Stand: 12.01.2017 11:07 Uhr

Hamburg kann stolz auf die Elbphilharmonie sein

von Catarina Felixmüller, NDR 90,3

Nach einer skandalträchtigen Baugeschichte und explodierten Kosten ist die Elbphilharmonie in Hamburg nun endlich eröffnet worden. Kann die Konzentration auf die Musik und die Zukunft das Vergangene vergessen lassen?

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NDR Kulturredakteurin Catarina Felixmüller meint, dass das reiche Hamburg die hohen Mehrkosten für das Konzerthaus verschmerzen dürfte.

Es hätte auch ganz anders ausgehen können. Dieser Gedanke dürfte wohl dem einen oder anderen in den Kopf gekommen sein, der am Mittwochabend, die Klänge von Beethovens "Ode an die Freude" noch im Ohr, beseelt auf den wie immer zugigen Platz vor der Elbphilharmonie trat. Denn sicher war es erst seit 2013, sechs Jahre nach Grundsteinlegung, dass dieses außergewöhnliche Bauwerk auch tatsächlich zu Ende gebaut wird.

Für Kultur sorgten hier schon immer die Bürger

Mittlerweile sonnt sich der Hanseat, wenn auch noch ein wenig schüchtern, im Licht der internationalen Aufmerksamkeit. Nur noch heimlich denkt er jetzt an die berechtigten Zweifel zurück, die er vor allem 2012 hatte. Damals schienen die Baukosten einmal mehr in Dimensionen zu steigen, die außerhalb jeder Vorstellung lagen. Der Verdacht, einem größenwahnsinnigen Projekt aufgesessen zu sein, drängte sich auf.

Ein furchtbarer Gedanke für die Bürger einer Hansestadt, die sich prima eingerichtet hatten in dem Gefühl, dank florierender Wirtschaft auch überregional wahrgenommen zu werden. Und darüber hinaus auch etwas Besonderes zu sein: durch den Hafen, das Licht und das Grün, im Wissen, schon immer eine freie Stadt gewesen zu sein. Kein Kurfürst hatte hier jemals für Kultur gesorgt, das haben die Bürger selbst gemacht. Nicht opulent, aber angemessen.

Eine Geschichte vieler Glücksfälle

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Damals, 2012 flatterten zerfetzte Plastikplanen am imposanten Rohbau, nichts ging mehr auf der Baustelle. Vieles ist schief gelaufen in den Geburtsjahren des Bauwerks. Die Geschichte der Elbphilharmonie ist aber auch eine von vielen Glücksfällen.

Angefangen von den Erfindern dieses Projekts, einem visionären Hamburger Architekten und seiner Frau, über Bürgermeister Olaf Scholz und die verstorbene Kultursenatorin Barbara Kisseler, die den Karren dann schließlich doch noch aus dem Dreck zogen, bis hin zum Intendanten der Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, der nun seit zehn Jahren hartnäckig die Stellung in Hamburg hält. Ganz einfach, weil es die "spannendste Aufgabe ist, die derzeit im internationalen Konzertbetrieb zu haben ist", wie er sagt. Sie waren es, die der Elbphilharmonie den entscheidenden Tritt auf dem Weg bis zur Vollendung gaben.

Nicht zu vergessen der Steuerzahler und die überaus großzügigen Mäzene der Stadt, denen irgendwann nichts mehr blieb, als zähneknirschend zu vertrauen. Im Nachhinein ist vollkommen klar: Wäre vorher klar gewesen, wie teuer die Elbphilharmonie am Ende geworden ist, wären die Architekten Herzog und de Meuron und der geniale Akustiker Toyota niemals zum Zuge gekommen.

Ein teurer, aber verschmerzbarer Makel

Heute sucht das Bauwerk seinesgleichen. Man muss nicht gleich von einem Weltwunder sprechen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten Jahren, wo immer auf der Welt, etwas Ähnliches entsteht, ist überaus gering. Darauf können die Hamburger stolz sein. Und zwar offensiv. Auch wenn das nicht ihre Art ist.

Aber wie hat Hans Albers, Sohn der Stadt, einmal gesagt: "Nur Lumpen sind bescheiden". Jetzt haben wir sie also, die Einzigartige, die überaus gelungene Elbphilharmonie. Bekanntlich braucht jede Schönheit einen Makel, will man sich ihr zu Füßen werfen. Der fällt zwar mit rund 350 Millionen unnötiger Kosten empfindlich deutlich aus, aber das dürfte die reiche Stadt Hamburg verschmerzen. Schaut man zum Beispiel auf das drohende Debakel um die HSH Nordbank, könnten auf Hamburg noch ganz andere Summen zukommen.

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NDR Info | Kommentare | 12.01.2017 | 08:55 Uhr

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