Norddeutsche Gesichter
Porträts bekannter historischer Persönlichkeiten aus Norddeutschland. mehr
Dem gebürtigen Schweizer Thomas Gisiger und dem Dortmunder Andreas Löher ist es wichtig, dass jeder Gast sich in ihrem Theater wie zu Hause fühlt. Von der Ankunft bis zur Heimfahrt kümmern sich die beiden um jeden einzelnen Gast der "2ten Heimat", dem "Après-Theater" in Hamburg-Altona.
Nach dem persönlichen Empfang erhält jeder Gast ein Begrüßungsgetränk und Fingerfood. An den Stehtischen im Foyer können die Besucher den Alltag hinter sich lassen. Geschäftsführer Löher stimmt sie auf den Abend ein.
Dann ertönen Glocken und die Zuschauer werden in den Bühnenraum eingelassen. Was in anderen Theatern eher unüblich ist, gehört hier dazu: Zwischen den Stühlen stehen Tische mit prächtigen Karaffen mit Wein und Wasser. Sie fordern dazu auf, auch während der Vorstellung zu trinken.
Thomas Gisiger bearbeitet die Weihnachtskugeln, die Zuschauer aus dem Publikum angeblich bestellt haben sollen.
Im Theaterstück des Abends geht der Wahl-Hamburger Gisiger der Frage nach "Wie schüchtern darf ein Mann sein?". Die muntere und ansteckend heitere, manchmal etwas simple Spielart kommt beim Publikum gut an.
Unerwartet werden einzelne Zuschauer mit ihrem Nachnamen aufgerufen und gefragt, ob sie bei ihrer Bestellung von 10.000 Weihnachtskugeln bleiben, die Ueli Hürlimann, gespielt von Thomas Gisiger, auf der Bühne herstellt. Im ersten Augenblick von der Ansprache überrascht, spielen die Zuschauer in der Folge begeistert mit. "Ja, ich bleibe bei meiner Bestellung", heißt es aus dem Zuschauerraum.
Neben den interaktiven Elementen der Vorstellung wird der Zuschauer in die Kindheit von Ueli Hürlimann mitgenommen. Dem Konflikt mit seinem Vater entgeht das Publikum genauso wenig wie der traumatischen Auseinandersetzung mit seinem Lehrer. Nicht nur die lustigen, heiteren Momente, sondern auch die nachdenklich stimmenden Szenen regen die Zuschauer an, sich nach der Vorstellung über das Stück zu unterhalten.
Nach der Vorstellung ist vor dem Dinner
Am Anfang tauschen sich Gäst über das gesehene Stück aus. Aber je später der Abend, desto globaler die Themen.
Wenn der Vorhang auf der Bühne fällt, öffnet sich der Vorhang zum Speisesaal. Die Tische sind gedeckt und laden zum Essen ein. Jeder Gast hat einen ihm zugewiesenen Sitzplatz. Die Gastgeber wollen nichts dem Zufall überlassen.
Wein und Wasser stehen bereit. Dazu wird an diesem Abend eine Kartoffelcremesuppe mit Brot und Butter gereicht. Nacheinander werden die Tische gedeckt. Niemand muss lange warten. Die Zeit vergeht schnell bei Gesprächen mit den Tischnachbarn über das Theaterstück.
Als Hauptgericht serviert das Team um Gisiger und Löher Berner Oberländer Proseccohuhn. Zum Dessert gibt es Baumgrenze, eine Vanille-Mascarpone-Creme mit Birne. Nach dem Drei-Gänge-Menü stehen zu romantischer Musik noch Espresso und ein Digestif bereit.
Ein insgesamt langer und genussvoller Abend in angenehmen Ambiente - das ist auch das Konzept der Betreiber. Das "Après-Theater", wie Gisiger und Löher ihr Theater nennen, ist ein Ort, der Kultur, Kulinarisches und Kommunikation verbindet. Seit 2007 veranstalten die beiden immer freitags und samstags das Spektakel.