdialog, den sie schon lange miteinander führen, ohne dass sie davon wussten.

Das Wild, der Wald, der Schnee - die Bilder dieser stillen, poetischen Zweisamkeit stehen im seltsamen Gegensatz zum eher sterilen, in Grün- und Weißtönen gehaltenen Ambiente des Schlachthofs. Wie eine Malerin spielt Ildikó Enyedi mit den Farben, mit dem Wechsel von Schärfen und Unschärfen. In diesen Bildern wirken Mária und Endre wie aufgehoben - und sie brauchen ihn auch, den Rückhalt der Bilder. Denn ihre Begegnungen in der Kantine sind ein Hin-und-Her, ein Vor-und-Zurück, eine Choreografie der Unsicherheit.

Poetische Zweisamkeit in steriler Umgebung

Nebenbei erzählt "Körper und Seele" vom Alltag im Schlachthof, von all den anderen Formen der Anziehung zwischen Menschen. Unter den Kollegen drehen sich die Gespräche vor allem um Klatsch, Sex und Affären. Ein Mittel zur Potenzsteigerung von Bullen wird aus dem Medizinschrank geklaut. Ein junger vitaler Kollege bringt Unruhe in die Belegschaft. Derweil arbeiten sich unsere Liebenden langsam zueinander vor. Endre kauft sich ein After-Shave und Mária sucht Hilfe bei ihrem alten Kindertherapeuten.

"Körper und Seele" ist ein Film über das Wunder der Liebe im Schlachthaus des Lebens. Über die Schwierigkeit, sich zu öffnen. Über zwei Seelen, die sich gefunden haben, und die doch lernen müssen, sich immer wieder aufs Neue aufeinander zuzubewegen.

Körper und Seele

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Ungarn
Zusatzinfo:
mit Alexandra Borbély, Morcsányi Géza, Réka Tenki
Regie:
Ildiko Enyedi
Länge:
116 Min.
FSK:
FSK ab 12 Jahren
Kinostart:
21. Sept 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 21.09.2017 | 07:20 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/film/Drama-Koerper-und-Seele,koerperundseele102.html

Auszeichnung für Regisseurin Ildikó Enyedi

Die ungarische Tragikomödie "On Body And Soul" von Ildikó Enyedi hat den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen. Der Finne Aki Kaurismäki wurde als bester Regisseur ausgezeichnet. mehr

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