Stand: 04.11.2015 19:03 Uhr

Bruderkampf auf isländisch - "Sture Böcke"

Sture Böcke (Original: "Hrutar")
Vorgestellt von Patricia Batlle

Mit "Sture Böcke" legt der isländische Dokumentarfilmer Grímur Hákonarson (Jahrgang 1977) seinen zweiten Spielfilm vor. Der international mehrfach preisgekrönte Film hat die Nordischen Filmtage Lübeck eröffnet - in Anwesenheit des Regisseurs und der zwei Hauptdarsteller Sigurður Sigurjónsson und Theodór Júlíusson. Filmstart ist am 31. Dezember 2015.

Was bringt zwei alternde Brüder dazu, 40 Jahre lang kein Wort mehr miteinander zu reden? Sie wohnen in einem abgeschiedenen Tal Islands auf angrenzenden Grundstücken, getrennt nur durch einen dünnen Metallzaun. Frau oder Kinder haben beide nicht. Der ganze Stolz der Schafzüchter Gummi (Sigurður Sigurjónsson) und Kiddi (Theodór Júlíusson) sind ihre Zuchtböcke, die einer uralten Rasse entstammen. Ganz Island kauft den Männern, die mit ihren Wollpullovern, wehenden grauen Haaren und langen Bärten ihren Tieren immer ähnlicher werden, die Schafe ab.

Bruderzwist und stolze Schafe: "Sture Böcke"

Zwist verschärft durch Züchterwettbewerb

Dass die beiden sich spinnefeind sind, weiß jeder im Tal, das von der Schafszucht lebt. Der Zwist - dessen Ursache nie aufgeklärt wird - wird durch den jährlichen Züchterwettbewerb genährt. Wieder einmal erhält Gummis Bock durch einen halben Punkt Vorsprung den ersten Platz vor Kiddis Prachtexemplar. Frustriert zerrt Kiddi sein Tier in die Badewanne und wäscht es gründlich, poliert ihm sogar die Hörner. Nachts schleicht er in den Stall, um den brüderlichen Siegerbock zu untersuchen und macht eine Entdeckung, die den Landstrich und sein Verhältnis zum Bruder nachhaltig verändern wird: Das Tier weist Merkmale der tödlichen Krankheit BSE auf. Damit die Seuche nicht weitergetragen wird, müssen nun Hunderte Schafe eingeschläfert werden.

Regisseur Hákonarson kennt das Landleben

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Autorenfilmer Grímur Hákonarson kennt das Landleben Islands gut. Das schwierige Casting für die Filmschafe hat ihm viel Spaß gemacht.

Regisseur und Drehbuchautor Grímur Hákonarson hat selbst viel Zeit auf dem Land in Island verbracht und erlebt, wie sich das Keulen einer Herde auf Finanzen und Psyche der Züchter auswirkt. Mit bedächtig gefilmten Einstellungen von Sturla Brandth Grøvlen (der preisgekrönte Kameramann von Sebastian Schippers "Victoria"), die sowohl die prächtige Herbstlandschaft im Tal zeigen, wie später die Härte des Winters, nähert sich Hákonarson den verfeindeten Helden. Die Not, ein paar Schafe der alten Rasse vor den staatlichen Tierärzten zu retten, zwingt sie, miteinander zu reden. Doch die Behörden sind ihnen auf der Spur.

Von viel lakonischem Humor durchzogen - so rettet einmal ein Bruder den anderen vor dem Erfrieren, indem er ihn in der Schaufel eines Treckers zum Krankenhaus fährt und dort auskippt - erzählt "Sture Böcke" zwischen Komödie und Drama die zeitlose Geschichte von Bruderzwist und von der Symbiose zwischen Mensch und Tier im ländlichen Island. Die Schafzucht war Jahrhunderte lang ein bedeutender Wirtschaftszweig und ist Teil der Identität der Insel. Das Drama wurde 2015 mehrfach ausgezeichnet - unter anderem beim Filmfestival in Cannes.

Bundesweiter Filmstart ist der 31. Dezember 2015.

Weitere Informationen

Schafzüchter-Drama eröffnet Nordische Filmtage

04.11.2015 20:00 Uhr
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Sture Böcke (Original: "Hrutar")

Genre:
Komödie, Drama
Produktionsjahr:
2015
Produktionsland:
Norwegen
Zusatzinfo:
mit Sigurður Sigurjónsson, Theodór Júlíusson
Verlag:
Arsenal Film Verleih
Regie:
Grímur Hákonarson
Länge:
93 min
Kinostart:
31. Dezember 2015