Stand: 14.01.2017 07:57 Uhr

Oratorium "Arche" begeistert das Publikum

von Elisabeth Richter

Für das erste Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters in der Elbphilharmonie hatte Generalmusikdirektor Kent Nagano bei einem der erfolgreichsten deutschen Komponisten ein Werk in Auftrag gegeben: Der 43-jährige Münchner Jörg Widmann komponierte ein großes, mehr als 100-minütiges Oratorium für drei Chöre, Solisten, Sprecher und Orchester. Der Titel "Arche" ist natürlich programmatisch zu verstehen, einerseits sieht die Elbphilharmonie von außen durchaus wie ein großes Schiff aus, andererseits, so sagte Jörg Widmann in einem Interview, lasse für ihn der Große Saal auch an das Innere eines Schiffes denken. Am Freitag war in der Elbphilharmonie die Uraufführung zu sehen.

Fünfteiliges Oratorium

Jörg Widmann hat sich mit seinem fünfteiligen Oratorium einiges vorgenommen: Er erzählt die Menschheitsgeschichte, es beginnt mit der Schöpfung, dann kommt die Sintflut, in Teil 3 geht es um die Liebe. Teil 4 heißt "Dies irae" (Tag des Zorns), Teil 5 "Dona nobis pacem" (Gib uns Frieden). Ein Mädchen und ein Junge sprechen exzellent Bibelzitate. Aus weiteren Texten etwa von Matthias Claudius, Schiller, Nietzsche oder Schimmelpfennig hat Jörg Widmann eine ziemlich wilde und kontrastreiche Kollage angefertigt. Nicht nur die Texte treffen krass aufeinander, auch die Musikstile.

Ein Kessel Buntes

Jörg Widmann hat Floskeln, Harmonien, Rhythmen von der Renaissance bis zur neuen Musik und mehr daher genommen und wie in einem Kessel Buntes zusammengerührt. Da singen die hervorragenden Solisten, der Bariton Thomas E. Bauer und die Sopranistin Marlis Petersen, auch ziemlich oft kitschige Melodien. Es geht um Liebe, um Missverständnisse zwischen Mann und Frau, die Widmann im Stil eines Schumann-Liedes karikiert. Das ist amüsant, Widmann stört immer wieder diese klangliche Seeligkeit. Aber die Stilzitate sind auf die Dauer zu exzessiv.

Am Schluss der Aufführung kommt Widmann dann im Heute an. Der Kinderchor Hamburger Alsterspatzen schreit Worte wie "Apple", "Schuldenschnitt", "Syria" in den Raum. "In God we trust" ("Wir vertrauen auf Gott") heißt es. Darauf antworten zwei Kinder laut mit „Nein!". Nicht auf Götter, sondern auf die Menschen solle man vertrauen.

Ein bisschen viel Pathos

"Entzündet Liebe, wo Finsternis regiert", hat der faszinierend gute Knabensopran Gabriel Böer zu singen. Kinder, die Menschen also, die die Zukunft gestalten, lässt Jörg Widmann diese kluge Botschaft verkünden. Hätte er sie doch bloß nicht mit so viel Pathos und so vielen Anleihen bei seinen großen Komponisten-Kollegen verpackt. Wie auch immer, am Ende gibt es stürmischen Beifall, und das zurecht für das souveräne Philharmonische Staatsorchester unter Kent Nagano.

Uraufführung von Widmanns "Arche"

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