Stand: 05.11.2015 14:45 Uhr

Unbekannte Fakten über Erich Mielke

von Matthias Schümann
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Der Filmproduzent und Autor Gunnar Dedio stammt aus Rostock. Zu seinen wichtigsten Produktionen gehört die Dramaserie "14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs".

Erich Mielke war der Chef des Staasicherheitsdienstes der DDR. Er war wohl nicht nur einer der am meisten gehassten Männer des DDR-Regimes, sondern wohl auch der am meisten gefürchtete. "Erich Mielke - Meister der Angst" heißt denn auch ein neuer Film, der dem Mann nachspürt, der von 1957 bis 1989 der erste Geheimdienstler der DDR war. Produzent dieses Dokudramas ist der aus Rostock stammende Filmemacher Gunnar Dedio.

Was trieb Erich Mielke an?

In einer Gefängniszelle sitzt ein kleiner Mann mit Lederhut und großer Brille: Erich Mielke. Ihm gegenüber eine Frau um die vierzig. Die Psychologin Anna Luisa Brand. Mielke will nicht mit ihr reden. Es ist das Jahr 1991. - Der Film über Erich Mielke beginnt, als der Ex-Stasi-Chef in Berlin Moabit in Untersuchungshaft sitzt.

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Im Landgericht Berlin Moabit begrüßen sich am 12. November 1992 der ehemalige DDR-Staatschef Honecker (r.) und der mitangeklagte frühere Stasi-Chef Mielke.

Weil Mielke und die Psychologin dann doch noch ins Gespräch kommen, erzählt der Film in langen Rückblenden von der Stasi vor allem im letzten Jahr der DDR. Von den gefälschten Wahlergebnissen im Frühjahr 1989 bis zur Entmachtung der Honecker-Regierung im Herbst. Vor allem aber erzählt der Film von dem noch immer weithin unbekannten Hauptakteur der Stasi: Erich Mielke. "Wer so etwas auf die Beine stellt, muss einen sehr starken Motor haben, und mich interessierte: Was trieb Mielke an?" fragte sich Produzent Gunnar Dedio.

Angst auf beiden Seiten

Filmtipp

Erich Mielke - der meist gehasste Mann der DDR

Fünf Jahre dauerte die Recherche für den Film "Erich Mielke - Meister der Angst". Aus internationalen Archiven wurden unbekannte Details aus dem Leben des Stasi-Chefs ans Licht geholt. mehr

Der Film gibt darauf eine klare Antwort: Es war die Angst auf beiden Seiten. Zeitzeugen bestätigen das. Zum Beispiel Roland Jahn, damals Oppositioneller, heute Chef der Stasi-Unterlagenbehörde: "Die Stasi hat die Angst geschürt. Sie wollte, dass man denkt, einer von dreien kann von der Stasi sein. Sie wollte, dass man verunsichert ist."

Der Film dokumentiert nicht nur die Angst der anderen, sondern findet sie auch als Antrieb in Mielkes eigener Biografie: Elend und Selbstunsicherheit prägten ihn in seiner Kindheit und Jugend. Der ängstliche, überempfindliche Junge sehnte sich nach Anerkennung und Geborgenheit.

Die Zeugen wollen nicht reden

Fünf Jahre dauerte die Recherche für den Film. Wie schwer sie war, erzählt Gunnar Dedio: "Wir haben die Interviewpartner gesprochen, die bereit und in der Lage waren, sich vor der Kamera zu äußern. Es ist nach wie vor so, dass die allermeisten Menschen, die in irgendeiner Form etwas mit Erich Mielke zu tun hatten, darüber nicht reden wollen. Es war eine sehr interessante Erfahrung, wie viele Menschen bereit und in der Lage sind, sich über alle möglichen Fragen auch vor der Kamera zu unterhalten - nur nicht über die einzige, die Erich Mielke betreffende. Höchst spannend!"

Unbekannte Details in CIA-Archiven

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Regisseur Jens Becker, Schauspieler und Mielke-Darsteller Kaspar Eichel und Filmproduzent Gunnar Dedio im ehemaligen Büro des Stasi-Chefs

In internationalen Archiven trugen die Filmemacher unbekannte Details aus Mielkes Leben zusammen. Noch sind nicht alle Akten frei zugänglich. Die CIA zum Beispiel hält Dokumente zurück, woraufhin Dedio den amerikanischen Geheimdienst verklagte. Das Urteil wird noch in diesem Jahr erwartet. Der Film arbeitet mit historischen Aufnahmen, aber auch mit gespielten Szenen, in denen Darsteller Kaspar Eichel mal als jovialer, mal als autoritärer Geheimdienstchef auftritt.

Vor allem anhand der Gutachten von 1991 gelingt dem Film ein Psychogramm Erich Mielkes als großem Unbekannten hinter dem DDR-Staatssicherheitsdienst. Wie ein Mensch zu einem rücksichtslosen Diktator werden kann, darauf findet aber auch dieser Film keine abschließende Antwort.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.11.2015 | 19:03 Uhr