Stand: 27.07.2017 14:09 Uhr

Bud-Spencer-Doku für echte Fans

Sie nannten ihn Spencer
, Regie: Karl-Martin Pold
Vorgestellt von Daniel Kaiser

Bud Spencer war der König des Haudrauf-Humors. Filme wie "Vier Fäuste für ein Halleluja" oder "Sie nannten ihn Mücke" begeistern bis heute Millionen auf der ganzen Welt. Jetzt erzählt der Dokumentarfilm "Sie nannten ihn Spencer" vom Geheimnis des Erfolgs des mittlerweile verstorbenen italienischen Schauspielers Carlo Pedersoli.

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Er hat den Films gedreht: der österreichische Regisseur Karl-Martin Pold.

Mit Pfannen und Fäusten gegen die Bösen - immer druff! Das ist der Sound von Bud Spencer. Doch Carlo Pedersoli war nicht nur der bärtige Riese mit der eisernen Rechten, sondern auch ein Pilot, ein Erfinder mit echten Patenten und ein Olympia-Schwimmer. "Bud Spencer ist Weltkulturerbe", sagt der österreichische Regisseur Karl-Martin Pold. "Jeder kann etwas mit ihm verbinden. Carlo Pedersoli hat ein Leben für zehn geführt. Es war höchste Zeit, einen Film über ihn zu drehen."

Kalauern, was das Zeug hält

Nach einem Uni-Projekt, bei dem er vor acht Jahren einen Trailer für eine fiktive Bud-Spencer-Doku ins Internet gestellt hatte, meldeten sich bei ihm elektrisierte Fans aus aller Welt und ermutigten ihn, den Film wirklich zu drehen.

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So weit kann Starverehrung gehen: Zwei Jungs haben sich den Kopf von Bud Spencer auf ihren Unterschenkel tätowieren lassen.

Entstanden ist ein bis ins letzte Detail liebevoller Film, der - wie die Reaktionen nach den ersten Aufführungen zeigen - auch hartgesottenen Bud-Spencer-Fundamentalisten (die mit den Tattoos) abwechselnd Lach-Tränen und solche der Rührung in die Augen treibt.

Backpfeifen und Frikadellen

"Sie nannten ihn Spencer" begleitet Marcus aus Augsburg und den von Geburt an blinden Jorgo aus Berlin - zwei Hardcore-Fans, die unbedingt einmal Bud Spencer treffen wollen. Sie steigen in einen Kleinbus und fahren los. Es wird eine Odyssee, denn Bud Spencer lebte zuletzt zurückgezogen. Auf ihrem komplizierten Weg über Paris treffen sie die anderen Schauspieler aus den Filmen von damals - auch Ricardo Pizutti, den "Silberlocke" genannten Oberbösewicht, der stets am meisten Schläge abbekommen hat.

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Der Schauspieler Terence Hill spielte über drei Jahrzehnte an der Seite von Bud Spencer in Filmen wie "Hannibal" ( 1959 ) "Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971) und "Die Troublemaker" (1994).

Terence Hill gibt eines seiner sehr seltenen Interviews. Herrlich ist es, wenn Weggefährten von Bud Spencers echter Liebe zum Essen erzählen. "Einmal hatte er 40 kleine Frikadellen vor sich", erinnert sich der Regisseur Allessandro Capone. "Ich habe ihn gefragt: 'Darf ich eine?' Er sagte: 'Nein'. Ich dachte er macht einen Witz. Beim Essen machte er nie Witze."

Deutsche Synchron-Freiheit

Die Reise der beiden Bud-Spencer-Ultras, die mit zugekniffenen Augen tatsächlich ein bisschen wie Wiedergänger von Bud Spencer und Terence Hill aussehen (der eine blond und schmal, der andere dunkelhaarig und kräftig) und sich mit Filmzitaten necken, hat manchmal Längen. Die zahllosen Filmausschnitte mit den trockenen One-Linern machen das wieder wett. Die deutschen Versionen der Filme waren viel witziger als das italienische Original. Mit Frechheit und Zeitgeist hat Rainer Brandt die Synchronisation besorgt. "Sobald Bud Spencers Lippe und Mund nicht zu sehen sind, wird gekalauert, was das Zeug hält", erläutert der Filmwissenschaftler Christian Heger.

Fundraising-Marathon

Links

Bud Spencer & Terence Hill Fanseite

Überblick über das Leben und Schaffen von Bud Spencer und Terence Hill extern

www.budspencer.de

Fanseite mit Filmografie, Biografie und mehr extern

Acht Jahre lang hat Karl-Martin Pold an dem Film gedreht. Finanziert zuallererst von anderen Fans, die ihn auch als Kameramänner, Übersetzer und Computerspezialisten unterstützt haben. "Nur mit Hilfe der Fans habe ich es geschafft, diesen Film zu produzieren", sagt er. Es ist kleines Fan-Wunder.

Türenknallen und letzte Hoffnung

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Die Protagonisten Marcus und Jorgo sind ihrem Idol so nah...

Marcus und Jorgo sind am Ende ganz dicht dran an ihrem Helden. Es bricht einem fast das Herz, wie sie da mit einer Bud-Spencer-Marionette als Gastgeschenk vor seinem Büro stehen und auf Englisch, auf Deutsch und mit einem verzweifelten "Prego!" die resolute Sekretärin vergeblich um Einlass bitten und ihnen die Tür dann doch wieder lautstark vor der Nase zugeschlagen wird. Ob das wirklich das Ende ist, soll hier nicht verraten werden.

Wer war Bud Spencer?

Obwohl man viele Einzelheiten über die Biographie Carlo Pedersolis erfährt, ist der Film vor allem von dem Gedanken beseelt, dass Bud Spencer echt ist; dass Pedersoli nur ein anderer Name für den lebenslustigen, gutmütigen kräftigen Kerl ist, der mit seiner gerechten Faust zur Vaterfigur für Millionen geworden ist. Am Ende hat der Film es geschafft, dass man ihm genau das glaubt.

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Sie nannten ihn Spencer

Genre:
Dokumentation
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Bud Spencer, Terence Hill, Marcus Zölch, Jorgo Papasoglou
Regie:
Karl-Martin Pold
Länge:
125 min
FSK:
FSK ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
27.07.2017

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 27.07.2017 | 19:00 Uhr

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