Stand: 12.01.2017 06:58 Uhr

Die Elbphilharmonie will erobert werden!

Fast zehn Jahre hatten die Hamburger und ihre Gäste Zeit, sich auf diesen Abend vorzubereiten: Das neue Konzerthaus, die fast 800 Millionen Euro teure Elbphilharmonie, wurde feierlich eröffnet. Ende gut, alles gut?

Bild vergrößern
Erst wenn die Eintrittspreise steigen, wird sich die wahre Anziehungskraft der Elbphilharmonie zeigen, meint Joachim Hagen.

Schorsch Kamerun, der Sänger der Punkband Die Goldenen Zitronen und Elbphilharmonie-Kritiker der ersten Stunde, hat es vor Kurzem so ausgedrückt: Mosern bringt nichts, jetzt kommt es darauf an, was wir daraus machen. Und damit hat er recht.

Der Bau des neuen Hamburger Wahrzeichens war schlecht geplant, amateurhaft ausgeführt und im Ergebnis viel zu teuer. Zehn Jahre lang haben sich die Hamburger darüber das Maul zerrissen. Aber das ist jetzt vorbei. In der Stadt herrscht eine Art kollektives Premierenfieber. Die Vorfreude auf das Eröffnungskonzert ist fast mit Händen zu greifen. Viele Hamburger und noch mehr Touristen haben ihre Elbphilharmonie schon mit einem Besuch der Plaza in Besitz genommen.

Ist die Elbphilharmonie wirklich für alle da?

Aber die Bewährungsproben stehen erst noch bevor. Der Erfolg der Elbphilharmonie hängt vor allem davon ab, ob das Konzerthaus ein Magnet für alle sein wird. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hatte schon früh versichert, die Elbphilharmonie werde kein Tempel nur für die Hamburger Honoratioren. Die Stadt und der Betreiber der Elbphilharmonie haben dafür schon viel getan. Das NDR Elbphilharmonie Orchester bietet Schnupperkonzerte für den Preis einer Kinokarte an. Kinderkonzerte sollen Berührungsängste abbauen. Und jüngere Musik-Fans, die mit Klassik nicht so viel anfangen können, werden mit Pop-Konzerten angelockt. Wie dieses "Elbphilharmonie für alle"-Konzept funktioniert, wird schon beim Eröffnungskonzert deutlich. Fast jeder vierte Besucher hat seine Karte bei einer Verlosung gewonnen. Damit der Vorwurf des Eliten-Tempels keine Chance hat.

Wie ergeht es den anderen Konzerthäusern im Norden?

Allerdings gibt es zwei Probleme - ein kurzfristiges und ein langfristiges. Kurzfristig besteht die Gefahr, dass die Elbphilharmonie alle anderen Konzerthäuser im Norden überstrahlt. Jeder Klassikfan will selbst ausprobieren, wie sich der neue Konzertsaal anhört. Und für viele Musiker ist es ein Traum, einmal in der Elbphilharmonie zu spielen. Die anderen Konzerthäuser im Norden werden das zu spüren bekommen.

Das zweite Problem: Das "Elbphilharmonie für alle"-Konzept ist teuer. Mit Schnupperpreisen können diese Kosten nicht aufgefangen werden - trotz einer Millionen-Unterstützung durch die Stadt. Erst wenn die Eintrittspreise steigen, wird sich zeigen, wie groß die Anziehungskraft der Elbphilharmonie wirklich ist. Aber keine Schwarzmalerei. Jetzt kommt es darauf an, die Elbphilharmonie zu erobern, wie Schorsch Kamerun sagte. Und der Ansturm auf die Konzertkarten zeigt, dass die Vorfreude groß ist.

Weitere Informationen

Elbphilharmonie-Eröffnung im Zeichen der Freude

"Sie werden unerwartete Musik hören", sagte Intendant Lieben-Seutter vor der Eröffnung der Elbphilharmonie. Zu Recht: Das Konzert ist anspruchsvoll, kann aber begeistern. mehr

"Freude, schöner Götterfunken"

Endlich erklingt Musik in der Hamburger Elbphilharmonie: Mit einem ebenso mitreißenden wie anspruchsvollen Programm ist das Konzerthaus am Mittwochabend eröffnet worden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentare | 11.01.2017 | 17:08 Uhr

Mehr Kultur

03:34
03:00
05:15

Kampf um die Zukunft von ARD und ZDF

20.09.2017 23:20 Uhr
ZAPP