Stand: 07.04.2017 10:11 Uhr

Nach vielen Stürzen: Elphi soll sicherer werden

Die Elbphilharmonie hat schon Hunderttausende glücklich gemacht. Doch in den ersten drei Monaten hat es im Saal und in den Foyers des neuen Konzerthauses auch immer wieder schwere Unfälle gegeben, räumt der kaufmännische Direktor Jack Kurfess im Gespräch mit NDR 90,3 ein. Wie oft musste ein Krankenwagen in die Elbphilharmonie kommen?

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Jack F. Kurfess ist kaufmännischer Direktor der Elbphilharmonie.

Jack Kurfess: Wir hatten 40 Rettungswageneinsätze. Da waren ein paar Fehlalarme darunter und Schwächeanfälle, wie wir sie auch in der Laeiszhalle haben. Es waren acht Einsätze, die auf Stürze zurückgehen. Acht Stürze auf mittlerweile 250.000 Besucher. Da meine ich, man sollte das Thema nicht zu hoch hängen.

Wie schwer waren denn die Verletzungen?

Kurfess: Die Menschen haben sich richtig verletzt. Betroffen sind da vor allem ältere Menschen, die etwas unsicher auf den Beinen sind. Die haben in der Elbphilharmonie noch Schwierigkeiten, weil sie die Wege nicht gewohnt sind.

Es gibt Gerüchte über den Fall eines Genickbruchs. Stimmt das?

Kurfess: Der schwerste Vorfall war, als eine ältere Dame gestürzt ist und sich wohl den Halswirbel angebrochen hat.

Das sind ja keine Kleinigkeiten. Wo sind denn die Unfallschwerpunkte in der Elbphilharmonie?

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Kurfess: Die Unfallschwerpunkte ergeben sich aus der besonderen Geometrie dieses Saales. Die Treppen sind schräg und haben spitze Winkel. Das sind die Menschen nicht gewohnt. Und möglicherweise haben die Architekten damals an Geländern gespart, weil sie den Saal natürlich sehr pur und offen haben wollten. Er ist ja auch wunderbar und ein Erlebnis. Aber wir haben auch schon nachgerüstet und überall dort, wo wir heikle Orte festgestellt haben, noch mal Geländer angebracht.

Wenn man aus den Sitzreihen auf die Saaltreppe tritt, ist das ein großes Stolperrisiko für jeden. Was unternehmen Sie, um gerade hier Stürze zu vermeiden?

Kurfess: Das ist in der Tat ein Stolperrisiko. Wir diskutieren das schon lange mit den Architekten. Das Haus ist genehmigt. Wir tun also nichts Ungenehmigtes. Wir werden da noch einmal stärkere Markierungen anbringen, sodass man es auch haptisch ertasten kann.

Im Foyer ist seit Wochen bekannt, dass die Stufen beim Abstieg schwer einzusehen sind. Warum ist bislang dort noch nichts Nennenswertes geschehen?

Kurfess: Auch das ist erkannt, und wir sind in Gesprächen mit dem Bauunternehmen Hochtief und den Architekten. Auf der großen Treppe, die von der Plaza zum Foyer führt, ist jede Stufe mit einer schwarzen Linie markiert. Das werden wir überall in den Foyers anbringen. Jetzt diskutieren wir gerade noch, ob die Strich-Stärke von einem halben Zentimeter ausreicht, oder ob es ein ganzer Zentimeter sein soll.

In welchem Zeitrahmen soll das umgesetzt werden?

Die Plaza mit Treppenaufgang zum Großen Saal in der Elbphilharmonie in Hamburg. © dpa-Bildfunk Fotograf: Christian Charisius, dpa

Elbphilharmonie soll sicherer werden

NDR 90,3 - Abendjournal -

Das Interview mit Jack Kurfess zum Nachhören.

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Kurfess: As soon as possible, was bei uns schwierig ist, weil wir jeden Tag volles Haus haben. Das muss nachts geschehen, oder wir müssen bis zum Sommer warten.

Der Kartenvorverkauf in der Elbphilharmonie hat viele, die keine Karten bekommen haben, in den vergangenen Wochen und Monaten frustriert. Was machen Sie in Zukunft anders?

Kurfess: Wir haben Herrn Scholz gebeten, eine zweite Elbphilharmonie zu bauen (lacht). Wir haben die Verkaufstermine der einzelnen Konzertanbieter entzerrt. Wir wollen außerdem bei einigen unserer eigenen Veranstaltungen ausprobieren, dass man sich zunächst nur auf Karten bewerben kann. Wenn es dann mehr Interessenten als Karten gibt, werden die Tickets verlost. Das hat den Vorteil, dass die Menschen nicht acht Stunden am Computer sitzen und sehen müssen, dass sie im Warteraum erst auf Platz 22.000 sind. Wir wollen das ausprobieren und prüfen, ob auch das ein Modell für die Zukunft sein könnte.

Das wird als Pilotprojekt aber erst einmal nur ausgewählte Konzerte betreffen?

Kurfess: Genau. Grundsätzlich starten wir unseren Kartenverkauf am 12. Juni. Dabei werden wir die Hamburger zuerst bedienen. Das heißt, wir werden den Präsenzverkauf früher öffnen als den Online-Verkauf. Wenn man an die Konzertkassen geht, wird es genügend Tickets geben. Der Onlineverkauf beginnt erst ein bisschen später.

Wie groß ist die Chance, noch am Tag des Konzertes selbst an der Abendkasse Karten zu bekommen?

Kurfess: Es gibt da jeden Tag zwischen 15 und 45 Karten. Die Leute kennen das schon und kommen sehr früh, setzen sich ab 16 Uhr mit einem Buch hin und warten, bis die Abendkasse öffnet. Dann lassen sie sich auf einer Warteliste eintragen, und die wird dann abgearbeitet. Das gibt es jeden Abend, aber es sind nicht sehr viele Plätze.

Das Interview führte Daniel Kaiser.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 06.04.2017 | 19:00 Uhr

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